25.05.1987

UNTERNEHMERNoch was reinstecken

Die Likörfirma Jägermeister kauft sich in den Autohandel ein. *
Schnaps allein, erkannte Günter Mast, sei keine ausreichende Grundlage für die Zukunft. "Das muß man", so der Chef des Hauses Jägermeister, "ganz nüchtern sehen."
Vergangene Woche zeigte Mast, daß er es ernst meint. Während seine gerade angetraute Ehefrau Irma "ins Liebesnest" (Mast) vorausflog, brachte der Schnapsfabrikant in Hannover noch lange Verhandlungen zu einem Ende: Mast kaufte für 30 Millionen Mark sieben VW- und Audi-Händler sowie einen Hersteller von gepanzerten Fahrzeugen.
"Das", sprach der selbstbewußte Fabrikant, "war mein letzter Akt. Dann flog ich flittern."
Mast, langjähriger Chef bei Jägermeister, behauptet seit langem, er wollte endlich mehr Zeit fürs Private haben. Einen Jüngeren, dem er seinen Posten übergeben konnte, hatte er mit einer Stellenanzeige im hauseigenen Stil gefunden: "Ich trinke Jägermeister, weil ich über 50 Jahre alt bin und einen Nachfolger suche." Er selbst wurde Aufsichtsratsvorsitzender.
Doch nun wird auch Mast wieder mehr zu tun bekommen. Das Wolfenbüttler Familienunternehmen, bislang nur als Produzent kräftiger Liköre (Marken: "Jägermeister" und "Schlehenfeuer") sowie als Sportsponsor bekannt, wird in neuen Sparten aktiv. Künftig werden bei Jägermeister mehr Leute im Autoverkauf als in der Schnapsproduktion tätig sein. Die Autohändler Bischoff & Hamel, Autohaus Nordstadt und Stahag, die Mast übernimmt, beschäftigen rund 500 Mitarbeiter und setzen etwa 200 Millionen Mark um.
Geld für diese Zukäufe ist bei Jägermeister reichlich vorhanden. Im Verhältnis zum Umsatz, 1986 etwa 330 Millionen Mark, ist das KG-Kapital von 200 Millionen relativ hoch. Die Schnapsproduktion, hatte Mast erkannt, "reicht nicht aus, um das Kapital sinnvoll einzusetzen".
Zwar ließen sich für Reklamephotos stets noch Leute finden, die bekannten: "Ich trinke Jägermeister, weil ...", aber Hochprozentiges wollen immer weniger trinken. Der Spirituosenmarkt stagniert.
Da half es auch wenig, daß Günter Mast den Likör immer wieder in die Schlagzeilen brachte. Zuerst sponserte er den Fußball-Bundesligisten Eintracht Braunschweig, der sein Wappentier, den Löwen, auch bald gegen das Jägermeister-Markenzeichen, einen Hubertus-Hirsch, eintauschte.
Später wurde Mast sogar Präsident bei den Kickern und wollte den Verein in "Jägermeister Braunschweig" umtaufen. Darüber stritten Mast und der DFB vor den Gerichten, doch Mast hatte seinem Schnaps erneut beträchtliche Publicity verschafft.
Der Autohandel ist für die Schnapsfabrik nichts völlig Fremdes. Daß der Fuhrpark des Unternehmens fast ausschließlich aus Volkswagen besteht, hat einen einfachen Grund: Es war schon seit längerem mit 30 Prozent am Hannoveraner VW-Händler Bischoff & Hamel beteiligt. Und diese Beteiligung, sagt Mast, "war immer äußerst ertragreich".
Nun boten die Eigentümer, die Erben des Grafen Plettenberg, auch die übrigen 70 Prozent an. Sie verkauften Mast zudem das Autohaus Nordstadt und die Firma Stahag.
Die Autohändler und ihre Beschäftigten müssen über den Eigentümerwechsel nicht unglücklich sein. Die bisherigen Besitzer, klagt einer von ihnen, hatten die Gewinne immer "schnell abkassiert". Mit dem Geld für nötige Investitionen seien sie dagegen "eher knauserig" gewesen.
Günter Mast weiß, daß sein Unternehmen da "sicher noch einiges Geld reinstecken muß". Doch dazu sei er auch bereit. In vier bis fünf Jahren möchte Mast einer der bedeutendsten Kraftfahrzeug-Händler der Republik sein.
Der Volkswagen-Konzern, der mit allen Händlern Exklusiv-Verträge hat, muß der Übernahme noch zustimmen. Das werde nach Masts Ansicht wohl laufen.
Er selbst möchte den Wolfsburgern die Zustimmung leichter machen - er will gar nicht erst versuchen, die Handelsbetriebe umzutaufen. Autohändler", hat Mast erkannt, "sollten keine Schnapsnamen haben."

DER SPIEGEL 22/1987
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