21.09.1987

„Meine Waffe heißt Adolf Hitler“

SPIEGEL-Redakteur Wolfgang Malanowski über die Tagebücher des Joseph Goebbels, IV: Das Dritte Reich _(Für die Originalzitate 1987 by Francois ) _(Genoud, Schweiz. ) *
Es ist soweit. Wir sitzen in der Wilhelmstraße. Hitler ist Reichskanzler. Wie im Märchen!" schrieb Goebbels über die Ereignisse vom 30. Januar 1933 in sein Tagebuch: "Uns allen stehen die Tränen in den Augen. Wir drücken Hitler die Hand. Er hat''s verdient."
Die Regierung der "Nationalen Erhebung" stand, der Alte, so Goebbels, "hat nachgegeben". Hindenburg "war zum Schluß ganz gerührt. So ist''s recht". _("Die Tagebücher von Joseph Goebbels". ) _(Herausgegeben von Elke Fröhlich im ) _(Auftrag des Instituts für ) _(Zeitgeschichte. K.G. Saur Verlag. ) _(München. ) _(Alle nicht besonders ) _(gekennzeichneten Zitate stammen von ) _(Goebbels. )
In Hitlers Kabinett saßen allerdings acht Nicht-Nazis, unter ihnen Vizekanzler von Papen, der immer noch prahlte: "In zwei Monaten haben wir Hitler in die Ecke gedrückt, daß er quietscht."
Nur zwei Nationalsozialisten, Wilhelm Frick, bisher Chef der NS-Reichstagsfraktion, und Hermann Göring, bisher Reichstagspräsident, wurden Minister; Frick für Inneres, Göring ohne Portefeuille und obendrein Innenminister von Preußen.
Goebbels ging leer aus. Er fühlte sich "mit eisigem Boykott" übergangen: "Ich schaue in den Mond", "man patscht mich an die Wand".
Es wäre Hitler zuzutrauen gewesen, Goebbels zu deckeln, aber diesmal waren wohl sachliche Gründe ausschlaggebend. Hindenburg wollte den anrüchigen Gauleiter "höchstens zum Ministerialrat" machen, und auch im Kabinett regte sich Widerstand. Hinzu kam, daß der Reichspropagandaleiter noch eine wichtige Aufgabe zu erfüllen hatte, wobei ein Regierungsamt nur hinderlich gewesen wäre: die Reichstagswahlen am 5. März 1933 - "die letzten", wie Goebbels damals schon wußte: Die "werden wir haushoch gewinnen".
Natürlich würden "alle Mittel" eingesetzt, der Rundfunk gehörte ihnen, und Geld hatten die Nazis nun auch wieder; _(Untere Reihe: Hermann Göring, Minister ) _(ohne Portefeuille, Hitler, Franz von ) _(Papen, Vizekanzler; obere Reihe: Franz ) _(Seldte, Arbeit, Günther Gereke, ) _(Reichskommissar für Arbeitsbeschaffung, ) _(Johann Ludwig Graf Schwerin von Krosigk, ) _(Finanzen, Wilhelm Frick, Innen, Werner ) _(von Blomberg, Reichwehr, Alfred ) _(Hugenberg, Wirtschaft. )
wenn es doch mal kneifen sollte, müßte der "dicke Göring einmal auf etwas Kaviar verzichten. Brechreiz!"
Am Wahltag, dem "Tag der erwachenden Nation", wartete die NS-Spitze in der Reichskanzlei "mit Spannung" auf die Ergebnisse. Hitler war "ruhig und gelassen", denn diesmal konnte es "kaum schiefgehen". Als die ersten Resultate reinkamen, jubelte Goebbels: "Sieg über Sieg, phantastisch und unglaubhaft." Dabei hätten die Nazis gern mehr gehabt, die absolute Mehrheit nämlich, aber die blieb ihnen trotz massiver Unterdrückung der Linken wieder versagt. Die NSDAP erhielt 43,9, die DNVP acht Prozent.
"Aber was bedeuten jetzt noch Zahlen?" höhnte Goebbels: "Wir sind die Herren im Reich und in Preußen, alle anderen sind geschlagen."
Hitler war an der Macht, und sofort begann die Machtergreifung. Goebbels drängte: "Jetzt, wo die Feinde zerschmettert am Boden liegen, müssen wir durchgreifen... Eine Revolution ist eben eine Revolution" - Säuberung der Behörden, Gleichschaltung der Länder, Verbot oder Selbstauflösung von Parteien und Gewerkschaften, Terror gegen Andersdenkende von oben und auf der Straße.
Es hagelte Notverordnungen, an die sich auch die Republik schon gewöhnt hatte. Zeitungen und Versammlungen konnten verboten werden, wenn, äußerst dehnbar, "unmittelbare Gefahr für die öffentliche Sicherheit" bestünde. "Organe, Einrichtungen des Staates beschimpft oder verächtlich gemacht" würden, bislang eine nationalsozialistische Spezialität.
Allen voran räumte Preußens Innenminister Göring auf: "Hier habe ich keine Gerechtigkeit zu üben, hier habe ich nur zu vernichten und auszurotten." Goebbels freute sich, daß Göring "das Zeug" habe, "ganz radikale Sachen zu machen".
Am 27. Februar ging der Reichstag in Flammen auf: "Das war tatsächlich ein Geschenk des Himmels." Die Brandstiftung des holländischen Einzelgängers Marinus van der Lubbe paßte so gut ins Konzept, daß bald alle Welt munkelte, die Nazis hätten das Feuer selbst gelegt. Goebbels notierte über den Reichstagsbrand: _____" Abends sitze ich zu Hause und arbeite. Um 9 Uhr kommt " _____" der Führer zum Abendessen. Wir machen Musik und erzählen. " _____" Plötzlich ein Anruf... : "Der Reichstag brennt" ... " _____" Ich benachrichtige gleich den Führer, und dann rasen " _____" wir im 100-km-Tempo die Charlottenburger Chaussee " _____" herunter zum Reichstag. Das ganze Gebäude steht in " _____" Flammen ... " _____" An vielen Stellen wurde schon Brandstiftung " _____" festgestellt. Es besteht kein Zweifel, daß die Kommune " _____" hier einen letzten Versuch unternimmt, durch Brand und " _____" Terror Verwirrung zu stiften, um so in der allgemeinen " _____" Panik die Macht an sich zu reißen. Nun ist der " _____" entscheidende Augenblick gekommen". " _____" Die Verhaftungen sind reibungslos verlaufen. Die " _____" ganze kommunistische und sozialdemokratische Presse ist " _____" bereits verboten. Wenn Widerstand geleistet wird, dann " _____" Straße frei für die SA... Die KPD soll sich getäuscht " _____" haben. Sie glaubt uns zu stürzen, in Wirklichkeit hat sie " _____" sich selbst den Todesstoß versetzt... Nun wird die rote " _____" Pest mit Stumpf und Stiel ausgerottet. "
Allein in Preußen wurden 10000 politische Gegner, KPD-Chef Ernst Thälmann wie Carl von Ossietzky, eingesperrt. "Es ist wieder eine Lust zu leben", empfand Goebbels in diesen Tagen.
Das Ermächtigungsgesetz vom 24. März 1933 scheinlegalisierte nur noch den längst verhängten Ausnahmezustand, aber immerhin. "Es bedarf gar keiner Frage", hatte Goebbels vorausgesagt, "daß man uns plein pouvoir geben wird."
Während der Beratung war die Kroll-Oper, in die der Reichstag nach dem Brand ausgewichen war, von SA und SS umstellt. Im Sitzungssaal postierte Braunhemden drohten: "Wir fordern das Ermächtigungsgesetz, sonst gibt''s Zunder."
Nur die schon dezimierte SPD-Fraktion lehnte ab. Die 81 KPD-Abgeordneten waren ausgesperrt. Zentrum und Bayerische Volkspartei, die den Ausschlag gaben, stimmten zu. Goebbels triumphierte: "Jetzt sind wir auch verfassungsmäßig die Herren des Reiches." Am 6. April 1933 zog er Zwischenbilanz. _____" Die Revolution, die wir begonnen haben, geht " _____" ununterbrochen weiter. Es wird nicht lange mehr dauern, " _____" dann gibt es keine Parteien mehr, sondern nur noch die " _____" den Staat tragende und verantwortende " _____" nationalsozialistische Bewegung. Was wir jetzt erleben, " _____" ist nur die Übertragung unserer Dynamik und " _____" Gesetzlichkeit auf den Staat. Es geschieht das in einem " _____" derart atemberaubenden Tempo, daß man darüber kaum zur " _____" Besinnung kommt. "
Am 1. Mai, dem traditionellen Feiertag der sozialistischen Arbeiterbewegung, veranstaltete Goebbels eine Riesenschau: "Kind und Kegel, Arbeiter und Bürger, hoch und niedrig, Unternehmer und Untergebener, jetzt sind die Unterschiede verwischt, nur ein deutsches Volk marschiert." Und, so Goebbels weiter: "Die Sonne ist wieder aufgegangen über Deutschland."
Am Morgen des nächsten Tages besetzten SA und SS die Gewerkschaftshäuser im ganzen Reich: "Kein Zwischenfall. Bonzen verhaftet. Das geht
wie am Schnürchen." Am 22. Juni wurde die SPD verboten: "Bravo! Der totale Staat läßt nicht mehr lange auf sich warten." Am 5. Juli löste sich das Zentrum auf: "Soll so kaputt gehen."
Am 14. März hatte von Hindenburg der "alte Trottel" (Goebbels), Gauleiter Goebbels, den "Wallonen" (Hindenburg), doch zum Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda ernannt. "Na ja", soll er gesagt haben, "der Trompeter will halt auch was werden."
Die Firmierung seines Ministeriums paßte Goebbels allerdings gar nicht; Propaganda, gab er zu bedenken, werde als "etwas Minderweniges oder gar Verächtliches" empfunden, doch Hitler bestand auf dem "Promi".
Sogleich nahm der neue Minister seinen Amtssitz in Augenschein, das 1737 errichtete, hundert Jahre später von Schinkel umgebaute "Leopold-Palais" am Wilhelmplatz. "Ein schönes Gebäude", befand der Hausherr, "aber so altmodisch, daß wir es unseren Bedürfnissen anpassen müssen." Also ließ er "kurzerhand einige Bauhandwerker aus der SA ... während der Nacht Gips und Holzverkleidung herunterschlagen." Schließlich zeugten "nur noch trübe Staubwolken von verschwundener Bürokratenpracht".
Dem Umbau des Palais folgte der Aufbau seiner Mannschaft. Schon am 18. April verzeichnete Goebbels in seinem Tagebuch: "Mein Ministerium ist fast ausschließlich von jungen Nationalsozialisten besetzt. Sie verstehen zwar den bürokratischen Kram nicht so gut wie die alten Beamten, sie bringen dafür aber Feuer und Begeisterung und unverbrauchten Idealismus mit." Zugleich staunte er, "was sich nicht alles dem neuen Staat zur Verfügung stellt".
Goebbels feierte die Errichtung seines Ministeriums als "revolutionäre Regierungstat", wenngleich er sich mit lästiger Konkurrenz herumzuschlagen hatte. Wissenschaft und Erziehung, Schulen und Hochschulen ressortierten beim Reichskultusminister Bernhard Rust, den Goebbels für eine Niete hielt.
"Einige Kompetenzkonflikte. Ich kotze das bald. Aber aushalten", stöhnte der Minister. Vor allem Hermann Göring, der inzwischen preußischer Ministerpräsident geworden war, und "alles schlucken will", hatte er auszuhalten. Das"alte Ekel".
Nach der Machtübernahme wurde die Propaganda durch staatliche Macht abgestützt. NS-Propaganda konnte, wie Goebbels zugab, in gewünschtem Maße nur durchschlagen. Wenn "ein scharfes Schwert" darüber schwebte. Gestapo mit anderen Mitteln.
Die Volksgenossen sollten "erfaßt", so lange "bearbeitet" werden, "bis sie uns verfallen sind". Die Deutschen, so wollte es Goebbels, "einmal in Reih und Glied, 30 Millionen Trottel".
Am Ende waren es noch mehr. Der Geist wanderte aus oder saß in Gefängnissen und Konzentrationslagern, schwieg - oder machte mit. Das Land der Dichter und Denker verkümmerte zur tristen Kulturprovinz.
In der "Reichskulturkammer" erfaßte Goebbels jeden, der "Kulturgut erzeugte, verarbeitete oder absetzte" - Schriftsteller, Redakteure, die jetzt Schriftleiter hießen, weil Redakteur einen jüdischen Beigeschmack vermittele, aber auch Setzer und Metteure, Buch- und Zeitungsverleger, aber auch Buch- und Zeitungsverkäufer, Sänger, Musiker Souffleure, Plakat- und Kunstmaler Schauspieler, Statisten, Kinobesitzer und Platzanweiser.
Die sozialdemokratische und kommunistische Presse wurde verboten, der Rest gleichgeschaltet, was keine große Mühe machte. Schon Anfang April konnte Goebbels mit Genugtuung feststellen: "Allmählich merken auch die Herren Journalisten, was gespielt wird." Ein paar Blätter, etwa die "Frankfurter Zeitung", "dieses Drecksblatt", durften sich, auf Kommando, liberal gebärden, um nach außen für die Nazis zu wirken.
Von den "anständigen Journalisten" erwartete Goebbels "allgemein gültige nationale Disziplin": "Wir zwingen sie doch nicht zur Charakterlosigkeit", höhnte er, "wir verlangen nicht, daß sie hurra schreien, wenn ihnen nicht zum Hurra-Schreien zumute ist." Die wenigen, denen nicht zumute war, schieden aus, emigrierten oder wurden verhaftet. Den allermeisten war aber zumute, oder sie zogen es vor, auch wenn ihnen nicht danach war. Wer nicht mitmachte, wurde aus der "Berufsliste" gestrichen, wer seine arische Abstammung nicht nachweisen konnte, ebenfalls.
Auf täglichen Pressekonferenzen im "Promi" wurden Sprachregelungen zum Mitschreiben diktiert. Inhalt, Kommentierung und Aufmachung vorgeschrieben, für die erste, die politische, wie für die letzte, die lokale Seite - "Presselenkung". Wer sich nicht strikt daran hielt, wurde verwarnt oder der Gestapo überstellt, die, so Goebbels. "mit größter Beschleunigung ein Verfahren" einleiten möge, nach dem Heimtückegesetz oder als "Volksverräter". Ausländische Korrespondenten wies er aus, wenn sie ihm nicht paßten, bis 1939 insgesamt 25.
Ein besonderes Instrument zur Volksverdummung sah Goebbels im Rundfunk - "die geistige Waffe des totalen Staates". Schon 1925 hatte er gejubelt: "Radio zu Hause! Der Deutsche vergißt _(Ausgebrannter Plenarsaal. )
über Radio Beruf und Vaterland! Radio! Das moderne Verspießerungsmittel!"
1933 gab es in Deutschland vier Millionen Rundfunkhörer. Jährlich wurden es eine Million mehr. Den "Volksempfänger", im Volksmund "Goebbels-Schnauze", gab es schon für 76, den "Deutschen Kleinempfänger", weltweit billigstes Gerät, schon für 35 Mark. "Das ganze Volk", prahlte Goebbels, "ist vor den Lautsprechern versammelt." Gemeinschaftsempfang in Betrieben, Schulen und Parteilokalen und "Reichsrundlautsprechersäulen" sollten für ständige Berieselung sorgen.
"Wir wollen die Kunst wieder zum Volke führen, um das Volk wieder zur Kunst zu führen", schwadronierte Goebbels bei Amtsantritt. Die Kunst solle "heroisch", "stählern romantisch", "sentimentalitätslos sachlich" sein - oder "sie wird nicht sein". Sie war danach. Kunst rangierte bei Goebbels unter Propaganda, die wiederum hatte der nationalsozialistischen Weltanschauung zu dienen - Blut und Boden in Wort und Schrift, in Öl und Stein, Fahne und Heldentod, banales Hakenkreuzschrifttum und plumpe Bauernballaden.
"Was soll man aus der Kunst machen", klagte Goebbels. Die meisten Künstler seien "noch im alten Fahrwasser" und die Jungen noch zu "unausgereift". Das "ewige Warten in der Dürre" fand er furchtbar. Also machte er sich daran, "das Schlechte auszujäten", beispielsweise Ernst Wiechert - "so ein Stück Dreck, will sich gegen den Staat erheben. 3 Monate Konzentrationslager. Dann werde ich ihn mir persönlich kaufen".
Am 30. August 1938 ließ er den Dichter aus dem KZ Buchenwald "vorführen". Er hielt ihm eine "Philippika, die sich gewaschen hat. Ich bin in bester Form und steche ihn geistig ab... Hinter einem neuen Vergehen steht nur die physische Vernichtung".
Am 10. Mai 1933 waren im Reich der Kunstbanausen 25000 Bücher geächteter Autoren verbrannt worden. Vor dem Scheiterhaufen in Berlin würdigte Goebbels die "große, starke, symbolische Handlung".
Am 19. Juli 1937 stellte er in München die "entartete" Kunst an den Pranger, 730 Werke so bedeutender Maler wie Beckmann, Corinth, Kirchner, Kokoschka, Marc, Nolde ("Bolschewist oder Maler?"). Insgesamt 13000 Ölgemälde, Aquarelle, Zeichnungen und Graphiken wurden ausgesondert und im Ausland devisenbringend zum Verkauf angeboten, der "unverwertbare Rest" wurde schließlich im Hof der Berliner Hauptfeuerwehrwache verbrannt.
"Schimpfen" sei der "Stuhlgang der Seele", beschwichtigte Goebbels anfänglich allzu empfindliche Würdenträger. Doch sobald er erkannte, daß Hitler gar keinen Spaß verstand, machte er die Kabaretts dicht. Kabarettisten wollte er "Gelegenheit geben ... das allzu lang Versäumte in anständiger und solider Arbeit in einem Lager nachzuholen". Jegliche Buch-, Theater- und Filmkritik wurde untersagt, sie sei "undeutsch" und "artfremd". Künstler sollten nicht "von kritischen Eintagsfliegen gequält und gemartert" werden. 1939 verbot der Minister auch noch den politischen Witz.
Unerschöpflich war der Minister weiterhin auf seiner ureigenen Domäne, der Propaganda. Große Augenblicke im Leben der Nation wurden kalt inszeniert: Der "Tag-von Potsdam". 1933, Reichspräsident von Hindenburg war in der Uniform eines Generalfeldmarschalls, Reichskanzler Hitler in bravem Zivil erschienen, gaukelte Anknüpfung an preußische Traditionen vor; die Olympischen Spiele 1936 in Berlin stellten ein glückliches und friedliches Deutschland zur Schau ("Ein ganz großer Durchbruch"); die "Reichskristallnacht" 1938, als die Synagogen brannten, deutete auf Holocaust: "Die Juden sind unser Unglück."
Im Dritten Reich gab es immer was zu feiern, und ständig liefen irgendwelche Aktionen. Es war eine Berieselung ohne Ende: endlos marschierende Kolonnen braun und schwarz, Weihestunden in Lichtdomen, Sprechchöre von Krieg und Sieg und Lieder vom Tod, rasselnde Militärparaden und Massenaufmärsche im Fahnenwald; sie gäben, kalkulierte Goebbels, "den kleinen armseligen Menschen die stolze Überzeugung ... als kleiner Wurm dennoch Glied eines großen Drachens zu sein".
Das unablässig versprühte Gift nationalsozialistischer Indoktrination ging unter die Haut und ins Herz. Es war ein Wechselbad von kreischendem Pathos und sakraler Andacht, von rohen Drohungen und verblendender Verheißung. Gehirnwäsche für Abermillionen - soweit sie nicht längst dem Aberglauben verfallen waren.
Aber sosehr Goebbels auch rackerte, nach der Machtergreifung verlor er an
Beachtung und Bedeutung. Hitler wandte sich der Außenpolitik, der Aufrüstung, seinem Krieg zu. Die Propaganda wurde zu einem Nebenkriegsschauplatz. Das schlägt sich auch in Goebbels'' Tagebüchern nieder. Zur großen Politik, die andere machten, enthielten sie meist nur Marginalien, aber auch die sind höchst aufschlußreich.
Hektisch versuchte Goebbels, seine Stellung in der Hierarchie des Dritten Reiches zu behaupten, möglichst auszubauen und sich, das war das Allerwichtigste und erklärt jegliches Tun und Lassen, in Hitlers Gunst zu halten. Die "täglichen ewigen Besprechungen" in seinem Ministerium gingen ihm zwar bald auf die Nerven, die "ewigen Interviews" fand er "zum Kotzen". Seine Tagebücher sind voll von verwirrendem Kleinkram: "Viele Personalien und der übliche Tagesdreck. Das häuft sich so."
Doch was fiel nicht alles unter "Volksaufklärung", wie leicht konnte sie andere Ressorts überlappen. Das Kommando über die eigene Presse und die Kenntnis der ausländischen, nicht zuletzt seine höchstentwickelte Witterung für Hitlers Pläne und Stimmungen verschafften ihm einstweilen noch Positionsvorteile vor der leidigen Konkurrenz, die er nicht ausstehen konnte.
Göring, damals nach Hitler mächtigster und populärster Mann des Staates, sowieso nicht. Süffisant notierte er Hitlers Witze über und Kritik an "Wilhelm III.": "Führer spricht sehr scharf gegen Görings Uniformfimmel. Das ist auch bald zum Lachen", und Frau Emmy Göring throne "wie eine Königin. Führer sitzt ganz bescheiden neben ihr".
Chefideologe Rosenberg, der ihm immer wieder ins Handwerk zu pfuschen suchte und ihn gründlich verachtete, war in seinen Augen "ein sturer, eigensinniger Dogmatiker", ein "Nagel zu meinem Sarg". Hitler-Stellvertreter Rudolf Heß sei eine "künstlich gemachte Größe". Martin Bormann, damals dessen Stabsleiter, "manchmal unerträglich".
Joachim von Ribbentrop, seit 1936 Botschafter in London, seit 1938 Reichsaußenminister (was Goebbels gerne geworden wäre), "ist und bleibt ein Parvenu", ein "politischer Snob, der sich in alles einmischt". Da stand dem Propagandaminister der "Stürmer"-Herausgeber Streicher schon näher. Dessen antijüdisches Hetzblatt sei zwar "manchmal bloße Pornographie", so daß es selbst den Nazis geraten schien, es hin und wieder zu verbieten, der Pg. sei zwar ein "ewiger Rabauke", aber doch ein "guter Charakter und Gesinnungsmensch".
Goebbels mischte mit, wo es eben ging. Gleich wandte er sich beispielsweise gegen den "überhandnehmenden Kitsch": "Die Konjunkturritter übelster Art sind überall dabei am Werk, um das Wiedererwachen des deutschen Volkes zu verballhornisieren." Rechtzeitig machte er sich Gedanken darüber, was nach dem Tode des greisen Reichspräsidenten von Hindenburg zu geschehen habe: "Sofort Hitler ausrufen", was 1934 auch geschah.
Er ärgerte sich über den "Korruptionsstall im Berliner Gau"; die "Schweinerei in der Ortskrankenkasse. 300 Parteigenossen auf einem Haufen, das tut nicht gut", und über Frau Wessel, die das Horst-Wessel-Lied ("Die Fahne hoch") vermarkten möchte: "Die Mutter ist unausstehlich. Sie verdient diesen heldenhaften Sohn gar nicht."
Aus naheliegenden Gründen wehrte er sich gegen einen Gesetzentwurf, wonach Ehebruch verboten und mit einer Gefängnisstrafe von zehn Jahren geahndet werden sollte: "Weltfremder Quatsch." Bei Ehescheidungen empfahl er ein Jahr Probezeit, "dann neuer Antrag. Viele Ehen würden dann nicht geschieden". Bei führenden Parteigenossen sei dagegen "nichts zu machen: Da sind die Frauen zu dumm und zu plump, um ihre Männer zu halten".
Die Bordelle sollten geöffnet bleiben, und "etwas erotische Literatur" sei auch vonnöten, "sonst haben wir am Ende nur 175er", für die es kein Pardon gab: "Wir müssen auch die Theater davon säubern." Der Todesstrafe für Kindesentführung stimmte er, ausdrücklich seiner Kinder wegen, zu: "Die Kinder sind mein Sonnenschein."
Geisteskranke sollten zwangssterilisiert werden, das sei "ein Segen": "Darum sind auch unsere Kirchen so dagegen. Die brauchen die Idioten, teils als Gläubige, teils, um an ihnen ihre Nächstenliebe zu erproben." "Asoziale Elemente" müßten "ausradiert" werden: "In einem Krieg und Zwangsarbeitslagern. Sonst hoffentlich bald in eine deutsche Kolonie."
Als Max Schmeling den braunen Bomber Joe Louis in Amerika k.o. schlug, war er Feuer und Flamme: "Schmeling hat für Deutschland gefochten und gesiegt. Der Weiße über den Schwarzen, und der Weiße war ein Deutscher." Als _(Mit Ehefrau Magda Goebbels und der ) _(Schauspielerin Anny Ondra, Ehefrau des ) _(Boxers Max Schmeling, während der ) _(Übertragung des Kampfes Schmeling - Joe ) _(Louis. )
der Deutsche bald darauf die Revanche verlor und "furchtbar zusammengeschlagen" wurde, untersagte Goebbels, Filmaufnahmen davon zu zeigen.
Einmal, als Hitler dem Volk "Volksgasmasken" verpassen wollte, war er mit seinem Führer nicht d''accord. Goebbels, der eine "Kriegspsychose" fürchtete, fand: "Das macht soviel böses Blut" aber gleichwohl: "Wir werden es doch durchsetzen."
Zu gern hätte sich der abtrünnige Goebbels auch an der Kirche vergriffen - "die grausamste Institution". Aber er wie Hitler wollten den großen Schlag dann doch lieber "später" führen: "Dann geht es besser." Einstweilen müßten die Kirchen "scharf zur Seite treten", was sie, wenn sie nicht gar kollaborierten, ja auch taten, oder "sie sind zum Untergang reif".
Kirchenmänner, etwa von der evangelischen Bekennenden Kirche, die im Namen Jesu Christi gegen den "Halbgott" Hitler Front machten, bekamen das sogleich zu spüren. "Pfarrer Niemöller endlich verhaftet", schrieb Goebbels am 3. Juli 1937 in sein Tagebuch: "Nun aber verknacken, daß ihm Hören und Sehen vergeht. Nie mehr loslassen."
Am 8. Februar 1938 notierte er: "Prozeß Niemöller in Gang." Aber, ereiferte er sich, "das Gericht versagt vollkommen... Und läßt Niemöller gleich einen ganzen Tag über sein Leben erzählen", was um so peinlicher wirkte, als der U-Boot-Kommandant des Weltkrieges tüchtig mit den Nazis sympathisiert hatte: "Dieses Schwein von Niemöller sollte ich vor der Flinte haben."
Inzwischen war aus dem bettelarmen Proleten, der sich gern in seiner schwarzen Lüsterjacke gezeigt hatte, ein, wie der Münchner Historiker Helmut Heiber detailliert darstellt, feiner Pinkel geworden. Anzüge für jegliche Gelegenheit erstklassig in Schnitt und Stoff, die zugleich seine kümmerliche Erscheinung kaschieren sollten, ließ er vom besten Schneider fertigen, das Schuhwerk, schon wegen des Klumpfußes, vom besten Schuhmacher handarbeiten.
Er fand Gefallen an schnellen Autos, Mercedes natürlich, die ja auch der Führer bevorzugte und günstig zu haben waren, und schnittigen Motorjachten. "Am Abend kommt unser Boot Balder. Welch eine Freude! Ein wunderbares Fahrzeug. Wir fahren gleich drauf los."
Die Jacht gehörte zum Inventar des Anwesens auf der Havelinsel Schwanenwerder, das er 1934 erworben hatte. Die Immobilie kostete nur 350000 Reichsmark, aber eigentlich zuviel für den Minister. 100000 Mark besorgte er vom Reichspresseleiter Max Amann, Herr des florierenden NS-Verlagswesens, als Vorschuß für sein Tagebuch: "Vom Kaiserhof zur Reichskanzlei, das 1934 erschien. Hitler steuerte aus seiner Privatschatulle 70000 Mark bei. 50-Mark-Scheine, in Zeitungspapier verpackt. Die von Goebbels abhängige Filmindustrie gab für den Unterhalt 220000 Mark dazu.
Der Kanzler zahlte seinem Untergebenen auch ein monatliches Fixum von 3000 Mark, und so kam der Doppel- und Dreifachverdiener auf monatlich rund 10000 Mark, für den üppigen Lebensstil aber immer noch nicht genug. Die ewigen Geldsorgen hörten erst auf, als ihm das NS-Renommierblatt "Das Reich" ("Radikalismus in honoriger Weise") seit 1941 für den wöchentlichen Leitartikel 2000 Mark überwies.
1936 wurde auf Schwanenwerder das Nachbargrundstück gekauft und noch ein Haus gebaut: "Ein Refugium." Zum Geburtstag im gleichen Jahr vermachte die Reichshauptstadt ihrem Gauleiter und Ehrenbürger ein "schlichtes Blockhaus an einem der stillen Seen", bei Lanke, in Berlins Umgebung:"Ein Waldidyll... Man sieht nur Wasser, Bäume, Wiese. Und ringsum tiefe Einsamkeit."
1938/39 ließ Bauherr Goebbels das "schlichte Blockhaus" zu einem piekfeinen Herrensitz aus- und umbauen, schließlich protzte Göring ganz in der Nähe auf "Karinhall". Wieder erwies sich Amann als "sehr großzügig". Er zahlte Goebbels für weitere Tagebücher, die 20 Jahre nach seinem Tod veröffentlicht werden sollten, 250000 Mark und _(Oben: mit Goebbels'' Mutter, Tochter ) _(Helga und Schwester Maria; ) _(unten: mit Schauspieler Gustav Fröhlich, ) _(1936. )
"laufend jedes Jahr 100000 Mark" - für Amann, fand Goebbels, "eine gute Kapitalanlage", und wieder bewilligte Goebbels sich über die Filmwirtschaft einen Baukostenzuschuß, 2,7 Millionen.
Der Aufsteiger hielt einen Lakaien in schwarzweißroter Livree, einen "Hausintendanten", der vormals als Schloßinspektor Dienst getan hatte, und für die Repräsentation einen leibhaftigen Prinzen, den zu Schaumburg-Lippe.
"Wir sind heute die Träger des Staates und seine Repräsentanten", sagte er sich, "und nicht mehr die Rabauken, die aufs Parkett spucken."
Wohlstand und Würde gerieten jäh in Gefahr, als Goebbels sich in die tschechische Schauspielerin Lida Baarova, 24, verliebte, derzeit noch liiert mit ihrem berühmten Kollegen Gustav Fröhlich. Es war wieder der "verfluchte Eros", der ihn beinahe zu Fall gebracht hatte.
Doch dieses eine Mal war Goebbels bereit, für die Liebe Karriere, das Reich und sogar Hitler sausen zu lassen; vielleicht hätte er ja noch Botschafter werden können, weit vom Schuß, in Tokio oder so. Und auch die Baarova wollte nichts von ihm - nur ihn. Filmkarriere hatte die Schönheit schon gemacht, und den Mercedes, den Goebbels für sie ausgesucht hatte, wies sie zurück. Doch ein Führerbefehl bereitete beider Leidenschaft ein Ende.
Goebbels hatte die Baarova im Olympia-Sommer 1936 kennengelernt und im Herbst, auf dem Reichsparteitag in Nürnberg, seinem Führer vorgestellt. Zwei Tage später saß er mit ihr in einer Loge. Als das Lied ertönte "Ich bin verliebt, bin so verliebt", beugte er sich zu ihr und schnalzte: "Ich auch." Anderntags zog er sie, 20 Minuten vor seiner großen Reichsparteitagsrede, in einen Nebenraum, angeblich um Filmpläne zu besprechen, und küßte sie, drei Minuten vor seinem Auftritt. Seitdem waren Joseph und "Liduschka", wie er sie nannte, ein Paar.
Sie trafen sich, sooft es irgend ging, in ihrer Wohnung am Kurfürstendamm oder in einem seiner Liebespavillons, die er auf seinen See-Grundstücken eingerichtet hatte, aber auch in aller Öffentlichkeit. Er habe es nicht nötig, meinte er, "vor der verlogenen Moral der Spießer zu kuschen", "Bettschnüffeleien" und prüde Parteigenossen, die am "liebsten Keuschheitskommissionen" eingesetzt hätten, waren ihm zuwider.
"Weiberskandale sind die am wenigsten gefährlichen"'', äußerte er, "weil sie die natürlichsten sind." Das fand, in Grenzen, auch Ehefrau Magda; gewöhnlich ließ sie den Gatten gewähren - und leistete sich selber einen Geliebten.
Die Auslandspresse kicherte schon über den liebestollen Minister, im Inland wurde getuschelt, und der Humorist Werner Finck witzelte: "Wer möchte nicht mal Fröhlich sein" (an der viel kolportierten Ohrfeige, die der Schauspieler dem Minister verabreicht haben soll, ist allerdings nichts dran). Schließlich
bestand Magda Goebbels auf Scheidung, und SS-Oberführer Karl Hanke, Goebbels'' Staatssekretär, ging ihr zur Hand - und tröstete sie. Er kopierte Liebesbriefe seines Chefs und stellte eine Liste mit 36 Namen der Minister-Liebschaften zusammen - vorwiegend Stars. Sternchen und Sekretärinnen.
Magda berichtete Emmy (Göring), die erzählte es "Menne" (ihrem Mann), der tratschte genüßlich bei Hitler, und der war, laut Hanke, "tief erschüttert".
Hitler hatte gerade die Skandale um den Reichswehrminister, Generalfeldmarschall Werner von Blomberg, und den Oberbefehlshaber des Heeres, Generaloberst Werner von Fritsch, hinter sich gebracht.
Blomberg, damals 59, hatte im Januar, wie er mitteilte, ein "junges Mädchen aus dem Volke" geheiratet, angeblich eine Prostituierte, jedenfalls waren von ihr pornographische Photos im Umlauf und im Besitz der Gestapo. Und, auch das noch: Hitler war Trauzeuge. Fritsch wurden homosexuelle Beziehungen zu einem Strichjungen unterstellt, Vorwürfe, die sich - hauptsächlich von Göring ausgestreut und von der Gestapo angeblich verifiziert - als erlogen und erstunken erwiesen.
Blomberg wurde entlassen, das Wehrministerium aufgelöst, Hitler selber übernahm den Oberbefehl über die Wehrmacht, und auch der bürgerliche Reichsaußenminister Konstantin von Neurath, gutmutig, aber ängstlich, mußte bei dieser Säuberung dran glauben. Fritsch nahm seinen Abschied und wurde mit der Übergabe eines Regiments abgefunden; er fiel am 22. September 1939 im Polen-Krieg.
In der Geschichtsschreibung heißt es, Hitler habe diese Affären kalt genutzt, um, so beispielsweise Hans-Ulrich Thamer in seinem ausgezeichneten Buch über das Dritte Reich, _(Hans-Ulrich Thamer: "Verführung und ) _(Gewalt - Deutschland 1933 - 1945". ) _(Siedler Verlag, Berlin 1986. )
am Vorabend kriegerischer Abenteuer, die "bislang noch weitgehend unabhängigen Bastionen von Armee und Diplomatie zu schleifen. Zweifelsohne tat er es, aber kalt berechnend?
Goebbels'' Tagebuch-Notizen vermitteln den Eindruck vorübergehender Führungsschwäche. Sicher schrieb er für die Nachwelt, aber gerade deshalb lag es wohl kaum in seiner Absicht, wahrheitswidrig einen flennenden, kalkweißen Führer zu überliefern (siehe Seite 118).
Mit der Goebbels-Affäre hatte Hitler es einfacher: Er stauchte seinen Minister zusammen. Die Ehe sei, entschied er, fortzusetzen, zunächst auf Probe; während dieser Frist durfte Goebbels seine Liduschka weder sehen noch sprechen.
"Abends kommt der Führer nach Berlin", schildert Goebbels die Szene, "Magda spricht mit ihm. Dann habe ich mit ihm eine sehr lange und ernste Unterredung": _____" Sie erschüttert mich auf das Tiefste. Ich bin davon " _____" ganz benommen. Der Führer ist zu mir wie ein Vater... In " _____" dieser schweren Stunde kann ich das gut gebrauchen. Ich " _____" fasse sehr schwere Entschlüsse. Aber sie sind endgültig. " _____" Ich fahre eine Stunde im Auto heraus ... Das Leben ist so " _____" hart und grausam. Wo soll ich anfangen, wo soll ich " _____" aufhören? Aber die Pflicht steht über allem. Und ihr muß " _____" man in den schwersten Stunden gehorchen. "
Der Baarova wurde befohlen, in ihre tschechische Heimat zurückzukehren (wo bald deutsche Panzer rollen sollten). Goebbels durfte noch einmal mit ihr telephonieren, aber nur in Gegenwart Görings: "Werde kein böser Mensch durch das Leid, das dir nun angetan wird ... Lebewohl."
Die Eheleute Goebbels versöhnten sich; am 22. Januar 1939 unterschrieben sie einen von Hitler genehmigten "neuen Vertrag". Goebbels war "ganz benommen" davon. Nach der Affäre kam das Versöhnungskind, Heide: Es war das sechste und letzte. Liebhaber Hanke verschwand bei der Wehrmacht, als einfacher Rekrut, und tauchte später wieder auf, als Gauleiter von Niederschlesien.
Die leidige Staatsaffäre um Joseph und Liduschka war gerade ausgestanden, da brannten in Deutschland die Synagogen, wurden jüdische Schulen, Geschäfte, Wohnungen zerstört, Friedhöfe geschändet, mindestens 91 Juden ermordet, es wurde geplündert und vergewaltigt - "Rassenschande", wie das Oberste Parteigericht tadelte.
Historiker brachten das Pogrom vom 9./10. November 1938 - die "Reichskristallnacht" - in Zusammenhang mit Goebbels'' momentanem Geistes- und Seelenzustand. Heiber schrieb beispielsweise, der bei Hitler in Ungnade gefallene Minister "ergriff die blendende Gelegenheit, sich durch Eifer zu rehabilitieren, mit beiden Händen. Goebbels'' Tagebücher geben darüber keinen Aufschluß; es finden sich darin keinerlei Aufzeichnungen aus dieser Zeit, womöglich, weil Goebbels sich in München aufhielt.
Dort, in der Hauptstadt der Bewegung, hatten sich, wie alljährlich, die alten Kämpfer und einige Parteiprominenz um Hitler geschart, um des "Marsches auf die Feldherrenhalle" zu gedenken. Am Abend traf die Nachricht ein, der Legationsrat an der deutschen Botschaft in Paris Ernst vom Rath sei dem Pistolenattentat des 17jährigen deutschpolnischen Juden Herschel Grünspan erlegen.
Hitler tuschelte mit Goebbels und zog sich in seine Münchner Wohnung zurück. Goebbels führte nun das große Wort. Seine "mündlichen Anweisungen", urteilte später das Parteigericht, seien, "wohl von sämtlichen anwesenden Parteiführern so verstanden worden, daß die Partei nicht nach außen als Urheber der Demonstration in Erscheinung treten darf, sie in Wirklichkeit aber organisieren und durchführen sollte".
Das Gericht bescheinigte Goebbels aber auch, auf Weisung Hitlers gehandelt zu haben - was naheliegt. Denn Goebbels, der sich ständig bei seinem Führer rückversicherte, hätte, wie angeschlagen er auch gewesen sein mochte, _(Auf dem Presseball in Berlin. )
diesen Alleingang nicht gewagt, noch dazu in einer außenpolitisch höchst prekären Phase. Erst sechs Wochen zuvor hatten Hitler, der italienische Duce Mussolini, der britische Premierminister Chamberlain und der französische Ministerpräsident Daladier auf der Münchner Konferenz die "Sudetenkrise" beigelegt.
Die in München versammelten NS-Funktionäre lösten überall im Reich sofort die angeblich "spontanen" Aktionen aus. Besonders die SA, die seit der Röhm-Affäre kurzgehalten worden war, tobte sich aus, in Uniform, was oben nicht gern gesehen wurde, oder in Räuberzivil. Sie hielt den "Zeitpunkt der restlosen Lösung der Judenfrage gekommen" und wollte "die wenigen Stunden bis zum nächsten Tag" nutzen: Man werde, heute nacht", meldete sie der Polizei, "etwas spazierengehen".
Hinterher feixte Goebbels: "Da haben sich die kleinen Leute endlich mal wieder ordentlich ausstatten können. Sie hätten sehen sollen, wie die das genossen haben: Damenpelze, Teppiche, kostbare Stoffe - alles gab es umsonst. Die Menschen waren begeistert! Ein großer Erfolg für die Partei" - und er wehrte sich, fast schon plausibel, gegen die ihm untergeschobene Urheberschaft: "Wenn ich diese Demonstration organisiert hätte, dann hätte es auf den Straßen nicht bloß ein paar tausend, sondern 400000 oder gar 700000 Demonstranten gegeben, und das Resultat wäre ganz anders ausgefallen und jedenfalls durchschlagender gewesen." Göring, Beauftragter für den Vierjahresplan, mit dem Industrie und Wirtschaft auf Krieg umgestellt werden sollten, jammerte zwar um das "schöne Glas", das zu Bruch gegangen war, meinte aber: "Wenn das deutsche Volk", in außenpolitischen Konflikt kommt, so ist es selbstverständlich, daß auch wir in Deutschland in allererster Linie daran denken werden, eine große Abrechnung mit den Juden zu vollziehen."
Über den Fahrplan in den Krieg war Goebbels nur grob orientiert, den bestimmte Hitler, und die Generale, Hitler-hörig oder zu feige, hielten ihn pünktlich ein. Goebbels wußte aber, daß es Krieg geben wird - und warum: Es gelte, daß sich das Germanenreich im Osten "für 100 Jahre mit Land eindeckt".
Aus Goebbels'' Tagebüchern geht, wie wohl aus keinem anderen Dokument, hervor, mit welch manischer Konsequenz, einerseits, und auf gut Glück, andererseits, deutsche Außen-, Eroberungs- und Kriegspolitik gemacht wurde. Den Minister schreckten schon mal unkalkulierbare Risiken: Der Spanische Bürgerkrieg hatte ihm eine Vorstellung davon vermittelt, "wie ein Brand-, Luft- und Gaskrieg aussehen wird. Eine grauenhafte Vision". Aber nie hätte er sich erdreistet, bei Hitler nachhaltig auf Mäßigung zu drängen.
Am 17. April 1935, nach der völkerrechtswidrigen Einführung der allgemeinen Wehrpflicht, schrieb er, typisch für ihn: "Man darf die Gefahren nicht unterschätzen. Das heißt aber, daß unsere einzige Rettung in der Macht liegt ... Diesen Sommer laß uns, o Herr, noch überdauern."
"Der Führer erzählt mir alles, was er auf dem Herzen hat", redete er sich ein: "Sehr vertrauensvoll. Ich bin glücklich darüber." In Wirklichkeit quälte es ihn daß Hitler "bald nur noch auf seine Generale" hören werde: "Es wird sehr schwer für mich."
Der oberste Kriegsherr zog ihn bei seinen Staats- und Raubaktionen in der Regel erst hinzu, wenn sein "unerschütterlicher Entschluß" wieder einmal gefaßt und der nächste Streich propagandistisch vorzubereiten und zu decken war. Das machte Goebbels dann jedesmal auf Biegen und Brechen, nicht nur in sklavischer Hörigkeit, sondern, hatte Hitler gesprochen, voller Sturm und Drang.
Vom geplanten Rheinland-Einmarsch erfuhr Goebbels am 21. Januar 1936, sechs Wochen vor dem Coup. Hitler wollte diese Frage "einmal plötzlich" lösen, "aber nicht jetzt".
Am 29. Februar riet Goebbels dementsprechend "gegen Handeln in diesem Augenblick". Zwei Tage später jedoch war Hitler "fest entschlossen" und er auch. Hitlers "Gesicht strahlt Ruhe und Festigkeit aus... Es ist wieder ein kritischer Augenblick, aber nun muß _(Festgenommene Juden in Baden-Baden. )
gehandelt werden. Den Mutigen gehört die Welt... Alle sind ganz feierlich, aber gelassen".
Am 7. März 1936, als deutsche Truppen über die Rheinbrücken marschierten, wurde "wieder Geschichte gemacht", und "alles hat herrlich geklappt", was selbst einige Nazis und vor allem Generale überraschte; sie hatten für den Fall von Feindberührung Rückzugsbefehl gegeben. Aber der Feind rührte sich nicht; er konferierte wie gehabt. "England bleibt passiv", erkannte Goebbels richtig, "Frankreich handelt nicht allein. Italien ist enttäuscht und Amerika desinteressiert."
Ein paar Tage später kam Goebbels die Erleuchtung: "Neue fertige Tatsachen können wir nicht mehr schaffen Das Reich ist frei und souverän." Er hatte offenbar keine rechte Ahnung, was sein Führer noch alles im Schilde führte.
Der hatte den Blick schon auf Österreich gerichtet, das "heim ins Reich" sollte. Am 22. Februar 1938 notierte Goebbels: "Jetzt rollt die Sache programmgemäß."
Dann kam die Tschechoslowakei an die Reihe. Goebbels - "dieser Dreckstaat muß weg" - hatte nun alle Hände voll zu tun, die Sudetendeutschen aufzuwiegeln - "aufs neue hetzen und putschen" - und die Prager Regierung unter Druck zu setzen. Zwischendurch kriegte er es mit der Angst zu tun: "Wir müssen also sehr aufpassen. Sonst schliddern wir eines Tages in eine Katastrophe hinein, die niemand will und trotzdem kommt."
Die Erinnerung an 1914 behielt er freilich für sich, als Hitler ihm Mitte Juni offenbarte, er werde bei der "nächsten Gelegenheit Prag anfassen". Vielmehr nickte er, wie stets: "Das ist auch richtig so."
Goebbels grübelte: "Was soll mit den 6 Millionen Tschechen geschehen, wenn wir das Land einmal haben? Schwere fast unlösbare Frage" - nicht für Hitler, erst einmal "zwei Millionen ausweisen".
Und "was macht England? Läßt es sich die Auseinandersetzung mit der Tschechei gefallen oder nicht? Die Frage, von der alles abhängt", doch Hitler wußte die Antwort: "Er glaubt nicht daß London eingreift." Und doch lag, so Goebbels, "eine dumpfe Stimmung über dem Lande. Alles wartet, was kommt".
Es kam, Ende September, die Konferenz von München. Die Appeaser aus London und Paris ließen die Tschechoslowakei fallen, die Deutschen konnten das Sudetenland einheimsen. Doch Freude kam bei Hitler nicht auf. Noch wenige Wochen vor der bedingungslosen Kapitulation 1945 grollte Hitler: "Man mußte den Krieg 1938 machen... Wir haben in München eine einmalige Gelegenheit verpaßt, den unvermeidlichen Krieg leicht und rasch zu gewinnen."
Aber noch war das "Problem ja nur zur Hälfte gelöst", fand Goebbels sogleich, und die "Tschechen werden wieder reichlich frech". Also begab sich
Hitler - "eine napoleonische Natur" - auf seinen Obersalzberg und dachte nach: "Vielleicht kommt wieder die Tschechoslowakei dran, mutmaßte Goebbels: "Vielleicht aber auch die Ukraine."
Am 15. März 1939 überfielen deutsche Truppen die Tschechoslowakei. Die Westmächte kuschten. Schon zehn Tage später "grübelte" Hitler "über die Lösung der Frage Danzig nach. Er will es bei Polen mit etwas Druck versuchen". Wieder zog Goebbels mit: "Die Polacken sind und bleiben natürlich unsere Feinde."
Goebbels trieb nicht zum Krieg; in kleinem Kreis soll er geäußert haben, ein "kluger Mann" führe keinen Krieg. Aber er zog mit.
Hitler werde seine "kühne, risikoreiche Politik fortsetzen", verriet er Anfang 1939 seinen Mitarbeitern, die "brennend gewordene deutsche Raumfrage" müsse "notfalls mit Waffengewalt" gelöst werden, aber deshalb brauche es "keinen Krieg zu geben".
Goebbels stellte sich vor, die "notwendige Revolutionierung Europas", die Unterjochung des Kontinents und ein "germanisches Reich ohne Grenzen" also, könne sich "wie bisher, auch friedlich weiter vollziehen". Am ersten Kriegstag gab er Weisung, den "Begriff Krieg" zu vermeiden: "Die polnischen Angriffe werden zurückgeschlagen." Aber bereits Ende 1939 meinte Goebbels: "Unser Volk muß verstehen lernen, daß es in diesem Krieg um unsere nationale Existenz geht."
Komme, was da wolle: Krieg sei "Naturgesetz", Blutvergießen "nie sinnlos, selbst wenn es ohne sichtbaren Erfolg" bleibe, Frieden "nicht einmal erstrebenswerter Idealzustand. Er würde auf die Dauer die Menschheit zum Versumpfen bringen". Wenn Hitler Krieg wollte, nun denn: "Führer befiehl, wir folgen dir." Unter ihm "zu kämpfen, kann mir Ehre sein", und: "Mit ihm werden wir siegen."
Über Goebbels'' Rolle in der Vorkriegsphase 1939 kann fast alles rückgeschlossen, aber nicht schlüssig belegt werden. In seinem Tagebuch klafft ausgerechnet für diesen Abschnitt - 31. Mai bis 8. Oktober - eine Lücke. Denkbar daß die Lieferanten in Moskau und Ost-Berlin die Eintragungen lieber für sich behalten; sie könnten Aufschlußreiches über die kriegsverbrecherische Kollaboration der Sowjet-Union mit dem Nazi-Reich und die Aggression der Roten Armee gegen Polen enthüllen.
Goebbels kam erst wieder zu Wort als Polen schon verloren war: "Dieses Volkspack muß unter die Knute gezwungen werden." Sogleich, am 2. November 1939, reiste Goebbels nach Lodz und Warschau, um die polnischen Zustände zu besichtigen, zumal die "Wehrmacht im Volkstumskampf" nicht "ganz sattelfest" sei. Er glaubte bestätigt, was sich in seinem perversen Hirn längst verfestigt hatte, besonders, was die Juden betraf: _____" Fahrt durch das Ghetto (in Lodz, d. Red.). Wir " _____" steigen aus und besichtigen alles eingehend. Es ist " _____" unbeschreiblich. Das sind keine Menschen mehr, das sind " _____" Tiere. Das ist deshalb auch keine humanitäre sondern eine " _____" chirurgische Aufgabe. Man muß hier Schnitte tun, und zwar " _____" ganz radikale. "
Am 14. Februar 1942, die "Endlösung" war angelaufen, enthüllte der Verschwörer in seinem Tagebuch: _(Goebbels-Ehefrau (2. v. r.), General ) _(Hans Krebs, letzter Generalstabschef des ) _(Heeres (3. v. r.), Goebbels-Kinder, ) _(Goebbels (auf der Bahre, l.) im ) _("Führerbunker". ) _____" Der Führer gibt noch einmal seiner Meinung Ausdruck, " _____" daß er entschlossen ist, rücksichtslos mit den Juden in " _____" Europa aufzuräumen. Hier darf man keinerlei sentimentale " _____" Anwandlungen haben. Die Juden haben die Katastrophe, die " _____" sie heute erleben, verdient. Sie werden mit der " _____" Vernichtung unserer Feinde auch ihre Vernichtung erleben. " _____" Wir müssen diesen Prozeß mit kalter Rücksichtslosigkeit " _____" beschleunigen. "
Am 27. März 1942 hieß es da: _____" Es wird hier ein ziemlich barbarisches und nicht " _____" näher zu beschreibendes Verfahren angewandt, und von den " _____" Juden selbst bleibt nicht mehr viel übrig... An den Juden " _____" wird ein Strafgericht vollzogen, das zwar barbarisch ist, " _____" das sie aber vollauf verdient haben... Man darf in diesen " _____" Dingen keine Sentimentalität obwalten lassen... " _____" Gottseidank haben wir jetzt während des Krieges eine " _____" ganze Reihe von Möglichkeiten, die uns im Frieden " _____" verwehrt wären. Die müssen wir ausnützen. "
"Der Führer will den großen Krieg", notierte Goebbels - verschreckt?: "Ob''s zum richtigen Weltkrieg kommen wird?"
Am 18. Dezember 1940 erging die "Führerweisung 21" an das Oberkommando der Wehrmacht: "Die deutsche Wehrmacht muß darauf vorbereitet sein, auch vor Beendigung des Krieges gegen England Sowjetrußland in einem schnellen Feldzug niederzuwerfen (Fall Barbarossa)."
Goebbels erfuhr erst am 29. März 1941 Näheres: "Hauptsache, daß es los geht." Zwar sollten vorher noch Jugoslawien ("Dieser Saisonstaat wird die Provokation des Reiches mit seiner Existenz bezahlen müssen") und Griechenland ("Der Führer ist ein ganz und gar auf die Antike ausgerichteter Mensch") erledigt werden, was im April geschah: _____" Das große Unternehmen kommt dann später: gegen R " _____" (Rußland, d. Red.). Es wird sorgfältigst getarnt... Die " _____" Ukraine ist eine gute Kornkammer. Sitzen wir dort, dann " _____" können wir es lange aushalten ... Psychologisch bietet " _____" die ganze Sache einige Schwierigkeiten. Parallele " _____" Napoleon etc. Aber das überwinden wir leicht durch " _____" Antibolschewismus... Wir werden da unser Meisterstück " _____" liefern... Abends noch lange gearbeitet. Ein bißchen mit " _____" unserem Besuch geplaudert. Diese Tage sind in der " _____" Vorbereitung dramatisch und bewegend. Aber es ist auch " _____" schön, daran beteiligt zu sein. "
Die Russen werden "überrannt wie bisher kein Volk", in einem "Massenangriff allergrößten Stils, wohl des gewaltigsten, den die Geschichte je gesehen hat" - in "vier Monaten", meinte Hitler; Goebbels schätzte "auf weniger" (siehe Seite 126).
Er probierte gleich neue Rundfunk-Fanfaren aus, die demnächst die Sondermeldungen von der Ostfront einleiten würden (aus Franz Liszts "Les preludes"). Hitler war damit "sehr zufrieden", aber er ließ doch "noch einige neu machen".
Als es soweit war, frohlockte Goebbels: "Nun donnern die Geschütze. Gott segne unsere Waffen": "Große Siege stehen uns bevor", in der Tat. Aber seine größte Stunde kam erst, als es mit dem Siegen aus war und sich, bei Stalingrad, der Weg in die Katastrophe gabelte. Da inszenierte Goebbels, der den Krieg schon verloren gab, den totalen Krieg, und dann, am schaurigen Ende, den Untergang. Es war ein Stück von ihm.
Am 4. Januar 1943 gestand er seinen Mitarbeitern: "Natürlich können wir den Krieg verlieren." Sechs Wochen später hatte der größte Agitator der modernen Geschichte seinen größten Auftritt: "Wollt ihr den totalen Krieg?" Es war, wie Goebbels danach selber sagte: "Die Stunde der Idiotie."
Noch in der Niederlage war Goebbels unerschöpflich in seinen Tricks und Einfällen und unermüdlich in seinem Einsatz, zu retten, was längst verloren war: "Hütet Euch, Ihr Hunde", hatte er schon in seinem "Michael" getobt: "Wenn der Teufel bei mir los ist, den bändigt Ihr nicht mehr." Vierzehn Tage vor seinem Tod bedauerte er, daß Hitler ihn nicht "am ersten Kriegstag zum Vizekanzler" gemacht habe, dann wäre es, bildete er sich ein, nicht so weit gekommen.
Sein Realismus, wenn er denn aufflackerte - "Deutschland hat diesen Krieg gewonnen, wenn es ihn nicht verliert" -, ging unter in Hitlers dunklen Wahnvorstellungen. Zweifel, Auflehnung gar, hätten seine Substanz vernichtet. Er belog das Volk und sich selbst.
Als nichts mehr half, die Durchhalteparolen verpufften, die Friedensfühler von Ost und West zurückgewiesen wurden, die Wunderwaffen ausblieben und auch sonst kein Wunder geschah, gab er dem Volk die Schuld: "Was fange ich noch mit einem Volk an, dessen Männer nicht einmal mehr kämpfen, wenn ihre Frauen vergewaltigt werden". Im Osten läuft es davon, im Westen hindert es die Soldaten am Kampf und empfängt den Feind mit weißen Fahnen."
Goebbels war, als er 1945 abtrat, wie er gewesen war, als er 1925 antrat, hörig und herrisch, von destruktiver Intelligenz, quälender Unrast und Unreife.
Bedingungsloser Mitläufer - und gnadenloser Vollstrecker.
Was er tat, tat er, der glauben mußte, um existieren zu können, im Glauben an Hitlers und die eigene Mission, beflügelt von einem Volk, das sich, im Siegesrausch wie im Untergang, außer Kraft gesetzt hatte. Nun war Reichskanzler Goebbels ganz oben, für einen einzigen Tag, und noch im Fallen triumphierte er über die "Canaille Mensch".
Als Goebbels sich mit seiner Frau und seinen sechs kleinen Kindern zum Gruppenselbstmord in den Führerbunker begab, verabschiedete er sich von seinen Mitarbeitern: "Wir müssen uns alle vergiften."
Er wußte: "Unterliegen wir, dann würden unsere Namen durch die Jahrhunderte von Generationen verachtet und verflucht."
Ende *KASTEN
"Der Führer ist ganz müde und grau"
Tagebuchschreiber Goebbels über die Blomberg/Fritsch-Krise 1938 *
26. Januar
Mittags beim Führer. Gespannte Stimmung. Unangenehme Lage um Blomberg. Noch nicht geklärt. Der Führer ist sehr ernst und fast traurig.
27. Januar
Blomberg ist gar nicht mehr zu retten. Seine Frau vorbestraft wegen Vertriebs unzüchtiger Photos von sich selbst, bis 1937 unter Kontrolle, die Photos sind gemein und ekelhaft. Blomberg muß seinen Abschied nehmen. Es bliebe einem Ehrenmann nur die Pistole. Aber, aber.
Helldorff (Polizeipräsident von Berlin, d. Red.) hat die Sache aufgefischt. Der Führer als Trauzeuge. Es ist unausdenkbar. Die schwerste Krise des Regimes seit der Röhmaffäre. Ich bin ganz zerschmettert. Der Führer sieht aus wie eine Leiche. Um ihn tut es mir am meisten leid. Blombergs Verhalten ist mir ganz unverständlich. Er will ins Ausland fahren. Und den Führer hier im Dreck sitzen lassen. Das geht ja gar nicht ...
Helldorff bringt mir den Akt "Frau Generalfeldmarschall Blomberg". Die Haare stehen einem zu Berge. Das ist ja entsetzlich. Das Unheil wächst drohend heran. Ich bin vollkommen erledigt. Da gibt es keinen Ausweg mehr. Da hilft nur noch die Pistole. Nun soll auch noch Fritsch 175. Er versichert ehrenwörtlich, daß das nicht wahr ist. Aber wer kann das noch glauben? ...
28. Januar
Beim Führer. Er ist ganz fahl und grau geworden. Blomberg mit - Frau abgereist. Fritsch einem Stalljungen gegenübergestellt, der ihn wiedererkennen will, was Fritsch energisch bestreitet. Hoßbach (Adjutant der Wehrmacht bei Hitler, d. Red.) hat den Fehler gemacht, ihn vorher über die gegen ihn erhobenen Vorwürfe zu orientieren. Er konnte sich also präparieren. Wer weiß hier, was richtig und falsch ist! ". Aber nach dem muß Fritsch auch gehen! ...
Und dann kommt die schwierigste Frage: wie dem Volke sagen. Es gehen die tollsten Gerüchte um. Der Führer ist ganz erledigt. Wir haben alle seit Montag nicht mehr geschlafen ...
Hoßbach als Adjutant beim Führer wegen seines Fehlers Fritsch gegenüber abgelöst. Er erfährt das durch ein Telephongespräch beim Essen und ist dann ganz gebrochen... Der Führer ist ganz müde und grau. Für ihn ist mir das alles am schwersten. Ein furchtbares Verhängnis, über das wir nicht so leicht hinwegkommen werden ...
30. Januar
Der Fall Fritsch ist ganz versiebt. Hier steht Aussage gegen Aussage: die eines homosexuellen Erpressers und die des Chefs des Heeres. Und der Führer traut Fritsch nicht mehr. Eine verteufelte Situation. Gürtner (Reichsjustizminister, d. Red.) soll nun noch ein juristisches Gutachten anfertigen. Aber was nutzt das alles ...
1. Februar
Der Führer läßt mich zu sich rufen. Ich bin mit ihm allein 2 Stunden in seinem Privatzimmer. Er ist wieder etwas gefaßt, aber immer noch sehr bleich, grau und erschüttert. Er klagt mir sein ganzes Leid. Wie ihm alle menschlichen Ideale zerbrochen sind. Blomberg heiratet eine Nutte und bleibt bei ihr und läßt den Staat fahren ...
Fritsch als 175er nahezu entlarvt. Zwar liegt das 3 Jahre zurück, aber der Führer glaubt fest daran. Fritsch leugnet, aber das tuen ja diese Menschen immer. Auch nicht mehr zu halten ...
Führer will selbst die Wehrmacht übernehmen. Die Wehrmachtsteile als Ministerien sich unterstellen. Raeder (Oberbefehlshaber der Kriegsmarine. d. Red.) bleibt; er hat sich in der ganzen Krise fabelhaft benommen und in der Marine ist alles in Ordnung. Göring (Oberbefehlshaber der Luftwaffe, d. Red.) ist zum Feldmarschall ernannt worden. Um die ganze Sache zu vernebeln, soll ein großes Revirement stattfinden. Anstelle Neuraths Ribbentrop als Außenminister ...
Ich halte Ribbentrop für eine Niete. Ich sage es auch ganz offen und freimütig dem Führer. Er hört sich alles schweigend an. Er will alles nochmal überschlafen und dann heute oder morgen seine Entschlüsse fassen. Keinesfalls darf die Sache als Triumph der Partei aufgemacht werden. Und die wahren Hintergründe müssen hinter einer Nebelwand verschwinden ...
Der Führer ist ganz erschüttert. Die Tränen stehen ihm in den Augen. Eine sehr ernste Stunde. Hoffentlich kommen wir mit einem blauen Auge davon. Ich fühle so stark und innig mit dem Führer mit. Er steht ganz tief und fest in meinem Herzen. Gut, daß er noch einige Freunde besitzt, auf die er sich blind verlassen kann. Dazu will ich gehören ...
Mittags wieder beim Führer. Er ist wie ausgewechselt, da all die anderen dabeisitzen. Redet und plaudert, als wenn gar nichts wäre ... Gürtner ... gibt zu, daß das Material zur Einleitung eines Verfahrens und wohl auch zur Verhaftung ausreicht. Das genügt! ...
3. Februar
Der Führer empfängt noch die Generäle der Reihe nach. Er ist noch zu keinem Entschluß gekommen. Im übrigen geht jetzt die Auslandspresse scharf heran. Es schwirrt nur so von Gerüchten. Aber an den Kern der Sache kommt bislang noch keiner heran. Aber das wird ja nicht lange mehr dauern. Ich glaube kaum noch, daß wir, nachdem wir solange zugewartet haben, noch mit heiler Haut davonkommen ...
4. Februar
Helldorff teilt mir mit, daß die Blomberg-Gerüchte im Volke nun beängstigende _(Mit Vizekanzler von Papen am "Tag von ) _(Potsdam". )
Formen annehmen. Es wird Zeit, höchste Zeit! ...
Beim Führer Essen. Er ist ganz müde und erschöpft. Wir sprechen noch einmal die Lage durch. Heute, spätestens morgen soll nun seine Entscheidung fallen. Und dann ist Schluß mit der Krise ...
Am Abend faßt dann der Führer seine Entschlüsse und gibt sie gleich bekannt: Blomberg und Fritsch aus "gesundheitlichen" Gründen zurückgetreten. Führer selbst übernimmt die Befehlsgewalt über die Wehrmacht persönlich. Ihm ist Keitel im Range eines Reichsministers als Chef des Oberkommandos der Wehrmacht unmittelbar unterstellt... Eine Unmenge von Generalen ab- und neu eingesetzt. Verjüngung der Armee in ungeahntem Umfange ...
5. Februar
Der Reichstag ist zum 20. Februar einberufen. Das wäre also geschafft. Die Welt hat ihre Brocken. Sie wird daran zu verdauen haben. Das Schwerste ist getan. Ich bin hundemüde, aber sehr glücklich ...
6. Februar
Abends um 8 Uhr Kabinettssitzung. Himmler erzählt mir, daß er das Material für Fritsch zusammenstellen muß. Das wird in einem regelrechten Verfahren untersucht und abgeurteilt. Das wird ja noch allerhand Staub aufwirbeln ...
Dann spricht der Führer. Eine Stunde lang. Mit einer bewundernswerten Offenheit läßt er noch einmal das ganze Drama abrollen. Er glaubt nicht daran, daß Blomberg das vorher gewußt habe. Er würdigt seine Verdienste um den Aufbau der Wehrmacht. Läßt ihm alle Ehre widerfahren. Erklärt aber, daß er von tiefer Scham erfüllt sei. Das hat ihn tief getroffen.
Selbst Fritsch läßt er Gerechtigkeit widerfahren. Auch seine Verdienste werden in 50 Jahren gerecht beurteilt werden. Aber nun muß man ihn aburteilen. Der Führer will keine Zwischeninstanz mehr zwischen sich und Wehrmacht. Er spricht manchmal mit tränenerstickter Stimme. Daß er sich geschämt habe, am 30. Januar auf den Balkon herauszutreten. Aber gottlob wisse das Volk von alledem nichts und würde es auch nicht glauben. Deshalb größte Diskretion ...
Er sagt mir, daß er sich nun der Wehrmacht gegenüber fühle wie dem Volke gegenüber im Anfang 1933. Er muß sich seine Position erst erkämpfen ...
Und dann fährt der Führer ab. Ganz müde und abgespannt. Zermürbt von Leid, Schmerz und Enttäuschung. Man könnte weinen, wenn man ihn so sieht. Gute Erholung! *KASTEN
"Die Russen werden überrannt"
Tagebuchschreiber Goebbels über den Krieg gegen die Sowjet-Union 1941 *
16. Mai
Im Osten soll es nun am 22. Mai losgehen. Aber das hängt noch etwas vom Wetter ab ...
24. Mai
R (Rußland, d. Red.) wird in seine Bestandteile zerlegt... Der Bolschewismus ist gewesen. Damit erfüllen wir auch wieder unsere eigentliche große Aufgabe vor der Geschichte.
29. Mai
In Moskau rätselratet man. Stalin scheint langsam hinter den Dreh zu kommen. Im übrigen aber starrt er immer noch wie das Kaninchen auf die Schlange ...
31. Mai
Das Unternehmen Barbarossa rollt weiter. Jetzt setzt die erste große Tarnungswelle ein. Der ganze Staats- und Militärapparat wird mobil gemacht. Über die wahren Hintergründe wissen nur ein paar Leute Bescheid. Ich muß das ganze Ministerium auf die falsche Fährte setzen, selbst auf die Gefahr hin, am Ende, wenn es umgekehrt abrollt, an Prestige zu verlieren. Also los! ... Das wird ein Erwachen geben. Und ein Zusammenbruch des Bolschewismus ohnegleichen ...
5. Juni
Richtlinien für Propaganda nach R: kein Antisozialismus, keine Rückkehr des Zarismus, nicht offen auf Zerschlagung des russischen Reiches hinausgehen, da wir sonst die Armee, die großrussisch ist, verprellen, gegen Stalin und seine jüdischen Hintermänner, Land für die Bauern, aber vorläufig die Kollektive erhalten, damit wenigstens die Ernte gerettet wird ...
Man zittert vor Erregung. Ich kann den Augenblick, da der Sturm losbricht, kaum noch erwarten... Ein düfteschwerer Abend. Wie schön die Welt sein kann!
6. Juni
Bericht aus Moskau: z.T. Lähmende Resignation, z.T. Anbiederungsversuche bei uns, z.T. aber auch schon sichtbare Vorbereitung. Stalin hat das Heft in der Hand. Im Konfliktfall will die Regierung sich nach Swerdlowsk zurückziehen. Allmählich versucht man auch, das Volk auf den Ernst der Situation aufmerksam zu machen. Aber keine klare Linie zu entdecken. An einen ernsthaften Widerstand glaubt eigentlich niemand mehr. Man fürchtet wohl auch weitgehende innere Reaktionen.
10. Juni
Mir ist dabei ganz eigen, daß ich jetzt das Tanzverbot aufheben soll. Aber das ist nötig, um unsere nächste Aktion möglichst zu tarnen. Die Welt soll glauben, wir wären jetzt sattgesiegt und hätten kein anderes Interesse als ausruhen und tanzen.
12. Juni
Die Russen starren hypnotisch auf uns und haben Angst. Tuen tuen sie nicht viel. Sie werden überrannt werden wie bisher kein Volk. Und der bolschewistische Spuk wird schnell zu Ende gehen.
Neue Apparate für den Flugblattabwurf abgenommen. Jetzt klappen sie. Im ganzen werden schon 30 Millionen Flugblätter gedruckt. In der Reichsdruckerei. Die Verpackung geschieht durch 45 Soldaten, die bis zum Beginn der Aktion nicht mehr freigelassen werden. Ein Verrat ist da unmöglich ...
14. Juni
Die Russen scheinen noch gar nichts zu ahnen. Jedenfalls marschieren sie so auf, wie wir es uns nur wünschen können: dick massiert, eine leichte Gefangenenbeute ... Moskau gibt ein formelles Dementi heraus: es wisse nichts von Angriffsabsichten des Reiches. Unsere Truppenbewegungen seien anderen Zwecken dienlich. Jedenfalls tue Moskau gar nichts gegen eine angebliche Angriffsabsicht. Großartig ...
Ich lasse in Berlin tolle Gerüchte ausstreuen: Stalin komme nach Berlin, es würden schon rote Fahnen genäht etc.
16. Juni
Das Beispiel Napoleons wiederholt sich nicht. Gleich am ersten Morgen beginnt das Bombardement aus 10000 Rohren... Die Russen sind genau an der Grenze massiert, das Beste, was uns überhaupt passieren kann. Wären sie weitverstreut ins Land gezogen, dann stellten sie eine größere Gefahr dar. Sie haben etwa 180 - 200 Divisionen zur Verfügung, vielleicht auch etwas weniger, jedenfalls ungefähr soviel wie wir. An personellem und materiellem Wert sind sie mit uns überhaupt nicht zu vergleichen. Der Durchstoß geht an verschiedenen Stellen vor sich. Sie werden glatt aufgerollt ...
Ich schätze die Kampfkraft der Russen sehr niedrig ein, noch niedriger als der Führer. Wenn eine Aktion sicher war und ist, dann diese ...
In Rußland wird nicht der Zarismus zurückgeholt, sondern entgegen dem jüdischen Bolschewismus der echte Sozialismus durchgeführt. Es bereitet jedem alten Nazi eine tiefe Genugtuung, daß wir das noch erleben. Das Zusammengehen mit Rußland war eigentlich ein Flecken auf unserem Ehrenschild. Der wird nun abgewaschen. Wogegen wir unser ganzes Leben gekämpft haben, das vernichten wir nun auch ...
Der Führer sagt: ob recht oder unrecht, wir müssen siegen. Das ist der einzige Weg. Und er ist recht, moralisch und notwendig. Und haben wir gesiegt, wer fragt uns nach der Methode. Wir haben sowieso soviel auf dem Kerbholz, daß wir siegen müssen, weil sonst unser ganzes Volk, wir an der Spitze mit allem, was uns lieb ist, ausradiert werden ...
Ich bespreche mit dem Führer noch eine Reihe von Tagesfragen, von privaten Dingen u.ä., und verschwinde dann wieder am späten Nachmittag heimlich durch die Hintertür". Das ist ein ganz großer Augenblick für mich. Durch den Park gefahren, durchs Hinterportal und dann durch die Stadt gejagt. Wo die Menschen harmlos im Regen spazieren... _(Vor Moskau. )
17. Juni
In der Nacht von Samstag auf Sonntag soll es losgehen. Um 3.30h. Die Russen stehen immer noch stark massiert an der Grenze. Sie können das auch mit ihren wenigen Transportmöglichkeiten in den paar Tagen nicht mehr ändern. Sie machen typisch bolschewistische Mätzchen, lassen durch als Frauen verkleidete Soldaten Minen auslegen etc. Aber man kann das bequem durch Fernrohre erkennen. Daß es solche gibt, scheinen die Bolschewisten nicht zu wissen ...
18. Juni
Die Frage Rußland wird immer undurchsichtiger. Unsere Gerüchtemacher arbeiten ausgezeichnet. Man kommt sich in all dem Wirrwarr fast so vor wie ein Eichkätzchen, das seine Nüsse so gut verborgen hat, daß es sie am Ende selbst nicht mehr wiederfindet ...
Der Führer ruft mich spät abends noch an: wann wir mit dem Druck beginnen können und wie lange 3 Mio Flugblätter gebrauchen. Sofort und Zeit eine Nacht. Wir fangen heute an ...
20. Juni
Aufruf des Führers an die Soldaten der Ostarmee gedruckt, verpackt, versandt. Muß aber nochmal neu gesetzt werden, da nicht gut aufgemacht". Nebenbei ersticke ich noch ein paar ganz tolle Gerüchte, die über Teile der Parteiführerschaft umlaufen ...
Es war ein heißer Tag in jeder Beziehung. Jetzt atme ich Frieden und kühlenden Abend ...
22. Juni
Um 3.30h beginnt der Angriff. 160 komplette Divisionen, 3000 km lange Angriffslinie... Alles steht gut. Größter Aufmarsch der Weltgeschichte. Der Führer ist von einem Albdruck befreit, je näher die Entscheidung kommt. Das ist immer so bei ihm. Er taut direkt auf. Alle Müdigkeit scheint von ihm gewichen. Wir spazieren 3 Stunden in seinem Salon auf und ab. Ich kann wieder mal einen tiefen Blick in sein Inneres tuen...
Draußen auf dem Wilhelmplatz ist alles still und leer. Berlin schläft, das Reich schläft ...
Die Sonne steht schon groß und schön am Himmel. Im Garten draußen zwitschern die Vögel. Ich falle ins Bett. Und schlafe 2 Stunden einen tiefen, gesunden Schlaf.
"Die Tagebücher von Joseph Goebbels". Herausgegeben von Elke Fröhlich im Auftrag des Instituts für Zeitgeschichte. K.G. Saur Verlag. München. Alle nicht besonders gekennzeichneten Zitate stammen von Goebbels. Untere Reihe: Hermann Göring, Minister ohne Portefeuille, Hitler, Franz von Papen, Vizekanzler; obere Reihe: Franz Seldte, Arbeit, Günther Gereke, Reichskommissar für Arbeitsbeschaffung, Johann Ludwig Graf Schwerin von Krosigk, Finanzen, Wilhelm Frick, Innen, Werner von Blomberg, Reichwehr, Alfred Hugenberg, Wirtschaft. Ausgebrannter Plenarsaal. Mit Ehefrau Magda Goebbels und der Schauspielerin Anny Ondra, Ehefrau des Boxers Max Schmeling, während der Übertragung des Kampfes Schmeling - Joe Louis. Oben: mit Goebbels'' Mutter, Tochter Helga und Schwester Maria; unten: mit Schauspieler Gustav Fröhlich, 1936. Hans-Ulrich Thamer: "Verführung und Gewalt - Deutschland 1933 - 1945". Siedler Verlag, Berlin 1986. Auf dem Presseball in Berlin. Festgenommene Juden in Baden-Baden. Goebbels-Ehefrau (2. v. r.), General Hans Krebs, letzter Generalstabschef des Heeres (3. v. r.), Goebbels-Kinder, Goebbels (auf der Bahre, l.) im "Führerbunker". Mit Vizekanzler von Papen am "Tag von Potsdam". Vor Moskau.
Von Wolfgang Malanowski

DER SPIEGEL 39/1987
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