04.01.1988

Betrug mit MX-Rakete

Von 30 interkontinentalen MX-Raketen, die bisher im amerikanischen Westen in unterirdischen Silos stationiert wurden, sind derzeit nur 18 einsatzbereit. Denn das aus 19 401 Bauteilen bestehende Navigations- und Kontrollsystem funktioniert nicht - wie offenbar noch vieles andere an der vermeintlichen Superrakete: Vergangenen Dienstag explodierte die erste Stufe einer MX nach dem Auffüllen mit Treibstoff, fünf Arbeiter wurden getötet. Schon seit dem Sommer ermitteln das Pentagon wie auch mehrere Kongreßausschüsse gegen den Northrop-Rüstungskonzern, der das elektronische Navigationssystem der MX herstellt. Vor dem Verteidigungsausschuß des Repräsentantenhauses beschuldigten Northrop-Mitarbeiter den Konzern unter anderem, regierungsamtliche Testvorgaben für Bauteile nicht eingehalten zu haben. Anfang 1986 seien außerdem bis zu 4700 Produktionsänderungen pro Woche angeordnet worden, was zu
Beschaffungsproblemen führte. Außerdem wurden Qualitätskontrollen umgangen und beschädigte Bauteile weiter verwendet. Unter solchen Umständen sei nicht auszuschließen, daß die amerikanische Luftwaffe versehentlich einen Atomschlag gegen das eigene Land führe, klagt der demokratische Kongreßabgeordnete Jim Cooper. Jetzt wollen Justizministerium und ehemalige Northrop-Angestellte den Konzern wegen Betrugs verklagen.

DER SPIEGEL 1/1988
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