16.06.1986

„Schonzeit“ bei „geputzten Ohren“

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Hat er es gesagt? Oder gemeint und anders gesagt? Oder nicht gemeint und doch so gesagt? Oder weder gesagt noch so gemeint? Frankfurts Schauspielchef Günther Rühle sorgt für neuen Streit um das Fassbinder-Stück "Der Müll, die Stadt und der Tod". Mit einer einstweiligen Verfügung gegen den S. Fischer Verlag verhinderte Rühle Mitte Mai die Auslieferung des Buchs "Der ewige Antisemit" von Henryk M. Broder. Rühle dementiert die ihm zugeschriebene Äußerung, für die Juden sei nun das "Ende der Schonzeit" gekommen. Einigungsversuche scheiterten, nun suchen die jeweiligen Anwälte emsig ihre Zeugen zusammen. "Mindestens fünf" Leute, die Rühles Worte bezeugen, hat Broders Anwalt aufgetan, "etliche" auch sein Kontrahent, denn "im Zweifel geht es um geputzte Ohren". Autor Broder indes rühmt sich eines listigen Bubenstreichs: Anfang Mai legte er, von Rühle unerkannt, im Frankfurter "Künstlerkeller" dem Theaterchef die im Athenäum-Verlag erschienene Dokumentation "Die Fassbinder-Kontroverse" vor und bat um ein Autogramm. Rühle, laut Broder hocherfreut, signierte das Buch mit dem Untertitel "Das Ende der Schonzeit". Inzwischen wehrt sich Rühle auch gegen dieses Buch mit einer einstweiligen Verfügung.

DER SPIEGEL 25/1986
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