10.03.1986

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Die „FAZ“ zum SPIEGEL-BUCH „Tatort Finanzministerium - Die staatlichen Helfer beim Spendenbetrug“ von Joachim Wagner: *
Der Titel verspricht nicht zuviel. Es geht um jene Seite der Parteispendenaffäre, die gemeinhin verschwiegen oder geleugnet wird: um die Mitwisserschaft von Politikern, hohen Staats- und kleinen Finanzbeamten. Ohne ihre stillschweigende Duldung hätten die Parteien die ominöse "Umwegfinanzierung" nicht über Jahrzehnte betreiben können... Wagner bringt dafür Beispiele aus mehreren Bundesländern, nennt Roß und Reiter... Nach Lektüre dieses Buches fragt man sich bedrückt, wieso diese Seite der Parteispendenaffäre der Öffentlichkeit so lange hat vorenthalten werden können und wieso sich Anklagebehörden und Gerichte auch heute noch weigern, die weitverzweigte staatliche Mitwisserschaft zur Kenntnis zu nehmen. Die Antwort muß wohl auf zwei Punkte weisen: einmal auf die großen Namen, die politische Macht und das soziale Prestige jener, die in der Blütezeit der verdeckten Parteispenden ihre Hand schützend über die Manipulationen hielten; zum anderen darf sie den Opportunismus, den vorauseilenden Gehorsam und die Ignoranz jener nicht vergessen, die die Gesetze auszuführen hatten.
RÜCKSPIEGEL
Zitate
Die "New York Times" über den Brief des New Yorker Bürgermeisters Ed Koch (SPIEGEL Nr. 8/1986) zum SPIEGEL-Artikel MÄNNLICH, MENSCHLICH UND SIEG-REICH in Nr. 45/1985: *
Einer der drei Chefredakteure des SPIEGEL, Erich Böhme, erklärte, das Nachrichtenmagazin habe den Brief des Bürgermeisters mit Datum vom 19. Dezember Anfang Januar erhalten. Böhme behauptete, "der SPIEGEL ist nicht antisemitisch, und besagter Satz ist entgegen allem Anschein ebenfalls nicht als antisemitisch zu verstehen". "Man muß", so Böhme, "den ganzen Absatz lesen. Wir wollten einfach nur sagen, daß Koch, der selbst nicht besonders schön ist, sich mit einer schönen Dame zierte, um den Wählern zu gefallen." "Für ein Publikum, das in solchen Dingen so empfindlich ist", fuhr Böhme unter offensichtlicher Anspielung auf den Bürgermeister und andere New Yorker fort, "war diese Formulierung vielleicht nicht besonders glücklich." Als der Bürgermeister um Stellungnahme gebeten wurde, ließ er durch seinen Sprecher erklären: "Ich akzeptiere deren Feststellung, die erklärt, was der Artikel ursprünglich vermitteln wollte, mir aber nicht vermittelte. Immerhin gibt es stets Übersetzungsschwierigkeiten. Was mich anlangt, ist die Angelegenheit erledigt."

DER SPIEGEL 11/1986
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DER SPIEGEL 11/1986
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