30.12.1985

Pop: Adieu, Onkel Pö

*
Udo Lindenberg, auch eine Legende, hatte den Schuppen hochgedröhnt: "Bei Onkel Pö spielt 'ne Rentnerband seit zwanzig Jahren Dixieland". Lindenberg bekam lebenslang Freibier für den Spruch, seit dieser grauen Vorzeit hielt sich der Schnack, in Hamburg gäbe es eine muntere "Szene" und deren Nabel sei der Schummerschuppen in Eppendorf. Und wirklich spielten ja große Jazzer dort, auch diente er als Sprungbrettl, für Helen Schneider etwa oder Al Jarreau. Sonst dämmerte das Pö dahin - ein enger Laden, mit 300 Leuten, die sich auf die Zehen trampelten, denn höchstens ein Zehntel konnte die Bühne einsehen. Unerschütterlich aber schrieben Musikjournalisten das Lokal immer höher - und läuteten damit das Totenglöcklein. Eine Legende verträgt keine Kosmetik - der letzte Betreiber des "Pö" muß es geahnt haben. Fern blieb dem Schuppen jede Innovation, und am Tresen träumten die Szene-Dinosaurier von Otto und Udo. Am 31. Dezember geht das Pö den Weg allen Fleisches, demnächst wird ein Steakhaus draus.

DER SPIEGEL 1/1986
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


  • Parabel-Flug: Promi-Party in der Schwerelosigkeit
  • Slackline-Artistik: Messerscharfer Salto auf der Wäscheleine
  • Ungewöhnlicher Trip: Weltreise für 50 Euro
  • "Horrorhaus" in Kalifornien: "Meine Eltern haben mir das Leben genommen"