10.03.1986

GESTORBENTing Ling

*
Ting Ling, 82. Chinas bekannteste Autorin und radikale Feministin begann schon im Alter von 16 Jahren mit der Schriftstellerei. Literarischen Ruhm erntete sie 1928 mit ihrem Roman "Das Tagebuch der Sophia". In den frühen Erzählungen schilderte sie junge Frauen, die sich gegen die patriarchalisch konfuzianische Gesellschaft auflehnten. Die überzeugte Kommunistin propagierte die "freie Partnerwahl" - sie selbst lebte unverheiratet mit dem Schriftsteller Hu Jeh-pin zusammen. Seit 1931 Mitglied der KP Chinas, fiel Ting Ling in der eigenen Partei mehrmals in Ungnade. Sie prangerte den Bürokratismus der kommunistischen Funktionäre an und kritisierte 1942 in, "Gedanken zum 8. März" die frauenfeindliche Haltung der von Mao Tse-tung geführten Revolutionäre. Für ihren 1948 erschienenen Roman "Die Sonne scheint über dem Sangkan-Fluß", der die Bodenreform im Stil des sozialistischen Realismus feiert, erhielt sie 1951 den Stalinpreis. Nach dem Scheitern der "Hundert-Blumen-Kampagne", 1957, wurde sie als "rechtes Element" kritisiert und in die Verbannung geschickt, 1979, drei Jahre nach dem Sturz der "Viererbande", aber rehabilitiert. Ting Ling starb am vergangenen Dienstag in Peking.

DER SPIEGEL 11/1986
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


DER SPIEGEL 11/1986
Titelbild
Abo-Angebote

Den SPIEGEL lesen oder verschenken und Vorteile sichern!

Jetzt Abo sichern
Ältere SPIEGEL-Ausgaben

Kostenloses Archiv:
Stöbern Sie im kompletten SPIEGEL-Archiv seit
1947 – bis auf die vergangenen zwölf Monate kostenlos für Sie.

Wollen Sie ältere SPIEGEL-Ausgaben bestellen?
Hier erhalten Sie Ausgaben, die älter als drei Jahre sind.

Artikel als PDF
Artikel als PDF ansehen

GESTORBEN:
Ting Ling

  • Waldbrand in Brandenburg: Feuer auf ehemaligem Truppenübungsplatz
  • Kicken für die Karriere: Ein neuer Özil für Rot-Weiß Essen?
  • Hessen: Weltkriegsbombe hinterlässt riesigen Krater auf Getreidefeld
  • Stunt-Video aus Thailand: Mit dem Wakeboard über den Wochenmarkt