24.10.1988

Avantgardistische Objektkunst um zwölf Uhr mittags

Eine zehn Tonnen schwere Messingkugel entfaltet sich, verwandelt sich zunächst in gewaltige blütenblatt-ähnliche Formen, bevor sie sich endgültig reduziert zu einem Würfel. Die Metamorphose dauert knapp drei Minuten, findet computergesteuert um zwölf Uhr mittags statt. Abends geht alles wieder umgekehrt. Einen Steinwurf entfernt läuft ein anderes High-Tech-Spektakel, wenn die Spitze einer Pyramide in Zeitlupentempo abzuknicken scheint, metallene Flügel entfaltet und zu einer Art Flugobjekt wird. Zu solch "Archaisch Technologischen Metamorphosen" hat der 1953 in Belgien geborene Bildhauer und Objektkünstler Marc van den Broek eine eigene Philosophie über die Symbiose von Kunst, uralten Religionen und moderner Technologie. Für sein auf eine halbe Million Mark veranschlagtes Projekt, das in diesem Monat an der Flugsicherungsschule im hessischen Langen eingeweiht wurde, hat er über hundert Leute aus Wirtschaft und Technik eingespannt: von AEG-Dürr bis hin zu einem Computer-Spezialisten, der unter Millionen möglicher Punkte einer mathematischen Kurve den einen herausfand, von dem hydraulischer Gleit-Schub und Knickbewegungen zugleich ausgehen können.

DER SPIEGEL 43/1988
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