23.03.1987

GESTORBENKarl Emerich Krämer

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Karl Emerich Krämer, 69. In den frühen fünfziger Jahren war er der berühmteste, erfolgreichste junge deutsche Lyriker: Sein 1952 erschienener Gedichtband "Ich schreibe mein Herz in den Staub der Straße" fand 20000 Käufer, man verglich ihn mit Rimbaud, die "FAZ" spürte in ihm "die unruhvolle Genialität des Abendlandes". Als Autor dieser Gedichte firmierte allerdings nicht der Düsseldorfer Verlagslektor Krämer, sondern ein als Fremdenlegionär in Indochina verschollener Elsässer namens "George Forestier" - und zweifellos hat diese Mystifikation dem sentimentalen Lorca-Verschnitt zum Sensationserfolg verholfen. Als Krämer sich über immer neue Produkte des "Frühvollendeten" Forestier mit seinem Verleger verkrachte, ließ der 1955 den Schwindel auffliegen. Der umtriebige Autor hat in den drei Jahrzehnten seither noch viel publiziert - als Krämer, als Forestier und unter anderen Pseudonymen -, doch die feine Literaturkritik, die er einmal so glanzvoll düpiert hatte, verzieh ihm das nie: Er blieb ein erledigter Fall. Krämer starb am 28. Februar in Düsseldorf.

DER SPIEGEL 13/1987
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