18.01.1988

FRAGEN AN PIEKE BIERMANN

PIEKE BIERMANN, 37. Als Vorstandsmitglied der Berliner Prostituierten-Selbsthilfegruppe „Hydra“ gehört die feministische Autorin zu den Initiatoren des ersten „Hurenballs“ am 6. Februar im Berliner ICC.
SPIEGEL: Sie haben vergebens nach einer Schirmherrin gesucht. Wer hat abgesagt?
BIERMANN: Fürstin Gloria, Senta Berger, Inge Meysel. Rita Süssmuth hat eine symbolische Eintrittskarte mit hundert Mark Aufpreis gelöst.
SPIEGEL: "Hydra" hilft Prostituierten im Beruf wie beim Umstieg. Kommen auch Huren zum Ball?
BIERMANN: Sonst wäre es ja kein Hurenball.
SPIEGEL: Berlin - für eine Nacht ohne käufliche Liebe?
BIERMANN: Womöglich erlauben sich nicht alle 2500 offiziellen Kolleginnen die 150 Mark Eintritt.
SPIEGEL: Müssen Freier Wiedersehens-Szenen fürchten?
BIERMANN: Prostituierte sind diskret. Vielleicht läuft es ja umgekehrt, wenn sich Freier an diesem Abend mal befreien.
SPIEGEL: Paßt ein rauschendes Fest zum Kern des Problems - Ausbeutung und Gewalt?
BIERMANN: Nicht Ausbeutung und Gewalt, sondern gesellschaftliche Diskriminierung und Stigmatisierung sind das Problem. Deshalb ist so ein Fest überfällig.
SPIEGEL: Sie fürchten keinen leeren Saal wegen der Berührungsängste bei den "Soliden"?
BIERMANN: Warum? Viele unserer besten Kunden lesen SPIEGEL oder machen ihn.

DER SPIEGEL 3/1988
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