16.06.1986

Falsche Knochen von der Weser

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Einen Kriminalfall der Archäologie hat der Göttinger Ur- und Frühgeschichtler Peter Pieper gelöst. Mit den Methoden der Kriminologie und der Gerichtsmedizin untersuchte er die berühmten, unter Archäologen, Runologen und Philologen jedoch seit Jahren umstrittenen und von vielen Experten als Fälschung verdächtigten Weser-Runenknochen - mit Runen, Jagdszenen und Schiffsausstellungen beritzte Tierknochen, die in den 20er Jahren von einem Bademeister gefunden und seinerzeit als "bildliche Kunde ganz besonderer Art aus der Morgendämmerung germanischer Geschichte" gepriesen wurden. Pieper fand heraus, daß es sich bei jenen drei der insgesamt sieben Weser-Runenknochen, die nur mit Bildern versehen sind, um Fälschungen handelt - die echten Funde hingegen zeigen Bilder und Runentexte. Mit Hilfe der Lichtschnitt-Mikroskopie hatte Pieper unterschiedliche Gravurprofile entdeckt: Bei den Fälschungen sind die Linien scharfkantig, bei den Originalen dagegen abgerieben und ausgeschliffen. Das Alter der Originale bestimmte Pieper durch die Analyse der Aminosäurenreste ebenfalls wissenschaftlich exakt: Die echten Weser-Runenknochen stammen aus dem vierten bis sechsten Jahrhundert nach Christus.

DER SPIEGEL 25/1986
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