27.07.1987

USA: „Lug und Betrug“

Der Auftritt von Außenminister George Shultz bei den Iran-Contra-Hearings geriet zu einer Anklage aber auch einem Eingeständnis eigener Ohnmacht. "Niemand sollte glauben", so faßte er die Aussagen seiner Vorgänger im Zeugenstand zusammen, "daß Lug und Betrug Voraussetzung für ein öffentliches Amt oder für die Arbeit im Auswärtigen Dienst sind." Gnadenlos rechnete Shultz mit Ex-Sicherheitsberater John Poindexter, dessen Gehilfen Oliver North und dem verstorbenen CIA-Chef William Casey ab. Deren Pläne und Aktionen zur Befreiung von Geiseln durch Waffenlieferungen an den Iran seien "verschroben" oder schlicht "verrückt" gewesen. Shultz fällte ein vernichtendes Urteil über den außenpolitischen Entscheidungsprozeß in der Reagan-Administration. Weit über die übliche Rivalität zwischen Außenministerium und Sicherheitsrat hinaus sei eine "erbitterte Schlacht" ausgetragen worden. Zuweilen habe er vom Weißen Haus nicht einmal ein Flugzeug für notwendige Reisen bekommen können. Immer wieder mußte Shultz auch einräumen, nicht unterrichtet gewesen zu sein. Peinlicher noch: Der Außenminister wurde auf Wunsch des Präsidenten von wichtigen außenpolitischen Entscheidungen ferngehalten. Insgesamt dreimal habe er "aus Frustration" seinen Rücktritt angeboten.

DER SPIEGEL 31/1987
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