14.04.1986

SPIEGEL Gespräch„Ich fühle mich dafür nicht verantwortlich“

Präsidentschaftskandidat Kurt Waldheim über seine Vergangenheit
SPIEGEL: Herr Waldheim, warum wollen Sie unbedingt Bundespräsident der Republik Österreich werden?
WALDHEIM: Das hat mich meine Frau auch schon gefragt. Darum: Ich bin zu der Überzeugung gekommen, daß es meine Pflicht ist, meine langjährige Erfahrung und meine Sachkenntnis meiner Heimat zur Verfügung zu stellen.
SPIEGEL: Ist das nicht die übliche Umschreibung für Politiker-Ehrgeiz?
WALDHEIM: Ehrgeiz treibt mich nicht. Ich war schließlich schon in einer der höchsten Positionen der Welt und könnte von meiner Uno-Pension ein schönes, ruhiges Leben führen.
SPIEGEL: Als Österreicher, dem die Welt vertraut, haben Sie sich auf Ihren ersten Wahlplakaten angepriesen. Ist es Zufall, daß die Plakate nun verschwunden sind?
WALDHEIM: Da besteht keinerlei Zusammenhang. Von einem bestimmten Zeitpunkt an waren ohnehin andere Plakate vorgesehen.
SPIEGEL: Sie glauben also, daß Ihnen die Welt nach wie vor vertraut?
WALDHEIM: Ja, die Angriffe stammen von einer einzigen Interessengruppe in New York. Gleichzeitig bekomme ich täglich Briefe und Anrufe aus der gesamten Welt, die mir raten: "Lassen Sie sich ja nicht durch diese verleumderischen Behauptungen ins Bockshorn jagen!" Und ich lasse mich auch nicht jagen.
SPIEGEL: In der Weltpresse liest man aber nicht mehr viel von Vertrauen in Kurt Waldheim.
WALDHEIM: Es handelt sich um ein Lügengebäude, das zur Präsidentenwahl hier in Österreich gezimmert wurde.
SPIEGEL: In Ihrem Lebenslauf klaffen Lücken, die Fragen nach Ihrer Vergangenheit in der Nazizeit provozieren.
WALDHEIM: Warum hätte ich denn meinen Lebenslauf im Detail ausbreiten sollen? Ich war kein Nazi, ich war weder Mitglied der SA noch des NS-Studentenbundes, ich habe keine Kriegsverbrechen begangen. Ich war ein anständiger Soldat, der wie Hunderttausende andere zum Dienst in der deutschen Armee gezwungen wurde. Ich habe mir nichts zuschulden kommen lassen.
SPIEGEL: Aber in allen Ihren biographischen Darstellungen haben Sie immer dieselben zwei Abschnitte Ihres Lebens ausgelassen - Ihre Verbindung zu NS-Organisationen und Ihren Kriegseinsatz auf dem Balkan. 1946 haben Sie in einem Personalbogen unterschrieben, daß Sie beim NS-Reiterkorps, einer Unterabteilung der SA, waren. Heute erklären Sie, Sie waren es nicht.
WALDHEIM: Das Ganze ist doch lächerlich. Was hat sich denn wirklich abgespielt? Eine Gruppe von jungen Studenten hat mich damals eingeladen, an Reitveranstaltungen der Konsularakademie teilzunehmen.
SPIEGEL: Mußten Sie die Einladung denn annehmen?
WALDHEIM: Natürlich wollte ich sie nicht zurückweisen. Ich wollte die Optik wahren. Ein paarmal mitzureiten schien mir kein Malheur, schien mir sogar nützlich. Ich galt als politisch nicht verläßlich. Mein Vater war Anhänger der Schuschnigg-Regierung, er wurde gleich nach dem Anschluß von den Nazis verhaftet.
SPIEGEL: Wie oft sind Sie mitgeritten?
WALDHEIM: Drei-. vier-, höchstens ein halbes Dutzend Mal.
SPIEGEL: Wurde Uniform getragen?
WALDHEIM: Nie. Wir sind ohne Uniform ausgeritten. Dadurch kann man doch nicht Mitglied der SA werden.
SPIEGEL: Warum haben Sie in Ihrem Fragebogen ausgefüllt, daß Sie Mitglied im NS-Reiterkorps waren?
WALDHEIM: Die Reitergruppe wurde später wohl pauschal dem NS-Reiterkorps zugerechnet. Damit mir kein Vorwurf gemacht werden kann, habe ich 1946 den Fragebogen so ausgefüllt. Es ist doch kurios, wie man aus einem solchen Floh einen Elefanten machen kann.
SPIEGEL: Also alles "Dummheiten", wie Sie mal gesagt haben?
WALDHEIM: Zeigen Sie mir doch eine Mitgliedskarte der NSDAP oder der SA mit meinem Namen. Es gibt sie nicht. Selbst Nazijäger Simon Wiesenthal, der in der Kartei der NSDAP und ihrer Organisationen nachgeschaut hat, sagt: "Nein, es gibt sie nicht." Es kann niemand erwarten, daß ich heute zugebe, einer Organisation angehört zu haben, der ich gar nicht angehört habe. _(In seinem Wiener Wahl-Hauptquartier mit ) _(Redakteuren Inge Cyrus, Dieter Wild, ) _(Hans-Peter Martin. )
SPIEGEL: Sie haben aber auch in der Darstellung über Ihre Kriegszeit Unklarheiten bestehen lassen. Überall heißt es gleichlautend: "1942 kehrt Waldheim verwundet von der Ostfront in die Heimat zurück und nimmt sein Studium wieder auf. Nach seiner Promotion 1944 heiratet er. Dann muß er zurück an die Front." Dabei denkt man doch automatisch an die Ostfront. Sie waren aber schon 1943 auf dem Balkan.
WALDHEIM: Ich wollte die Leute nicht mit einer lückenlosen Chronologie meiner Kriegszeit langweilen. Deshalb habe ich auch nicht erwähnt, daß meine Einheit schon bei der Besetzung des Sudetenlandes und beim Frankreich-Feldzug dabei war. Ich habe nur erwähnt, was eine Zäsur in meinem Soldatenleben darstellte - meine Verwundung an der Ostfront, nach der ich mit Mühe und Not dem Tod entgangen bin.
SPIEGEL: Kandidaten für hohe Ämter sollten lückenlos Auskunft geben.
WALDHEIM: Bei meiner ersten Kandidatur für das Amt des österreichischen Bundespräsidenten hat sich 1971 kein Mensch für solche Details interessiert. Auch vor meiner Wahl zum Uno-Generalsekretär im Jahr 1972 hat niemand gefragt. Warum kommen diese Fragen erst jetzt? Weil ich im Gegensatz zu 1971 wirklich die Chance habe, zum Staatsoberhaupt gewählt zu werden. Das paßt dem politischen Gegner nicht.
SPIEGEL: Daß die mißtrauisch gewordene Öffentlichkeit nach dem Balkan fragt, ist ja kein Wunder. Der Balkankrieg war eben ein Partisanenkrieg, wo Schlimmeres passiert ist als etwa während des Frankreich-Feldzugs.
WALDHEIM: Ich habe nie geleugnet, daß der einzige Gegner der deutschen Wehrmacht in Jugoslawien die Partisanen waren. Sie waren auch der einzige Gegner unserer Heeresgruppe.
SPIEGEL: Sie selbst wollen nie einen Partisanen gesehen haben?
WALDHEIM: Dafür stehe ich ein. Ich habe keinen Partisanen gesehen, ich konnte daher auch mit keinem physische Berührung haben.
SPIEGEL: Wieso das?
WALDHEIM: Ich war nach meiner Verwundung gehbehindert und daher nicht mehr frontdiensttauglich. Ich konnte nur in Stäben Dienst tun. Dort war ich zuerst als Dolmetscher, dann als Verbindungsoffizier und schließlich als 3. Ordonnanzoffizier tätig. Abwehroffizier war ich nie.
SPIEGEL: Was genau haben Sie in diesen Funktionen getan?
WALDHEIM: Ich habe reine Schreibarbeit geleistet, nämlich für meinen Chef, Oberstleutnant Warnstorff, die täglichen Rapports der Divisionen und Armeekorps zusammengestellt und mit F.d.R. (Für die Richtigkeit) abgezeichnet. So etwas macht im Zivilleben ein kleiner Kanzleibeamter.
SPIEGEL: Gefangene wollen Sie nie verhört haben?
WALDHEIM: Nie. So etwas von mir zu behaupten ist eine reine Verleumdung. Die Gefangenen wurden von den Divisionen an Ort und Stelle verhört, in besonderen Fällen vor dem Armeekorps. Dann wurden die Berichte dem Abwehroffizier der Heeresgruppe, Major Hammer, vorgelegt.
SPIEGEL: Von den Deportationen der Juden aus Saloniki wollen Sie auch nichts gewußt haben?
WALDHEIM: Nein. Darauf kann ich einen heiligen Eid schwören.
SPIEGEL: Schwören Sie nicht zuviel?
WALDHEIM: Ich habe dafür mehrere Zeugen. Unser Stab lag in Arsakli, im Bergland sechs Kilometer außerhalb von Saloniki. Warnstorff sagte es schon, wir lebten dort abgeschlossen wie in einem Kloster. Auch im Offizierskasino war von Judendeportationen nie die Rede.
SPIEGEL: Seltsam, die Juden aus Saloniki wurden zwischen Mitte März und Ende Mai 1943 deportiert, zu einer Zeit also, in der Sie vor Saloniki stationiert waren.
WALDHEIM: Nein, von November 1942 bis irgendwann im April 1943 war ich auf Studienurlaub in der Heimat. Das ist aktenkundig. Mein Sohn hat jetzt die Einzelheiten dokumentarisch zusammengestellt, das war nach über 40 Jahren eine Viechsarbeit. Da ist es mir wie Schuppen von den Augen gefallen, daß ich gar nichts wissen konnte. Ich hatte daher auch wenig von der Stadt gesehen, sicherlich keine Juden-Transporte.
SPIEGEL: Auch keine Juden mit Judenstern ?
WALDHEIM: Nicht einmal die. Simon Wiesenthal, der mich dankenswerterweise verteidigt...
SPIEGEL: ... nicht in diesem Punkt.
WALDHEIM: Richtig. Er hat mir gesagt "Schauen Sie, Herr Waldheim, ich weiß, Sie sind unschuldig. Aber eines kann ich Ihnen nicht abnehmen: daß Sie von den Judendeportationen nichts gewußt hätten; schließlich bestand ein Viertel bis ein Drittel der Bevölkerung von Saloniki aus Juden. Ich habe geantwortet "Herr Wiesenthal, ich habe wirklich nichts gewußt, ich war mit meiner Schreibarbeit beschaftigt. Wenn ich es gewußt hätte, würde ich es sagen." Wissen allein ist ja kein Verbrechen.
SPIEGEL: Haben Sie auch in der Kampfgruppe Westbosnien bloß Schreibarbeit geleistet?
WALDHEIM: Ich habe mich lediglich bei der Kampfgruppe Westbosnien gemeldet und wurde von dort als Dolmetscher und Verbindungsoffizier zur italienischen Division "Pusteria" weitergeschickt.
SPIEGEL: In weicher Funktion?
WALDHEIM: Als Dolmetscher und Verbindungsoffizier. Ich erhielt einen Funkwagen und die nötigen Instruktionen, um die Meldungen der Italiener ins Deutsche zu übenetzen und an meine Stab weiterzugeben.
SPIEGEL: Wo waren Sie stationiert?
WALDHEIM: In einem Ort namens Pljevlja. Mir liegt ein jugoslawischer Zeitungsbericht mit den Erinnerungen einer Familie aus der damaligen Zeit vor. Die Leute haben den Reportern erzählt, daß ich ein sympathischer Leutnant gewesen bin, den sie gern hatten, der Schokolade verteilte.
SPIEGEL: Eine rührende Geschichte. Aber wie nahe sind Sie den blutigen Kämpfen und Ausschreitungen im Kozara-Massiv gekommen?
WALDHEIM: Wir waren etwa 200 Kilometer entfernt.
SPIEGEL: Wenn wir nun von der Vergangenheitsbewältigung zur aktuellen Wahlkampagne kommen...
WALDHEIM: Lassen Sie mich vorher sagen: Ich bedaure die grauenvolle Tragödie zutiefst, die das Hitler-Regime verursacht hat, besonders auch gegenüber der jüdischen Bevölkerung, aber ich persönlich fühle mich dafür nicht verantwortlich. Meine Familie und ich haben das nationalsozialistische Regime von allem Anfang an abgelehnt, ich habe _(Hinter dem Stuhl für Staatsoberhäupter, ) _(auf den er sich nicht setzen durfte. )
also keine Veranlassung, für seine Verbrechen persönliche Schuld zu empfinden.
SPIEGEL: Ihre Vergangenheit ist nun mal zum Hauptthema der österreichischen Präsidentenwahl geworden. Fühlen Sie sich nicht unwohl beim Gedanken, daß Ihnen gerade die Diskussion über Ihre Rolle in der Nazizeit offenbar einen Stimmenzuwachs beschert?
WALDHEIM: Diese Kausalität besteht in meinen Augen nicht. Ich hatte bei den Meinungsumfragen von vornherein einen großen Vorsprung gegenüber meinem Hauptkonkurrenten. Wenn mir jetzt weitere Stimmen zuwachsen, dann aus einem sehr simplen Grund: Die Österreicher wehren sich dagegen, daß ein anständiger Mann wie ich, der über 40 Jahre bewiesen hat, daß er anständig ist, aus sehr durchsichtigen Gründen verunglimpft wird: daß man ihn zu einem Nazi machen möchte, wenngleich alle Tatsachen dagegen sprechen. Das Volk hat ein gesundes Beurteilungsvermögen, das Volk wird richtig entscheiden.
SPIEGEL: Mit dem gesunden Volksempfinden haben Deutsche und Österreicher schon ihre Erfahrungen gemacht.
WALDHEIM: Man hat aus dem Ausland gedroht, den Österreichern stünden sechs schwere Jahre bevor, wenn sie mich wählen würden. Das ist eine krasse Einmischung in die inneren Angelegenheiten eines Landes. Ich weiß nicht, wie etwa das holländische Volk in so einer Situation reagieren würde.
SPIEGEL: Finden Sie nicht, daß es sich die Deutschen und die Österreicher aufgrund ihrer Vergangenheit gefallen lassen müssen, von der Welt genauer angeschaut zu werden als die Holländer?
WALDHEIM: Mag sein. Aber 41 Jahre nach Kriegsende muß endlich Schluß sein.
SPIEGEL: Helmut Kohl hält sich bei diesem Thema die "Gnade der späten Geburt" zugute. Das kann Ihr Jahrgang ja nicht.
WALDHEIM: Mein Jahrgang hat viel mitgemacht. Als junger Mensch, mit 16, habe ich im Bürgerkrieg 1934 gesehen, wie meine Landsleute aufeinander schossen. Dann kam der Anschluß. Zugegeben, eine große Zahl von Österreichern war begeistert. Von denen redet man bis heute und vergißt, daß auch eine große Zahl von Österreichern, darunter meine Familie, im Keller saß und weinte, weil die österreichische Nation unterging.
SPIEGEL: Sechs Prozent haben geheult und 94 Prozent gejubelt.
WALDHEIM: So war die Relation bestimmt nicht. Und außerdem, warum haben die Österreicher gejubelt? Weil sie jahrelang in wirtschaftlicher Not gelebt hatten. Sie hofften auf Milch und Honig. Tatsächlich bekamen sie Krieg, unermeßliches Leid...
SPIEGEL:... und den wahnsinnigen Antisemitismus. Offenbar ist er mit dem Hitlerreich nicht untergegangen. Der Jüdische Weltkongreß greift Sie an - vielleicht zu heftig - und schon wächst Ihre Popularität.
WALDHEIM: Sie wächst einzig allein, weil mir Unrecht geschieht. Ich habe den Applaus von Antisemiten gar nicht nötig. Ich bin gut genug, um ohne sie zu gewinnen.
SPIEGEL: ÖVP-Generalsekretär Michael Graff hat "verblendete Funktionare des Jüdischen Weltkongresses und deren gewissenlose Handlanger in der Umgebung des österreichischen Bundeskanzlers" zu Drahtziehern der Kampagne gegen Sie gemacht. Ist das kein Schüren von Antisemitismus?
WALDHEIM: Da müssen Sie Herrn Graff fragen. Ich bin nicht einmal Parteimitglied der ÖVP. Die Motive des Jüdischen Weltkongresses sind ja durchschaubar. Es geht in Wahrheit um meine Uno-Jahre. Diesen Leuten hat die Nahost-Politik des Uno-Generalsekretärs Waldheim nicht gepaßt.
SPIEGEL: Das mag schon sein, denn Sie haben 1974 den PLO-Chef Arafat eingeladen, vor der Uno aufzutreten.
WALDHEIM: Nein, die Generalversammlung hat ihn eingeladen.
SPIEGEL: Hätten Sie ihn nicht zumindest auffordern müssen, seine Pistole abzulegen?
WALDHEIM: Er hat gar keine Pistole gehabt. Das Holster war leer.
SPIEGEL: Hat er sie etwa an der Garderobe abgegeben?
WALDHEIM: Wo sie war, weiß ich nicht. Im Holster jedenfalls war sie nicht. Ein Photo zeigt das ganz deutlich.
SPIEGEL: Sind Sie auch nicht dafür verantwortlich, daß im großen Uno-Saal für Arafat ein Stuhl wie für ein Staatsoberhaupt bereitgestellt wurde?
WALDHEIM: Aber nein. Dafür war der Präsident der Generalversammlung Verantwortlich, der algerische Außenminister Bouteflika. Ich habe davon erst zehn Minuten vor Sitzungsbeginn erfahren, bin sofort von meinem 38. Stock in den 2. zu Bouteflika gestürzt und habe gesagt: Das können Sie doch nicht machen. Aber der Stuhl konnte nicht mehr entfernt werden. Immerhin habe ich erreicht, daß es Arafat untersagt wurde, sich auf den Stuhl zu setzen. Er hat sich daran auch einigermaßen gehalten. Er hat sich nach der Rede nur ein bißchen angelehnt.
SPIEGEL: Offenbar hat Israel Ihre Bemühungen nicht richtig gewürdigt.
WALDHEIM: Nach den Angriffen des Jüdischen Weltkongresses gegen mich verhielt sich Israel sehr korrekt. Ministerpräsident Peres hat gesage "Solange keine konkreten Beweise vorliegen, erheben wir keine Anschuldigungen gegen Dr. Waldheim."
SPIEGEL: Haben Sie je daran gedacht, auf Ihre Kandidatur zu verzichten?
WALDHEIM: Keine Sekunde. Dann hätten meine Gegner ja ihre Ziele erreicht .
SPIEGEL: Wenn Sie gewählt werden, ist dann nicht zu befürchten, daß das gemütliche Österreich als häßliches Naziland dasteht, nachdem es schon jetzt als Skandalrepublik gilt?
WALDHEIM: Das Wort Skandalrepublik weise ich zurück. Skandale gibt es überall, auch in der Bundesrepublik, auch in Italien, wo am vergifteten Wein schon einige Menschen gestorben sind, was in Österreich gottlob nicht der Fall war. Jeder soll vor seiner eigenen Tür kehren, und niemand soll mit Steinen werfen, wenn er im Glashaus sitzt.
SPIEGEL: Herr Waldheim, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.
In seinem Wiener Wahl-Hauptquartier mit Redakteuren Inge Cyrus, Dieter Wild, Hans-Peter Martin. Hinter dem Stuhl für Staatsoberhäupter, auf den er sich nicht setzen durfte.
Von I. Cyrus, D. Wild und H.-P. Martin

DER SPIEGEL 16/1986
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