08.09.1986

Falscher Alarm um Russen-Butter

*
Ein Brief aus Bolivien erregte vergangene Woche "Bild" ("Russen verkaufen unsere billige Butter teuer weiter") und damit die Gemüter. Dem CDU-Bundestagsabgeordneten Hansjürgen Doss meldete ein Freund aus La Paz einen vermeintlichen Mißstand: Deutsche Butter, abgepackt in Hamburg, werde in der bolivianischen Hauptstadt für 2,50 Mark je 227 Gramm verkauft. Da der Importeur ein Mitglied der kommunistischen Partei sei, war für den Doss-Freund die Sache klar: Die Butter mußte aus EG-Verkäufen an die Sowjet-Union kommen. Daß die Russen, die etwa 80 Pfennig pro Kilo bezahlen, aus dem Brüsseler Subventions-Wahnwitz Kapital schlagen, fand Ernährungsminister Ignaz Kiechle "einen unglaublichen Skandal" - freilich nur, "wenn der Handel stimmt". Er stimmt nicht. Die bolivianische Butter stammt zwar aus Hamburg; aber die Russen haben damit nichts zu tun. Vielmehr hat das in Hamburg ansässige "Deutsche Milch-Kontor" im Mai 16 Tonnen Butter nach Bolivien verkauft. Das Geschäft verlief streng nach den EG-Regularien und wurde mit einer Brüsseler "Ausführerstattung" subventioniert.

DER SPIEGEL 37/1986
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


DER SPIEGEL 37/1986
Titelbild
Abo-Angebote

Den SPIEGEL lesen oder verschenken und Vorteile sichern!

Jetzt Abo sichern
Ältere SPIEGEL-Ausgaben

Kostenloses Archiv:
Stöbern Sie im kompletten SPIEGEL-Archiv seit
1947 – bis auf die vergangenen zwölf Monate kostenlos für Sie.

Wollen Sie ältere SPIEGEL-Ausgaben bestellen?
Hier erhalten Sie Ausgaben, die älter als drei Jahre sind.

Artikel als PDF
Artikel als PDF ansehen

Falscher Alarm um Russen-Butter

  • Schildkröten-Prothese: Pedro läuft jetzt auf Rädern
  • Machtkampf der Tories: Der Populist gegen den Moderaten
  • Klimaprotest in NRW: Aktivisten stürmen Tagebau
  • Ehrenlegion Frankreichs: Elton John zum Ritter ernannt