16.06.1986

GESTORBENBenny Goodman

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Benny Goodman, 77. Schon zu Lebzeiten war der amerikanische Klarinenist eine Musik-Legende. Man nannte ihn den "König des Swing". Nur die Beatles aus Liverpool erzeugten in den sechzigern ein ähnliches Musikfieber wie der Sohn einer armen Einwandererfamilie aus Chicago in den dreißiger und vierziger Jahren. Seine Art Musik zu spielen war herzbewegend und wunderschön: jubilierendes Forte, gehauchtes Pianissimo, stets blies der Bandleader klar und fein. Dabei war das Goodman-Rezept einfach: vier Takte Einleitung durch die Rhythmusgruppe, 32 Takte eines meist schlichten Themas, die der Mann mit der Klarinette spielte, der Rest war Improvisation. Benny Goodman war die Galionsfigur einer Ära, deren Lebensgefühl Swing hieß. Zwischen der wirtschaftlichen Depression und dem Zweiten Weltkrieg versetzte der soignierte Herr, meist im Frack, die Haare brillantinegescheitelt, randlose Brille, mit seinem Sound die amerikanische Nation in einen Taumel. Oppositionellen Jugendlichen im Nazideutschland verhalf er über BBC-Sendungen oder eingeschmuggelte Schallplatten zu einem anderen Lebensgefühl. 1981 spielte er in Hamburg, noch einmal, sein berühmtes "Sing, sing, sing" vor. Benny Goodman starb letzten Freitag in New York.

DER SPIEGEL 25/1986
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GESTORBEN:
Benny Goodman

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