07.12.1987

Heinrichjosef „Heiner“ Geißler

Heinrichjosef "Heiner" Geißler, 57, CDU-Generalsekretär und passionierter Bergsteiger, holte sich vor seinem jüngsten Besuch in Chile einen Vorgeschmack auf ein für nächstes Jahr geplantes Abenteuer. Er reiste auf dem Landweg von Argentinien quer durch die Anden ins Pinochet-Land. Um unterwegs einen Blick auf den Aconcagua, mit 6956 Meter höchster Berg des amerikanischen Kontinents, werfen zu können. Im Dezember 1988 will er den Aconcagua gemeinsam mit seinen Söhnen über die besonders schwierige 3000 Meter hohe Südwand bezwingen. Für die Expedition sind drei Wochen eingeplant, hinreichend Zeit zum Eingewöhnen in der dünnen Höhenluft, zum Heranschaffen der Ausrüstung mit Maultieren in das Basislager in 4000 Meter Höhe und zum Aufbau der Seilstrecken bis 6000 Meter. Bei Puente del Inca ließ Geißler seinen Geländewagen halten und besuchte den Bergsteigerfriedhof im Schotter am Straßenrand (Photo). Dort liegen mehr als 50 Opfer des Aconcagua, darunter zahlreiche Deutsche. Geißler während des Rundgangs: "In der Todeszone ab 6000 Meter muß man schnell hoch, sonst ist man hin. Alles hängt von der Kondition ab." Die hat der Christdemokrat: Beim Zwischenstopp in Buenos Aires rannte er eine Dreiviertelstunde in solchem Tempo durch einen Park, daß ihm sein durchtrainierter Sicherheitsbegleiter kaum folgen konnte. In den Anden stapfte er erst drei Stunden ein Hochtal hinauf. Mit dem Ausblick auf den Bergriesen immer noch nicht zufrieden, kletterte er danach noch mal drei Stunden über Felsrücken und Geröllhalden und bewältigte dabei auf 3900 Meter 800 steile Höhenmeter. In Chile schließlich bewegte ihn besonders das Schicksal der deutschstämmigen Karin Eitel, die, seit zwei Monaten als Freundin des Entführers eines ranghohen Militärs in Einzelhaft, von Pinochet-Schergen "wüst gefoltert" (Geißler) wurde. Karin Eitel war Mitglied einer Frauengruppe, die als erste den Aconcagua bezwang.

DER SPIEGEL 50/1987
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