09.02.1987

Ein „Flieger“ hebt ab

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Coburg: Das ist der Glaspalast einer großen Versicherung mit viel adretter Fachwerk-Idyllik drumrum, und dahinter der Steilhang des Staffelbergs, den Drachenflieger schätzen. So erzählen der Regisseur Erwin Keusch und sein Autor Uwe Timm in ihrem Film "Der Flieger", hübsch in fränkischer Mundart, von einem kleinen Coburger Versicherungsangestellten, den der große Drachenflieger-Ruhm lockt: In den bolivianischen Anden mochte er einen Weltrekord aufstellen - Hans Guckindieluft mit einem Schuß Kamikaze-Mut. Eine resolute Reporterin nimmt sich des Träumers an, besorgt ihm Publicity und Sponsoren, treibt ihn aus eigenem Ehrgeiz voran. Behutsam, mit Gespür für Situationskomik, mit Zuneigung zu verspielten Details und anekdotischen Umwegen, zeigen Keusch und Timm, wie ein "Boris-Becker-Effekt" eintritt: Ein Kleinstadt-Idol wird fabriziert. Ihr "Flieger"-Film, der jetzt in die deutschen Kinos kommt, endet im Höhenrausch auf dem Andengipfel Palomani - wo der kleine Gernegroß landet, bleibt offen.

DER SPIEGEL 7/1987
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