08.09.1986

Oshimas politische Wut

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Als der japanische Regisseur Nagisa Oshima, in Deutschland bekannt durch den Erotik-Thriller "Im Reich der Sinne", 1960 seinen ersten Farbfilm drehte, befiel den damals 28jährigen eine seltsame Obsession: Sie bestand darin, "nichts, absolut nichts Grünes zu filmen", weil diese Farbe "besänftigend fürs Herz" wirke. Nicht nur deshalb geriet dem Filmemacher sein Werk "Nackte Jugend" seltsam manieriert. Der Film - er kommt jetzt mit Untertiteln in die deutschen Programm-Kinos - ist die japanische Antwort auf die Nouvelle Vague, es geht um Halbstarke, Vorstadt-Gangster, sexuelle Neugier und um das Scheitern der Erotik in einem Land im Umbruch zur Industriegesellschaft. Ihrer Zeit war die "Nackte Jugend" formal weit voraus, und spürbar ist noch immer, daß Oshima, in den 50er Jahren Aktivist der linksradikalen Studentenbewegung, die Frustrationen seiner Jugend in die schiere politische Wut umsetzen wollte - um beinahe zehn Jahre zu früh und in seltsam düsteren Farben. Denn das "beruhigende" Blau des Himmels hat Oshima für seine "Nackte Jugend" ebenfalls gemieden, selbst am Tage.

DER SPIEGEL 37/1986
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