16.06.1986

„Ich bin ein Führer, habe aber kein Volk“

Der libysche Revolutionschef Muammar el-Gaddafi und sein Land (II) *
Keine Revolution ist widerspruchsvoller und perverser als die libysche", schrieb die Südafrikanerin Ruth First, eine Kämpferin für die Emanzipation der Entwicklungsländer, die 1982 im Exil in Mosambik von einer Paketbombe aus Südafrika zerrissen wurde.
Gaddafis Libyen ließ gestandene Revolutionäre wie Ruth First fassungslos: Offenbar bestimmte da eine aus dem 7. Jahrhundert stammende Gesellschaftsmoral aus der Wüste die Politik eines modernen Erdölstaates.
Offenbar war da ein halbgebildeter Beduine, der am liebsten in einem Zelt lebt und sich zuweilen wie ein Operetten-Göring putzt, im Atomzeitalter zu einer Zentralfigur der arabischen Welt aufgestiegen.
Weshalb gewann ausgerechnet sein Libyen solche Bedeutung? Nach Liberia und Äthiopien war es zwar der dritte Staat in Afrika, der unabhängig wurde, blieb aber - bis zu Gaddafis Putsch 1969 - weit weniger entwickelt als alle anderen Staaten, die später ihre eigene Fahne aufziehen konnten.
Algerien, Ghana und Tunesien etwa waren wirtschaftlich viel weiter und hatten eine einheimische Kleinbourgeoisie, die an die Regierung drängte. Libyen dagegen erhielt seine Unabhängigkeit 1951 als Morgengabe von der Uno, weil sich die vier Siegermächte nicht über den Status des ehemals italienischen Kolonialgebiets einigen konnten.
Wie ein Geschenk von irgendwo kam eines Tages auch der Reichtum über das Land. Lange Zeit war in Libyen nach Erdöl gesucht worden. Dann, 1957, sprudelte die erste größere Quelle. Schon zehn Jahre später, also noch zu Zeiten der siechenden Monarchie des Königs Idris, war Libyen der Welt viertgrößter Erdölexporteur.
Dennoch hat in Gaddafis Sicht Libyens Öl-Bonanza nicht so sehr mit Rationalität, Planung und harter Arbeit zu tun. Es war "baraka" - Segen, ein Gottesgeschenk.
Reichtum, so ohne Anstrengung gewonnen, Lösungen, die so zufällig von selbst kommen, nähren die Illusion, daß Allah es schon richten werde. "Eine fatalistische Weltsicht", beobachtete Ruth First in Libyen, "reduziert soziale und politische Aktionen auf das Niveau von ideeller Verpflichtung und das Betreiben von (praktischer) Politik auf einen moralischen Kreuzzug."
Die lärmenden Aufmärsche in der Hauptstadt und das manchmal tagelange Palaver der "Volkskongresse" im ganzen Land sind Ausdruck dieses Kreuzzuges. Palästina wird befreit - durch Sprechchöre in den Straßen von Tripolis. "Volksherrschaft" findet statt - weil sich Dorfbewohner versammeln, um der Regierung zu huldigen.
Die manchmal fatalistische Weltsicht des Regimes zeigt sich, wenn Gaddafi es der "baraka" zuschreibt, daß alle Versuche scheiterten, ihn zu stürzen - seit 1969
wahrscheinlich 19. Den Erfolg seines eigenen Putsches gegen den König Idris erklärte Gaddafi so: "Gott war mit der Revolution."
Allah hilft. Aber die siegreichen Revolutionäre brauchten Fremde, um ihr Gottesgeschenk Öl aus der Erde zu heben und zu vermarkten. Das nährt einen unterschwelligen Minderwertigkeitskomplex, den Phrasen über die großartige arabische Vergangenheit kompensieren müssen. "Die Araber haben einmal die Welt geprägt", verkündeten Inschriften in Tripolis, "die Araber werden wieder führen."
Im praktischen Leben der Gegenwart halten es die libyschen Araber lieber mit der Gottergebenheit. "Wir haben 5000 Jahre ohne Öleinkünfte gelebt", sagen sie bei Verhandlungen mit ausländischen Unternehmen gern, "und wenn es sein muß, können wir das wieder."
Libyens Vergangenheit ist gekennzeichnet durch Invasionen und Besatzungsregime, während die Bewohner der Region selbst kaum andere Länder eroberten - an Lebensraum hatte es ihnen in ihrem riesigen, leeren Gebiet nie gefehlt. Wie groß die Zahl der Eindringlinge war, zeigt eine Liste der Städte, von denen aus Gebiete des heutigen Libyen in den vergangenen 2500 Jahren regiert wurden: Karthago, Alexandria, Rom, Konstantinopel, Damaskus, Bagdad, Tunis, Kairo, Palermo, Valletta, Madrid, London, Paris.
Bis heute sind die Libyer, die ihren Namen den alten Griechen verdanken, Fremden gegenüber mißtrauischer als manch andere Araber - sie hatten zu viele davon.
Die Türken waren fast 400 Jahre da. Die Italiener kolonisierten das Land drei Jahrzehnte lang. Die Briten und die Franzosen stellten für ein knappes Jahrzehnt eine Militärverwaltung. Aus Deutschland zogen der Forscher Heinrich Barth und der Feldherr Erwin Rommel durch Libyen. Im Zweiten Weltkrieg war es Schlachtfeld für Italiener und Deutsche auf der einen Seite, Engländer, Amerikaner und Franzosen auf der anderen.
Die fremden Soldaten zerstörten die Stadt Bengasi zu 80 Prozent und Tobruk total. Sie legten Millionen Minen, davon war 1957 erst eine Million geräumt. Noch 1985 töteten Sprengkörper aus dem Zweiten Weltkrieg spielende Kinder bei Bengasi.
Das Land ist dünn besiedelt und riesengroß. Bengasi gehört zur Cyrenaika, dem Ostteil des Landes, der historisch immer nach Ägypten hin orientiert war. So essen die Menschen in der Cyrenaika die gleichen Bohnengerichte wie die Kairoer. In der Südprovinz Fessan dagegen kochen dunkelhäutige Libyer Speisen wie in Schwarzafrika. In Tripolitanien, im Westen, wird Couscous serviert wie im Maghreb.
Die Ruinenstädte Sabratha und Leptis Magna erinnern in Tripolitanien an wirtschaftlichen Reichtum und eine Hochkultur in der Antike. Im Lauf der arabischen Herrschaft verlosch der Glanz, und unter den Türken wurde Tripolis der wichtigste Seeräuberhafen am Mittelmeer.
Als die Piraten auch Schiffe aus den jungen Vereinigten Staaten angriffen, schickte US-Präsident Thomas Jefferson 1803 ein Expeditionskorps in das Seeräubernest. Er wollte "das Mittelmeer nicht aufgeben" (SPIEGEL 7/1986).
Ein Jahrhundert später, beim Wettlauf der europäischen Mächte um Afrika, griffen die Italiener nach Libyen. Sie erwarteten leichte Beute, ein Aufstand der Einheimischen gegen den fernen türkischen Sultan, den "kranken Mann am Bosporus", sollte ihnen helfen. Gezielt versorgte deshalb Rom einige Beduinenstämme in Libyen mit Waffen.
Doch Italiens politische Aufklärung hatte "die Wichtigkeit der gemeinsamen _(Bei der Suche nach Minen aus dem Zweiten ) _(Weltkrieg. )
Religion von Türken und Libyern nicht beachtet", schreibt der britische Libyenspezialist John Wright. Libysche Stämme kämpften im Ersten Weltkrieg mit den Türken gegen die Italiener. Konstantinopels Bündnispartner Deutschland kam zu Hilfe: U-Boote der kaiserlichen Marine setzten an Libyens Küsten Waffen und Militärberater ab. Deutsche und türkische Spezialisten errichteten eine geheime Munitionsfabrik.
Aber die türkisch-deutsche Allianz verlor den Krieg. Bald sahen sich Libyens Stämme allein in einem Abwehrkampf gegen Italien, der sich bis 1932 hinziehen sollte. Es war ein grausamer Krieg, eine traumatische Erfahrung für das Volk. Sie erklärt manches, was die Welt heute so verblüfft am Lande Libyen.
Den Widerstand gegen die Italiener führte die Senussi-Sekte an, eine puristische islamische Bruderschaft, deren Zentrale in der Cyrenaika lag.
Vor über hundert Jahren hatten die Senussis von den Oasen der libyschen Wüste aus weite Teile der heutigen Staaten Mali, Niger, Nigeria und Burkina Faso islamisiert. In seinem Hauptquartier am Tschadsee leitete der Moslemführer Mohammed el-Mahdi el-Sanussi aus der Cyrenaika den Kampf gegen die vorrückenden französischen Kolonialtruppen.
Die Senussis gründeten ein Netz von Sawijas, klosterähnlichen Niederlassungen, in denen genossenschaftlich Ackerbau betrieben wurde. Die Sawijas waren gleichzeitig Handels- und Bildungszentren der einheimischen Stämme, ganz gleich welche Macht in den Küstenstädten regierte. Gegen die dort einziehende Modernität stellten die Senussis die traditionellen Werte. Ihre Bollwerke wurden Brutstätten eines fundamentalistischen Islam und des antieuropäischen islamischen Nationalismus.
Fast das gesamte Staatsgebiet des heutigen Libyen sowie weite Teile des Sudan und des Tschad wie auch anderer Sahara-Länder überzogen die Senussi-Reformer mit ihren strategisch-religiösen Bollwerken. Das Tibesti-Gebirge an der Grenze zum Tschad war eine Hochburg des Senussi-Gebiets. Selbst das Osmanische Reich arrangierte sich mit der Sekte, die auch schwere theologische Gegensätze mit den Religionsgelehrten in Mekka und Medina nicht scheute.
Wie der Katholizismus die Polen, einte in Libyen der Islam die Volksgruppen in der Rebellion gegen einen Feind, der die Namen ihrer Provinzen von den Landkarten tilgen wollte.
Die Italiener führten den Krieg zunächst auf herkömmliche Art. In der
zweiten Phase setzten sie verstärkt Flugzeuge und motorisierte Truppen ein. Den Sieg errangen sie schließlich mit Methoden der modernen Anti-Guerilla-Kriegführung. Sie brannten Dörfer und Felder nieder, vergifteten Brunnen, siedelten die Bevölkerung um. Nur mit solchen Mitteln konnten die Italiener den Aufstand unter Kontrolle bekommen.
Denn Libyens Kämpfer bewegten sich unter den "sottomessi" (Unterworfenen), ihren Landsleuten, lautlos wie Schlangen im Sand. Das Volk verpflegte und versteckte die Krieger. Beduinen überließen ihnen Pferde und Kamele. Libyer in Italiens Armee ließen den Rebellen so viel Munition zukommen, daß die Offiziere ihre Soldaten mit Waffen ausrüsten mußten, mit denen die Gegner nichts anfangen konnten. Schließlich verzichteten die Italiener auf einheimische Kämpfer.
Verlassen konnten sie sich zum Beispiel auf eritreische Christen unter ihren Kolonialsoldaten, fanatische Krieger, die um ihren Hals sichtbar ein Kreuz trugen. Bei den Libyern aber wußten die Italiener nie, woran sie waren. Mitläufer oder Neutrale entpuppten sich oft plötzlich als Feinde. Stammesfürsten sprachen untereinander ab, wer sich unterwerfen und wer zu den Partisanen stoßen sollte. Für die Libyer gab es eine "Regierung des Tages" und eine "Regierung der Nacht".
Die Nacht regierte über Jahre Umar el-Muchtar, ein weißbärtiger Senussi-Scheich. Er war schon über 60, als er 1923 das Kommando über die Stammeskrieger der Cyrenaika übernahm, und er wirkte mit seiner Brille eher wie ein Korangelehrter als ein Guerillaführer.
Umar teilte seine Einheiten in "adwar" ein, mobile Kommandos von 100 bis 300 Männern, die sich nach Überfällen oft auflösten, ehe sie sich neu gruppierten. Aus allen italienischen Garnisonen berichteten Spione dem Partisanenführer.
Im Januar 1930 kamen schlechte Nachrichten. Der harte General Rodolfo Graziani war Vizegouverneur von Libyen geworden und rüstete zum Endkampf.
Er schloß die Senussi-Stützpunkte, verhaftete die Scheichs. Wer Kontakt mit den Aufständischen hatte, wurde zum Tode verurteilt. Fliegende Standgerichte sorgten für prompte Schuldsprüche und sofortige Hinrichtung - oft auf grausame Art, wie berichtet wird: Die Italiener sollen Partisanen mit Panzern überrollt oder sie zur Abschreckung lebend aus Flugzeugen über ihren Heimatdörfern abgeworfen haben.
Graziani errichtete an der Grenze nach Ägypten einen Stacheldrahtzaun von der Küste bis zu den unpassierbaren Sanddünen 300 Kilometer im Süden. Seine Flugzeuge bombardierten Karawanen, weil die möglicherweise Nachschub für die Guerillas transportierten, er bombardierte Familien, die in Richtung Ägypten flohen. Er soll sogar Senfgas eingesetzt haben.
Der General, den die Libyer den "Schlächter" nannten, wollte die Libyer lieber in Lager sperren. Der Däne Knud Holmboe sah im Frühjahr 1930 ein solches KZ: _____" Das Lager war riesig. Es bestand aus mindestens 1500 " _____" Zelten und beherbergte zwischen 6000 und 8000 Menschen. " _____" Es hatte einen Stacheldrahtzaun und Maschinengewehre " _(Im Hafen von Tripolis 1804. ) _____" an allen Zugängen. Uns liefen Kinder entgegen, " _____" zerlumpt und hungrig. Sie streckten ihre Hände aus und " _____" riefen auf italienisch "Un soldo, Signore, un soldo." Die " _____" Beduinen wirkten unglaublich abgerissen. Sie hatten um " _____" ihre Füße Felle gelegt und mit Schnüren festgezurrt " _____" (gegen den heißen Sand). Viele waren offensichtlich " _____" krank. "
Während Holmboes Aufenthalt in der Cyrenaika richteten die Italiener täglich 30 Menschen hin. Holmboe: "Das bedeutet, daß jährlich etwa 12000 Araber exekutiert wurden, nicht mitgezählt diejenigen, die im Krieg starben. Das Land schwamm im Blut."
Es folgte dennoch dem Umar el-Muchtar, den die Italiener jagten wie ein kostbares Stück Wild. Bei einem Gefecht im Oktober 1930 verlor der Guerillachef seine Goldbrille. General Graziani frohlockte: "Seine Brille haben wir schon, eines Tages werden wir auch seinen Kopf haben."
Der Tag war der 13. September 1931, als Umar el-Muchtar in einen Hinterhalt geriet. Italienische Truppen trafen sein Pferd tödlich, verwundeten den greisen Scheich und konnten ihn endlich gefangennehmen. Schlächter Graziani unterbrach seinen Europa-Urlaub, um Umar selbst zu verhören. Dann ließ er 20000 Libyer zusammentreiben, die im Ort Suluk mit ansehen mußten, wie ihr Führer gehenkt wurde.
Bei der Hinrichtung herrschte Totenstille. Italienischen Zeugen wurde unheimlich: Die Rachedrohung schien in der Luft zu liegen.
Mit Umar el-Muchtar starb der Widerstand der Libyer. Die Cyrenaika, das Zentrum der Rebellion, verlor ein Drittel bis die Hälfte seiner Bewohner. Sie waren gestorben oder aus ihrer Heimat geflohen. Graziani verkündete stolz eine "pax romana".
"Zivilisation ist das, was Italien an der vierten Küste unseres (Mittel-)Meeres schafft", trompetete Benito Mussolini und ließ im Wüstensand einen riesigen Triumphbogen bauen. Er fühlte sich als Nachfolger der Kolonisatoren des alten Rom.
Hinter seinen Soldaten schickte der Duce die "Legionäre der Arbeit" nach Libyen. Er begann, Tausende von italienischen Familien in Farmen anzusiedeln. Knapp 2000 Jahre nachdem der römische General Balbus schon einmal die Provinz erobert hatte, übergab der Duce seinem Marschall Balbo die Verantwortung für Italiens "demographische Kolonisierung" Libyens.
Italo Balbo, ein schwarzbärtiger Haudegen und Teilnehmer an Mussolinis Marsch auf Rom 1922, hatte sich als Atlantikflieger und Förderer der italienischen Luftwaffe einen Namen gemacht. Nun wollte er als Reichsgründer in Afrika in die Geschichte eingehen. Als Denkmal ließ sich der prachtliebende Marschall gleich einen Palast in Tripolis bauen.
1938 leitete Balbo persönlich einen Treck von 20000 Siedlern auf 16 Schiffen aus dem Mutterland an "Italiens vierte Küste". Vor der Abreise ließ sich der Marschall als Pate eines eben geborenen Siedlerkindes feiern. Nach der Ankunft in Libyen übergab er zahlreichen Neubürgern aus dem Mutterland die Schlüssel für ihre Farmhäuser. Transparente verkündeten: "Mussolini erlöst die Erde und gründet Städte."
Die Erde hatte der italienische Führer den Libyern abgenommen. Nun baute er Städte für sein Herrenvolk. Die Orientreisende Freya Stark notierte 1939 in Bengasi: _____" Italienische Kolonisten flanierten nach Feierabend in " _____" Familiengruppen (durch die Stadt). Irgendwo mußten doch " _____" die Araber sein. Ich verbrachte den Rest des Tages damit, " _____" sie zu suchen. Schließlich fand ich sie: in einem kleinen " _____" Getto von verwinkelten Straßen, weit weg vom Meer. "
Die Libyer wurden zu Menschen zweiter Klasse degradiert. Sie konnten zwar die "cittadinanza italiana speciale", eine Sonderstaatsbürgerschaft, beantragen. Gleichzeitig aber bestimmte ein Erlaß, daß kein Libyer Vorgesetzter eines Italieners sein dürfe
Was Wunder, daß es 1949 in Libyen ganze 16 Einheimische mit Universitätsbildung
gab und das Land bis heute Mangel an Fachleuten leidet. Das faschistische Italien wollte die Libyer zur Helotenklasse machen. Das italienische Lumpenproletariat und die landlosen Tagelöhner sollten nicht mehr nach Amerika auswandern, sondern die Provinz in Nordafrika besiedeln.
1938 lebten in Libyen neben 763000 Eingeborenen schon 89000 italienische Herrenmenschen, von denen fast 40 Prozent als Siedler Land beackerten.
Viele sollten nur noch eine Ernte einbringen. Denn der Zweite Weltkrieg erreichte Nordafrika. In Wüstenschlachten gegen die Alliierten starben 48000 italienische und deutsche Soldaten. Rommel stieß weit über die ägyptische Grenze vor, wurde aber bei El-Alamein geschlagen. Im Januar 1943 rollten britische Panzer nach Tripolis, das die faschistischen Bonzen sang- und klanglos verlassen hatten.
"Das letzte Lazarettschiff", klagte der italienische Gouverneur von Tripolis. Alberto Denti di Pirajno, "war nicht etwa vollgestopft von Verwundeten, sondern von Uniformen mit goldenen Tressen und Ordensspangen und Medaillen auf der Brust." Der Traum vom faschistischen Italien in Nordafrika endete kläglich.
Auf der Potsdamer Konferenz besiegelten die Siegermächte, daß Italien keinen Anspruch mehr auf Libyen habe. Das Land war nun weitgehend von Briten besetzt, ein Stück im Süden hielten die Franzosen, die Amerikaner hatten bei Tripolis ihre Wheelus Air Base errichtet.
Die vier Siegermächte schickten 1948 eine gemeinsame Kommission nach Tripolis. Sie stellte fest, Libyen sei weder wirtschaftlich noch politisch reif für die Unabhängigkeit. Die Sowjet-Union forderte nun eine Treuhandregierung der vier Mächte als Übergangslösung.
Das paßte den dreien nicht, die schon da waren. "Die Nase des Sowjet-Kamels muß aus dem libyschen Zelt herausgehalten werden", forderte ein amerikanisches Regierungspapier. Die Amerikaner hielten auch nichts von Vorschlägen, Libyen unter Treuhandschaft der Uno zu stellen.
"Unter jedweder Form von Uno-Treuhandschaft", schrieb Henry Serrano Villard, Washingtons Libyen-Spezialist und erster amerikanischer Missionschef in Tripolis, "wäre es unmöglich gewesen, das Territorium in das Verteidigungssystem der freien Welt einzubeziehen."
Möglich erschien das, wenn Libyen unabhängig würde. Denn es stand fest, daß eine Regierung in dem neuen Staat nur in Frage käme unter dem Führer des Senussi-Ordens und Emirs der Cyrenaika, Mohammed Idris. Der genoß in Libyen als Gegner der Italiener hohes Ansehen - und unterhielt seit langem feste Verbindungen zum Westen.
Im ägyptischen Exil hatte der Senussi-Führer im Zweiten Weltkrieg mehrere Bataillone aus Getreuen aufgestellt, die an der Seite der 8. Britischen Armee gegen die Achsenmächte kämpften. Alliierte Soldaten versorgte Idris mit arabischen Schreiben, die ihnen in Libyen freies Geleit und die Unterstützung von Wüstenstämmen sicherten.
Als Gegenleistung, so sagen Libyen-Kenner, wollten die Briten dafür sorgen, daß Libyen nie wieder unter italienische Kontrolle komme. Dieses Versprechen aus dem Zweiten Weltkrieg erweiterte London: Es wollte ein unabhängiges Libyen unter Idris finanziell aushalten, wenn es dafür Militärstützpunkte in dem Land betreiben dürfe.
Idris stimmte zu. Libyens Unabhängigkeit kam vor die Uno und fand dort eine Mehrheit. Am 24. Dezember 1951 übernahm der Senussi-Chef als König des unabhängigen, souveränen Libyen die Regierung.
Im unabhängigen Libyen bauten die Amerikaner ihren Luftstützpunkt aus und stellten ihn der Nato zur Verfügung. England schloß im Juli 1953 mit Libyen einen 20-Jahres-Vertrag über gegenseitige Hilfe im Kriegsfall sowie über die Ausbildung und Ausrüstung der libyschen Streitkräfte durch London.
Die Briten erhielten dafür zwei Basen sowie Landerechte in Häfen und auf Flugplätzen des Königreiches. Sie verpflichteten sich, mit 3,75 Millionen Pfund die Monarchie jährlich zu unterstützen.
Deren Zustand gab Anlaß zur Sorge, weil der König kränkelte und allmählich alt wurde. Idris fabulierte lieber über die
Gestirne, Hengste und die Wüste, als daß er regierte. Der alte Herr, der nur arabisch sprach, paßte besser in die mittelalterliche Welt des Senussi-Ordens als in die moderne Politik.
Seine Stellung war schwierig, weil Idris keinen Sohn hatte. Palastintrigen steigerten sich zu blutigen Diadochenkämpfen. 1954 ermordete ein Idris-Vetter den Hofminister und Vertrauten des Königs, Prinz Ahmed el-Schalhi, der aus Marocko stammte. Offenbar sollte ein Fremder als möglicher Nachfolger ausgeschaltet werden.
Die Affäre wirkt im nachhinein anachronistisch. Denn sogar im konservativen Libyen änderten sich die Zeiten. Jugendliche, darunter ein Muammar el-Gaddafi, scharten sich um Transistorradios, um Kairos "Stimme der Araber" zu hören. Ihre Idole waren nicht mehr Könige und Prinzen, sondern revolutionäre Emporkömmlinge wie Algeriens Ben Bella und Ägyptens Nasser.
Nasser-Bilder tauchten in libyschen Studentenheimen auf, schmückten bald aber auch die Trödelläden in Tripolis. 1955 notierten westliche Diplomaten verschreckt, daß sogar Libyens damaliger Premier Mustafa Ben Halim in seinem Amtszimmer unter das Königsbild ein Nasser-Photo gehängt hatte. Sie warnten in ihren Depeschen vor Ägyptens Botschafter in Tripolis, Generalmajor Ahmed Hassan el-Faki, einem "Meister der politischen Intrige, der Nassers volles Vertrauen genießt".
Dabei verzichtete Nassers Propaganda weitgehend darauf, die libysche Monarchie anzugreifen. Für die Stützpunkte im Nachbarland machte sie die Westmächte verantwortlich. Die Ägypter gingen sogar gegenüber der libyschen Opposition auf Distanz.
Nasser hatte es nicht nötig, in Libyen Verschwörungen anzuzetteln. Lehrer aus Ägypten und libysche Offiziere, die an Kursen in Nachbarländern teilnahmen, trugen seine aufwühlenden panarabischen und anti-imperialistischen Ideen in das altertümliche Reich des Königs Idris. Es war nur eine Frage der Zeit, bis die Saat aufgehen würde. Sie wurde schlagartig sichtbar zur Zeit des Nahostkriegs 1967.
In Libyen liefen Gerüchte um, daß die Israelis von den westlichen Basen in ihrem Land aus Hilfe erhalten hätten. Da demonstrierten die Schüler und Studenten, legten die Arbeiter in einem Generalstreik die Wirtschaft lahm. Der Mob griff Libyens jüdische Minderheit und Ausländer an. Die US-Botschaft evakuierte Hals über Kopf 6000 Landsleute.
In Bengasi versuchten Offiziersschüler, sich umzubringen - aus Scham, weil ihr Land nicht am Krieg teilnahm, und aus Schmerz über die arabische Niederlage.
Die Regierung des Königs Idris wollte die Gemüter durch eine Ankündigung beruhigen: Alle ausländischen Basen würden in absehbarer Zeit geschlossen. Libyen überwies Ägypten 25 Millionen Pfund und kündigte an, daß es den arabischen Kriegsstaaten jährlich 30 Millionen Pfund zahlen werde.
Aber Geld und gute Worte konnten keine Stabilität mehr bringen. Seit 1967 war die libysche Monarchie angeschlagen. Zu Feiertagen wurden Militärparaden kurzfristig abgesagt - die Armee galt nicht mehr als zuverlässig. Im Land herrschte unterschwellig Unruhe, obwohl Libyen längst nicht mehr zu den armen Außenseitern der arabischen Welt gehörte, sondern zu phantastischem Reichtum gekommen war.
Die Erdölfunde hatten das Bruttosozialprodukt pro Kopf von jährlich rund 40 Dollar in den fünfziger Jahren auf über 1000 Dollar 1967 schnellen lassen.
Aber Wachstum bedeutete nicht sogleich auch Entwicklung. Libyens "wirtschaftliche und soziale Infrastruktur", schrieb ein Jahr vor Gaddafis Putsch der in den USA lehrende Wirtschaftsprofessor und Weltbankberater Ragaei El Mallakh, "ist nicht ausreichend entwickelt, um mit den Problemen
des plötzlichen Reichtums der rapiden Kapitalakkumulierung fertig zu werden".
Es mangelte im Erdölland Libyen an Facharbeitern und ausgebildeten Entscheidungsträgern, es fehlte eine Unternehmerschicht. Die Bevölkerung strömte vom Land in die Städte, und was an Landwirtschaft in Libyen existiert hatte, verkam. Der Ölboom brachte die Masse der Bevölkerung der modernen Technik nicht näher und verbesserte ihren Lebensstandard wenig. Denn die Gewinne wurden nicht umverteilt.
Der Boom hatte die Widersprüche der libyschen Gesellschaft verschärft. Aber es war weniger der soziale Notstand, der die jungen nationalistischen Offiziere mit dem Königshaus entzweite. Der zündende Funke sprang nach der vernichtenden Niederlage der arabischen Armeen gegen Israel über.
Die Zeit war reif für einen Putsch, und die in ihrem Nationalstolz verletzten Libyer erhielten wieder einen Volkshelden - Muammar el-Gaddafi.
Schon wenige Tage nach der Revolution ließ Gaddafi sämtliche europäischen Beschriftungen aus dem öffentlichen Leben bannen, kurz darauf ordnete er die Schließung der ausländischen Kulturinstitute an. Das Abhören fremdsprachiger Sender wurde unter Strafe gestellt.
Im vergangenen März wurde in Libyen der Fremdsprachenunterricht verboten. "Wer dennoch eine fremde Sprache lernen will, soll Urdu (die Staatssprache des islamischen Pakistan) oder Haussa studieren", belehrte die Zeitung "Der grüne Marsch" etwaige Zweifler am Nutzen der neuen Verordnung und stellte ihnen die verfängliche Frage: "Wie viele libysche Schüler haben es im englischen Sprachunterricht zu etwas gebracht?" Neuerdings soll Englisch durch Russisch ersetzt werden.
Für den Revolutionsführer war der Fall schon lange klar. "Unsere Kultur stand über allen anderen und muß diese Position wiedererlangen", sagte er dem SPIEGEL 1972.
Natürlich hatte Gaddafi recht, wenn er seine Landsleute an die "geistige Aggression des Auslandes", insbesondere die kulturelle Würgetaktik der italienischen Kolonialherren erinnerte: Arabisch war unter deren Herrschaft zu einer Dienstbotensprache abgesunken, Italienisch war offizielle Staatssprache.
Das neue Libyen versteht sich als islamische Republik. Staatschef Gaddafi stellt die Botschaft des Koran allen anderen Überlegungen voran, ja, er hält den Islam für "die natürliche Religion der Menschheit" - für Nichtmoslems eine Anmaßung, für Beduinen aber höchst natürlich: "Die Beduinen sind erstaunt über jeden, der nach Koranlektüre noch einem anderen Glauben als dem Islam anhängt", stellt der Brite Anthony Blond fest. Vor allem setzen sie Arabertum und Islam gleich, hatte doch Nasser, der Bannerträger des arabischen Nationalismus, erklärt: "Wir können uns der Pflicht nicht entziehen, unsere Zivilisation bis ins Herz des Urwalds voranzutragen." Dabei liegen die volksstärksten Moslemstaaten abseits der arabischen Welt: Indonesien, Bangladesch, Pakistan.
Den von den Italienern hingerichteten Senussi-Scheich Umar el-Muchtar beförderte Gaddafi zu einer Art Nationalheiligem. Überall in Libyen wurden Straßen und Plätze nach dem Märtyrer benannt.
"Sucht im Heiligen Koran, und ihr findet eine Antwort auf alles, was euch bewegt", hatte Sektengründer Mohammed Ibn Ali el-Sanussi 1850 seine Anhänger aufgefordert. "Unsere Religion beantwortet alle Fragen der Nation", wiederholte Muammar el-Gaddafi.
Was die Senussis von den Moslems etwa des Niltals oder der arabischen Halbinsel unterschied, war ihr Argwohn gegenüber den klassischen Rechtsschulen. Sie glaubten nicht an die Verbindlichkeit der vielen alten Entscheidungen und erklärten Koran und Propheten-Überlieferung zur alleinigen Quelle jeglicher Islam-Auslegung.
Der Bruder Oberst im kleinen Tripolis, das im Vergleich zu Kairo, Bagdad, Damaskus und Tunis keine bedeutenden Koran-Interpreten hervorgebracht hat, erklärte auch die Propheten-Tradition für hinfällig und wirkte dadurch in seinem _(1973 in Tripolis, Gaddafi ist wegen ) _(einer Erkältung in Tücher gehüllt. )
Land fast wie ein moslemischer Martin Luther.
Die nicht für glaubwürdig befundene Prophetentradition wurde in Libyen abgeschafft, der eigenwillige junge Staatschef legte sich ein eigenes Instrumentarium zu, das - entsprechend genutzt - das Leben auf den Islam ausrichtete. Und wirklich, der Zug kam ins Rollen.
Libyen verbot das Glücksspiel sowie Genuß und Vertrieb von Alkohol, ließ die Prostituierten gerichtlich verfolgen, schaffte das Zinswesen ab, verordnete die Bestrafung von Diebstahl und Wegelagerei durch Amputation von Hand und Fuß sowie die Bestrafung von Ehebrecherinnen durch Steinigung bis zum Tode.
Ähnliche Gesetze sind in Saudi-Arabien, in Kuweit, im Iran und in Pakistan in Kraft. Gaddafis islamische Moralisten zeigten sich jedoch milder als ihre Kollegen am Golf: Sie verurteilten keine Ehebrecherin zum Tode und ließen auch keinem Dieb die Gliedmaßen abhacken. Als 1972 ein Bankräuber von einem harten Kadi erfuhr, daß er am nächsten Tag seine Hand verlieren werde, wandte sich der Delinquent an den Staatschef persönlich. Seine Hand blieb erhalten.
Der Chef selbst nahm es mit den Geboten nicht immer so genau. Vor drei Jahren überraschten ihn Angehörige der "Volkskongresse" beim Frühstück- im heiligen Fastenmonat Ramadan. Seinen Verstoß gegen eine der fünf "Säulen" des Islam rechtfertigte der findige Sünder Gaddafi mit dem Hinweis, daß er zum Fastenbrechen berechtigt sei - schließlich stehe er im ständigen Kampf gegen die arabische Reaktion, den Imperialismus und den Neukolonialismus. Der Islam entbindet außer Kranken und Reisenden auch kämpfende Gläubige von der Fastenpflicht.
Der eigenwillige Islam-Interpret in Tripolis geriet schon früh ins Feuer der Kritik islamischer Traditionalisten, die Libyens staatlich gebilligte Abweichungen vom herkömmlichen "Bourgeoisie-Islam" (Gaddafi) als Teufelswerk verketzerten. Diese Kreise trieben Gaddafi allmählich zu immer schärferen religiösen Polemiken und zu wachsender Intoleranz.
Einer katholischen Delegation, die 1976 zu einem "islamisch-christlichen Dialog" in Tripolis erschienen war, empfahl der Oberst: "Erkennt Mohammed als Propheten an." Den in einen Bürgerkrieg gegen ihre moslemischen Landsleute verstrickten Christen des Libanon riet er an: "Tretet zum Islam über, und ihr seid all eure Probleme los."
So einfach wäre das also. Gaddafi verlor das Maß, so daß schließlich auch seine Beziehung zum Hort der religiöskonservativen
Kräfte in Libyen zerbrach - zur Moslembruderschaft.
Die Bruderschaft, welche die Ermordung des ägyptischen Präsidenten Sadat genauso lautstark bejubelt hatte wie Gaddafi, fühlte sich von seinem Beduinen-Islam und seinen verbalen Exzessen abgestoßen.
Gaddafis Anmaßung, er könne Allahs Wort ebensogut, wenn nicht gar besser deuten als die theologisch geschulte Bruderschafts-Elite oder die Absolventen der Kairoer Al-Azhar-Universität, brachte das Faß zum Überlaufen.
Als Gaddafi ohne erkennbaren Anlaß den Scheich Tahir Ahmed el-Sawi unter Hausarrest stellte, der als "Mufti" Libyens höchste Autorität in islamischen Rechts- und Glaubensfragen ist, hetzte die Moslembruderschaft im libyschen Offizierskorps und auf der Straße gegen den "selbsternannten Propheten". In einem Flugblatt nannte sie ihn einen "Wahnsinnigen", der wegen seiner Abkehr vom wahren Islam "vogelfrei" sei.
Der Gedemütigte nahm die Herausforderung an. Er verhaftete Hunderte von Moslembrüdern, konfiszierte islamische Schriften, die nicht auf Libyens Druckpressen hergestellt worden waren, und fühlte sich zu neuen islamischen Großtaten veranlaßt.
Er änderte die islamische Zeitrechnung und ließ sie mit dem Todesjahr des Propheten (632 n. Chr.) beginnen, während die gesamte moslemische Welt von der Auswanderung des Propheten von Mekka nach Medina im Jahre 622 an rechnet.
Vier prominente Moslembrüder wurden als "Agenten der CIA" auf den Marktplätzen von Tripolis und Bengasi gehenkt.
Auf bis heute ungeklärte Weise verschwand 1978 der populäre Schiiten-Imam des Libanon, Mussa Sadr, ein Sympathisant Chomeinis, während eines Libyen-Besuchs. Vermutlich wurde er in Tripolis ermordet.
Libanesische Schiiten jagten daraufhin die libysche Botschaft in Beirut in die Luft, schiitische Todeskommandos kaperten libysche Diplomaten und verlangten Rache für ihren nicht zurückgekehrten Imam. Gaddafis zweiter Mann, Abd el-Salam Dschallud, wurde bei einem Besuch Teherans zwei Wochen lang gehindert, den Iran wieder zu verlassen.
Libyens Waffenlieferungen an den gegen den arabischen Irak kämpfenden Iran bereinigten zwar das Klima zwischen Tripolis und Teheran. Für die Schiiten des Libanon blieb Gaddafi jedoch nach wie vor der Erzfeind - gleich nach Israel.
Wann immer Gaddafi von seinen arabischen Brüdern enttäuscht wurde, etwa als sich Ägypten mit Israel arrangierte, als andere sich seinen Einigungsmodellen entzogen oder sich "importierten Ideologien westlicher oder östlicher Prägung" verschrieben, suchte der angewiderte Revolutionsführer Zuflucht in der Wüste.
Aber er konnte auch anders: 1973, als israelische Kampfflieger eine libysche Zivilmaschine über dem Sinai abgeschossen hatten, jagte er unangemeldet nach Kairo und forderte Präsident Sadat auf, libyschen Kamikaze-Piloten zu erlauben, von einem frontnahen ägyptischen Luftstützpunkt einen Bombenangriff auf Tel Aviv zu fliegen.
Sadat lehnte ab. Drei Stunden später landete der rachedurstige Libyer in Damaskus. Aber Staatschef Assad ließ den Bruder Oberst abblitzen.
Daraufhin, so deckte der Nasser-Schwager und ehemalige Chefredakteur der halbamtlichen Kairoer Zeitung "Al-Ahram", Mohammed Hassanein Heikal, auf, befahl der rastlose Oberst dem Kommandanten eines im Mittelmeer kreuzenden ägyptischen - nicht etwa libyschen - Unterseebootes, die "Queen Mary" zu versenken, an deren Bord sich die Teilnehmer eines Zionistenkongresses befanden. Selbstverständlich ignorierte der Kommandant die Amtsanmaßung.
Als Ägyptens Präsident Sadat schließlich auch noch Israel besuchte, den Erzfeind aller Araber, und als diese angesichts dieser Schmach nicht zu den Waffen griffen, um Sadats Frevel auf der Stelle gebührend zu bestrafen, hatte der Libyer genug: Er holte die rot-weißschwarze Fahne, die panarabische Trikolore Nassers, vor der Fernsehkamera feierlich ein.
Statt ihrer hißte er die grüne Fahne des Propheten, jenes heilige Banner, das islamische Heere vor mehr als 13 Jahrhunderten nach Libyen getragen hatten.
Im nächsten Heft
Gaddafi und Moskau: Marx hätte gefälligst den Koran lesen sollen - Mit Öl-Milliarden in die Wirtschaftsmisere - Gaddafi gründet die erste Frauen-Militärakademie der Welt _(In der früheren italienischen Kathedrale ) _(in Tripolis, die von den Libyern zur ) _(Moschee umgewandelt wurde. )
Bei der Suche nach Minen aus dem Zweiten Weltkrieg. Im Hafen von Tripolis 1804. 1973 in Tripolis, Gaddafi ist wegen einer Erkältung in Tücher gehüllt. In der früheren italienischen Kathedrale in Tripolis, die von den Libyern zur Moschee umgewandelt wurde. Das Lager war riesig. Es bestand aus mindestens 1500 Zelten und beherbergte zwischen 6000 und 8000 Menschen. Es hatte einen Stacheldrahtzaun und Maschinengewehre

DER SPIEGEL 25/1986
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