16.06.1986

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Die türkische Tageszeitung „Cumhuriyet“ berichtete in der vergangenen Woche über die Folgen eines kritischen Artikels zur türkischen Militärherrschaft, den der türkische Ex-Premier Ecevit für den SPIEGEL schrieb ("Vogel mit nur einem Flügel“ in Nr. 12/1982): *
Während Ecevit Anfang 1981 an der Zeitschrift "Arayis" arbeitete, kam Frau Mareike Spiess-Hohnholz von der deutschen Zeitschrift SPIEGEL in die Türkei. Im "Arayis"-Büro führte sie mit Ecevit ein Interview. Dies erschien im SPIEGEL, und der Nationale Sicherheitsrat fühlte sich gestört. Der Kriegsrechtskommandant von Ankara teilte dies im April 1981 Ecevit mit. Nachdem Ecevit das erste Mal aus dem Gefängnis entlassen worden war, schickte der SPIEGEL Mareike Spiess-Hohnholz wieder nach Ankara. Sie hatte den Auftrag bekommen, wenn möglich, eine Stellungnahme Ecevits einzuholen. Die Zeitschrift wollte jedoch nicht, daß Ecevit deswegen erneut Probleme bekäme und festgenommen werden würde. Deshalb überließ sie ihm die Wahl des Themas... Ecevit kritisierte das Verhalten einer Regierung, die zwar vorgab, im Namen Atatürks zu handeln, in Wirklichkeit aber Dinge tat, die im Gegensatz zu dessen Handlungen standen. Die SPIEGEL-Redakteurin befürchtete daraufhin, daß Ecevit hierdurch Schwierigkeiten erwachsen könnten; aber Ecevit meinte, er wolle das Risiko eingehen und müsse dies sogar... Wegen des SPIEGEL-Artikels und eines Interviews mit dem niederländischen Fernsehen wurde Ecevit vom Militärgericht der 2. Kriegsrechtskommandantur Ankara zu insgesamt drei Monaten Haft verurteilt.
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Die "Frankfurter Rundschau" über Meinungsumfragen: *
Die Sonntagsfrage, das Was-wäre-wenn-Spielchen, scheint zur neuen Schicksalsfrage der Nation geworden zu sein. SPD und Grüne liegen momentan gut, die Unionsparteien müssen um den Bestand der Koalition, die Freidemokraten um ihre Existenz fürchten. Kein Wunder, daß CSU-Landesgruppenchef Theo Waigel eine Notbremsung versuchte. "Umfragen können uns nicht beirren", sagte er am 20. Mai der "Bild"-Zeitung. Für dieses mannhafte Wort hat er allerdings acht Tage gebraucht. Denn schon am 12. Mai hatte das Springer-Blatt CDU und CSU mit der Schlagzeile geschockt: "Stürzt Kohl über Atom?". Grundlage der reißerischen Meldung war keine Verschwörung in den Reihen der Schwarzen, sondern die Mai-Umfrage des SPIEGEL zur politischen Lage.

DER SPIEGEL 25/1986
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DER SPIEGEL 25/1986
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