10.03.1986

Film: Eastwood menschelt

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Schießen Sie nicht auf den Gitarristen - denn der hat Tuberkulose, zuviel Alkohol im Blut und den verzweifelten Wunsch, vor seinem nahenden Tod im Country-and-Western-Mekka Nashville/ Tennessee einen letzten großen Auftritt hinzulegen. Clint Eastwood ist in dem von ihm 1982 inszenierten Road Movie "Honkytonk Man" so zahm, lahm und menschelnd wie noch nie. Er spielt den kaputten Musiker Red Stovall, der in der Zeit der großen Depression auf der Reise ins ersehnte Nashville durch die amerikanische Provinz zieht und dabei das erlebt, was man so erlebt, wenn man durch die amerikanische Provinz zieht: Mal landet er wegen Hühnerdiebstahls für einige Stunden im Knast, mal wird er von einem listigen Schuldner beinahe hereingelegt, mal nimmt er vor einer Verrückten Reißaus, die sich von ihm ein Kind machen lassen will. Natürlich kommt Red Stovall schließlich doch nach Nashville, und natürlich kommt "Honkytonk Man" - mit Verspätung - in unsere Kinos, denn auch der schlechteste Eastwood ist noch gut genug um eine Handvoll Dollar einzuspielen.

DER SPIEGEL 11/1986
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