23.03.1987

„Eine Weide, die nach Schlachthof riecht“

Wie Frankfurts Christdemokraten die Innenstadt vom Laster befreien wollen Ein einzigartiges stadtpolitisches Experiment plant Frankfurts CDU-Magistrat: Im Bahnhofsviertel, Westdeutschlands berüchtigtstem Rotlicht-Distrikt, sollen Peep-Shows und Bordelle demnächst Banken und Bürotürmen weichen. Puffbesitzer und Polizisten, Dirnen und alteingesessene Mieter formieren sich zum Widerstand. Politiker befürchten schon einen Häuserkampf wie einst im Westend, Prostituierte denken an Streik. *
Nicht ohne Stolz erzählt Willi Schütz, 66, daß er Frankfurt "mit aufgebaut" habe. Beteiligt war er an ehrwürdigen wie anrüchigen Projekten.
Der gelernte Maurermeister setzte nach dem Krieg die historische Paulskirche instand, baute Kinos auf Trümmerflächen und jonglierte später mit Immobilien. Schließlich richtete Schütz Bordelle ein. Damit machte er Millionen.
Flexibel blieb der vielseitige Unternehmer auch, als sich Bürger im Frankfurter Westend- durch den Gewerbebetrieb in seinen Häusern belästigt fühlten. Nach einem Deal mit der Stadt siedelte der Bordellier 1968 ins Bahnhofsviertel um, wo er in der Elbestraße 49-53 unter der amtlichen Adresse "Frauenwohnheim" das Eros-Center "Crazy Sexy" aufziehen durfte.
Im Rotlicht-Revier, wo internationale Banden wie die "Euro-Gang" und auswärtige Grundstücksspekulanten herrschten, hatte es Schütz als Frankfurter unter Fremden "verdammt nicht leicht". Er boxte sich mit einer Einstellung durch, die ihm "als Baumensch eigen" war: "Nicht vornehm, aber immer fair."
So stockte der hemdsärmelige Handwerker, von der Konkurrenz respektiert und in Ruhe gelassen, sein Dirnen-Imperium auf 170 Betten auf, schuf Parkplätze auf dem Dach seiner Liebesherberge und drinnen Luxus: Drei Whirlpools legte er in echtem Marmor aus. "Bild" kürte ihn zum "ungekrönten König im Bahnhofsviertel".
Von dort will der Zwei-Zentner-Mann jetzt nicht mehr weichen. Es sei schlicht "ungezogen", poltert der Bordellbesitzer, wie ihn die Stadt verschaukeln wolle: Erst hätten die Herren ihn aufgefordert, "da kannst du rein", und nun sagen sie "bäh, jetzt mußt du wieder raus".
Die "heikle Operation an einem Herzstück" der Stadt, wie die "Süddeutsche Zeitung" die geplante Sanierung des Bahnhofsviertels wertet, ist der bislang wohl gewagteste Eingriff in die City-Zone einer bundesdeutschen Metropole. Interessiert verfolgen Kommunalpolitiker anderer Großstädte, deren Zentren ähnlich problematische Gebiete beherbergen, den Ausgang des Experiments.
Den Stadtpolitikern - das läßt das Projekt Bahnhofsviertel so komplex wie instruktiv erscheinen - geht es keineswegs nur darum, in der Frankfurter City die roten Lichter auszuknipsen. Zugleich soll auch in diesem Plangebiet ein Prozeß in Gang gesetzt werden, der in den letzten Jahrzehnten das Bild aller westdeutschen Innenstädte schleichend verändert hat: die sogenannte Aufwertung des City-Kerns, die Umwandlung der Schmuddelmeile in ein steriles "Tor zur Stadt" samt Banken, Büros und Hochpreis-Appartements.
Gegen die geplante Umwandlung des Viertels um die Kaiserstraße, das nicht
nur dem Nachtgewerbe, sondern auch Schulen und Firmen mit 25000 Arbeitsplätzen Quartier bietet, formiert sich derzeit eine Widerstandsfront, in die sich auch Geschäftsleute und Mieter einreihen. Wenn erst die Bordelle den Banken weichen und die Mieten hochschnellen, fürchten die Alteingesessenen, würden sie allesamt aus ihrem Heimatviertel vertrieben.
Angeführt wird die bunt gemischte Gegenbewegung von Bordellbesitzer Schütz. Den Kampf um seine Liegenschaften, in die er rund zwanzig Millionen Mark investiert habe, will er sich "notfalls auch juristisch etwas kosten lassen".
Unterstützung findet Schütz, versteht sich, bei den Dirnen, die um ihre Bleibe bangen. Sie wollen sich nicht, klagt eine, "wie eine Hammelherde von einer Weide auf die andere treiben lassen, zumal, wenn die arg nach Schlachthof riecht". In einer von Prostituierten mitherausgegebenen "Zeitung für leichte und schwere Mädchen", die solche Stimmen zu Wort kommen läßt, sinnierte eine Autorin auch schon über die Möglichkeit, einen regelrechten Dirnen-Streik gegen die Sperrgebietsverordnung und die Sanierungsvorhaben anzuzetteln.
Zur "Sperrgebiet - Nein danke"-Allianz gehören aber auch Polizisten, die vom Umzug keine Senkung der Verbrechensrate erwarten, sondern lediglich eine Verlagerung des kriminellen Milieus in neue Schlupflöcher. Solidarität mit den Gewerbetreibenden, dem bunten Völkergemisch und den seßhaften Alt-Frankfurtern im Revier üben auch Sozialdemokraten und Grüne, die eine neue Spekulationswelle auf die Innenstadt zurollen sehen.
In den Häusern aus der Gründerzeit, hinter deren einst schmucken Fassaden es bröckelt, haben sich neben Absteigen und Amüsierschuppen zahlreiche Tante-Emma-Läden und auch ein Schach-Cafe gehalten, dort sind türkische Minibasare eingezogen und griechische Pelzverarbeiter. Zweifelsohne ist das Bahnhofsviertel der einzige Fleck in der City, an dem es auch nach Büroschluß noch pulsiert.
Sollten die regierenden Christdemokraten das Areal für den Bau glitzernder Bankensilos und piekfeiner Appartements freigeben, dann, so befürchten oppositionelle Stadtplaner, drohe ein Häuserkampf - ähnlich schlimm wie in den siebziger Jahren im benachbarten Frankfurter Westend.
Die Säuberung hatte 1982 noch der damalige Frankfurter Oberbürgermeister Walter Wallmann eingefädelt, der "dieses Geflecht aus Prostitution, Kriminalität und Drogenhandel" zerschlagen wollte. Daß er das Großreinemachen im Rotlicht-Viertel nun seinem Nachfolger Wolfram Brück überlassen kann, der sich als sein ehemaliger Rechtsdezernent und verlängerter Arm fürs Grobe schon bewährt hat, kommt dem Bonner Umweltminister gewiß gelegen. Denn im Sündenrevier eigenhändig "die Pestgeschwüre auszumerzen", wie der CDU-Stadtverordnete Karl Diensberg das Programm nennt, wäre dem sensiblen Wallmann sicher ein Greuel.
Der Umweltminister, weiterhin auf dem vornehmen Frankfurter Lerchesberg zu Hause, operiert lieber beim Opernball galant mit dem angedeuteten Handkuß und drückt öffentlich gerade mal dem Sachsenhäuser Original "Quetsche-Lilli", 80, werbewirksam einen Kuß auf die Wange. Ins Bahnhofsviertel wagte sich Wallmann, der für die Preußen-Königin Luise schwärmt, allenfalls zu einem Phototermin vor eine dieser "entwürdigenden" Peep-Shows, die er 1982 - vergebens - verbieten lassen wollte.
Sozialdemokrat Volker Hauff dagegen, von Wallmann einst im Kampf um den OB-Posten klar geschlagen und nun Brücks Gegenspieler für die Kommunalwahl 1989, hat im Kiez erst mal Basisarbeit betrieben.
Von zwei Revierbeamten "in Jeans und auch sonst ganz locker" begleitet, streifte der Sozi interessiert durchs Amüsierviertel. Ihn schockten zwar "die grelle Aufmachung der Peep-Shows" und, als sich ihm eine farbige Prostituierte als "verheiratet mit Herrn Müller aus Hannover" auswies, dieser "Menschenhandel mit allen Tricks". Hauff: "Solche Ausuferungen muß man beschneiden."
Doch sonst ist der Schwabe, eine Mischung aus "Jung Siegfried" (Hessens Innenminister Horst Winterstein) und "Magnum" (eine Prostituierte), toleranter als die Konservativen. Auch Frankfurt sei, zieht er sein Fazit in Anspielung auf den Rhein-Main-Airport, "eine Hafenstadt" und könne "mit dem Problem der Prostitution im Bahnhofsviertel leben". _(Am 27.Januar im Frankfurter ) _(Bahnhofsviertel. )
Die Sperrgebietsverordnung hält Hauff für untauglich, weil "man einen Misthaufen nicht dadurch beseitigt, daß man ihn über die gesamte Stadt verteilt".
Im 1888 entstandenen Bahnhofsviertel hat die Prostitution eine lange Tradition. So stritt sich schon 1909 das Ordnungsamt mit einer Dirne, die in einem der Wohnhäuser aus der Gründerzeit ihrem Gewerbe nachging. Bereits in den dreißiger Jahren wurde im "Zigeunerkeller" gestrippt, im "Alkazar" angeschafft.
Nach dem Krieg belebten erst dollarschwere GIs, dann potente Messegäste das Amüsierviertel. Die verkehrsgünstige Lage und die schummrigen Bars lockten aber auch internationale Verbrecherorganisationen an, Rauschgifthändler und damit zwangsläufig Drogenkonsumenten.
Kein anderes Quartier hat seit den sechziger Jahren so sehr wie das Bahnhofsviertel dazu beigetragen, den Ruf der Stadt (Szene-Jargon- "Krankfurt") zu ruinieren. Das einen knappen Quadratkilometer große Areal - im Süden vom Main, im Westen vom Hauptbahnhof und im Nordosten von sich immer höher türmenden Bankhäusern eingeschlossen - beherbergt heute 27 Bordelle mit rund 1250 Dirnen. Im Viertel wohnen, schätzt die Polizei, nur noch 1000 Deutsche, aber mittlerweile rund 10000 Ausländer, die Hälfte illegal.
Parallelen zur Entwicklung im Frankfurter Westend drängen sich auf: Dort hatten Spekulanten Gastarbeiterfamilien in die Häuser einquartiert, um den Verfall der Wohnsubstanz zu beschleunigen, oder Rollkommandos losgeschickt, die nachts intakte Heizkörper abrissen, Bäder und Treppengeländer kurz und klein schlugen.
Im Bahnhofsviertel haben sich die von den Christdemokraten jetzt angeprangerten Mißstände erheblich verschlimmert, nachdem die CDU 1977 die Regentschaft übernommen hatte. Sozialdemokraten werfen heute den kommunalen Unionspolitikern vor, sie hätten das Milieu durch gezielte Verluderung erst richtig reif für eine wählerwirksame Säuberungskampagne machen wollen. Während Wallmanns Amtszeit von 1977 bis 1986 jedenfalls *___wies die Stadt zahlreiche Asylanten in die ____Stundenhotels am Bahnhof ein und bezichtigte sie dann ____des Drogen handels und der Förderung der Pro stitution, *___vertrieb die Polizei die Fixer von der Haschwiese am ____Stadtbad Mitte; seit her werden sie an ihrem neuen ____Treff im "Kaisersack" unmittelbar vor dem Eingang zum ____Hauptbahnhof gedul det, *___stieg die Zahl der Bordelle im Kiez, obwohl fehlende ____Sicherheitseinrich tungen wie Feuertreppen und Flucht ____wege eine baupolizeiliche Schließung
zahlreicher Etablissements möglich gemacht hätten.
Und auch die jetzt bekämpften Auswüchse im Sex-Angebot sind großenteils erst unter CDU-Aufsicht entstanden: Peep-Shows und andere Guckspektakel.
Wo vor Jahren Männern eine Angel gereicht wurde, mit der sie den Stripperinnen unter lautem Gejohle die Kleidungsstücke wegfischen konnten, haben sich die sogenannten Schnüffeltheken etabliert.
Dort sitzen, schon vormittags, Männer beim Bier dumpf um eine Drehscheibe, auf der wie auf einem Kuchenteller "die unbekleidete Frau ihre Vorführungen startet" und, so die Beschreibung des Unternehmers für die Genehmigungsbehörde, "unmittelbar am Sitzplatz des Beschauers vorbeirotiert, wo er dann die natürlichen Düfte der Frau beschnüffeln kann".
Die Pornoshops und Guckläden kann Wallmanns Nachfolger Brück freilich auch mit der neuen Sperrgebietsverordnung, im Amtsdeutsch SpVO, nicht auflösen. Das zum "Schutz der Jugend und des öffentlichen Anstandes" erlassene Paragraphenwerk verbietet nur die Prostitution. Es unterscheidet dabei nach Ort und Art des Anbandelns.
"Dribb de Bach", also jenseits des Mains im ehemals gemütlichen Ebbelwei-Viertel Sachsenhausen, das in den letzten Jahren von Discos und Dirnen durchdrungen wurde, ist seit Anfang des Jahres jegliche Form des horizontalen Gewerbes untersagt. Das Bahnhofsviertel folgt nach einer Übergangszeit von zweieinhalb Jahren. Im übrigen Stadtgebiet dagegen geht''s per Telephon, aber auch nur da, wo die Appartements der Callgirls nicht "eingesehen werden können".
Erlaubt wiederum sind Strich und Absteige in besonders ausgewiesenen "Toleranzzonen", die nach gefestigter Verwaltungsrechtsprechung zehn Prozent der gesamten städtischen Fläche ausmachen müssen. Nach Bürgerprotesten gegen die geplante Einverleibung von Teilen anderer Stadtviertel in das Strich-Gebiet hat der Magistrat jetzt neue Betätigungsfelder abgesteckt - dort, wo es die Freier frösteln muß, am Hafen und an Schienensträngen (siehe Graphik).
Gegen diese Platzzuweisung protestiert zum Beispiel die Prostituierten-Selbsthilfegruppe HWG - was für "Huren wehren sich gemeinsam" steht und laut Vereinsvorstand nur rein zufällig auch das Justizkürzel für "häufig wechselnder Geschlechtsverkehr" ist. Neben den Gleisanlagen im Gutleutviertel werde es, so die HWG-Frauen, "im wahrsten Sinne des Wortes dunkel".
Prognose für das andere, das Osthafen-Revier: "Nach 17 Uhr kein Durchgangsverkehr, total tote Hose." Kaum lebendiger wird es in den geplanten Toleranzzonen am Main (Flößerstraße und Deutschherrnufer) oder am stillen Nebenarm des Autobahnzubringers Theodor-Heuss-Straße zugehen.
Den aus dem Bahnhofsviertel vertriebenen Anschafferinnen bleibt die Breite Gasse, die älteste Puffzone der Stadt, eine Adresse für weniger gehobene Ansprüche. Die "einzig gescheite Straße des Toleranzgebiets" (HWG), im Auslauf der Einkaufstraße Zeil gelegen, hat aber nur noch wenig freie Kapazität. Deshalb werden hier, ahnen die Huren, die Zimmerpreise "ins Astronomische klettern" und dann "sehr wahrscheinlich Schmiergelder gezahlt". Die Zuhälter, befürchtet HWG-Mitglied Carmen, 25, "gewinnen dadurch wieder Oberwasser".
In ihrer Einschätzung, die Bahnhofsviertel-Säuberung fördere kriminelles Handeln statt es einzudämmen, sind sich die Dirnen einig mit der Kripo vom Kiez.
Prostituierte und Loddel, notierte der Polizeioberrat Hans Robert Philippi, langjähriger Chef der Bahnhofs-Soko, stünden hier "unter permanenter Kontrolle". Weil sich die Mädchen im Karree "ausschließlich in Häusern anbieten", gebe es auch keine "Platzkämpfe"; daher seien "Körperverletzungs- und Nötigungsdelikte sowohl unter Dirnen und ihren Zuhältern als auch gegenüber Kunden und Passanten" selten.
Die Randkriminalität wie Raub, Beischlafdiebstahl oder Streit um Dirnenlohn, beschreibt Philippi die Lage, halte sich im Viertel nur "in einem nicht ausrottbaren Normalzustand". Aber "eine weitere Splitterung über das gesamte Stadtgebiet", warnt der Kiez-Kenner, würde die polizeiliche Übersicht "stark beeinträchtigen".
Daß auch Erfahrungswerte aus dem kriminalistischen Einmaleins die Stadtregenten nicht aufhalten, bestärkt diejenigen
Kritiker, die hinter der Dirnenausquartierung ein Monopoly großen Stils vermuten: Es gehe in Wahrheit vor allem darum, Platz zu schaffen für Büropaläste und Luxus-Wohnkultur.
Einen gültigen Bebauungsplan, der verbindlich Geschoßzahlen begrenzen und Wohnraum ausweisen könnte, ist die Stadt bislang schuldig geblieben. Dafür hat die Sperrgebietsverordnung die Grundstückspekulanten hellwach gemacht. Im Revier haben sich bereits Geldinstitute wie die Dresdner Bank und Versicherungen wie die Aachen-Münchner eingekauft.
Anstatt ein klares Sanierungskonzept vorzustellen, verwirrt der Magistrat mit vagen Skizzen. Die in Arbeit befindlichen Pläne, versprach Ende Januar Oberbürgermeister Brück, würden "nicht nur festlegen, wieviel im Bahnhofsviertel gewohnt werden darf, sondern muß". Sein Vorgänger Wallmann aber hatte schon orakelt, es werde "auch neue Hochhäuser geben", nicht "um jeden Preis, aber auch nicht niemals".
Statt erneuter Klotzerei, wie im Westend, bedarf es nach Ansicht von Kennern der Bahnhofsszene nur weniger Schönheitsreparaturen, um das Leben dort erträglicher zu gestalten, ohne das Flair zu zerstören. Pfarrer Karsten Petersen von der Weißfrauengemeinde etwa fordert nur "kleine Schritte", um "die verschiedenen Milieus in Verbindung zu bringen".
Wie das aussehen könnte, hat eine Planungsgruppe der Technischen Hochschule Darmstadt erarbeitet. So sollte etwa ein Zentrum zur Förderung der von den "Gastarbeitern mitgebrachten Kulturen" eingerichtet, ihnen eine "repräsentative Moschee gebaut" und ein Treff für Dirnen geschaffen werden, "die aus den überkommenen Strukturen ausbrechen wollen".
Andere Kritiker der christdemokratischen Erneuerung wie die Stadtplanerin Luise King warnen davor, Frankfurt zum "technisch-wirtschaftlichen Instrument" verkommen zu lassen. Ein "gefährlicher Schritt" dahin sei, so die Architektin, "Milieugruppen aus dem Bahnhofsviertel herauszulösen".
Doch Oberbürgermeister Wolfram Brück ist entschlossener denn je, die Dirnen zu verjagen. Wenn er schon, wie er einmal der "Frankfurter Neuen Presse" gestand, "nicht völlig die Prostituierten in unserer Stadt beseitigen" kann, dann sollen, dafür sorgte er jetzt, zumindest christdemokratische Politiker ihre Nähe meiden.
Für eine Fernsehdiskussion über den Kampf ums Bahnhofsviertel mit zwei Magistratsmitgliedern verbat sich Brück die Anwesenheit einer Prostituierten, weil sie, so ließ Planungsdezernent Hans Küppers ausrichten, "auf Grund der Art des Gewerbes kein Gesprächspartner sein kann".
Der für die Dirne reservierte Stuhl blieb leer - Sperrgebiet.
[Grafiktext]
"Heikle Operation an einem Herzstück" Verdrängung der Prostitution aus Frankfurts Innenstadt Sperrgebiete Toleranzzonen Theodor-Heuss-Straße Gutleutstraße Hauptbahnhof Bahnhofsviertel Zeil Breite Gasse Flößerstraße Deutschherrnufer Sachsenhausen Hanauer Landstraße OBERHAFEN
[GrafiktextEnde]
Am 27.Januar im Frankfurter Bahnhofsviertel.

DER SPIEGEL 13/1987
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