28.11.1988

FRAGEN AN FRIEDENSREICH HUNDERTWASSER

FRIEDENSREICH HUNDERTWASSER, 59. Weil sich Österreichs Verkehrsminister bei der Kfz-Kennzeichenreform für schwarze Buchstaben auf weißem Grund entschied, erklärte ihm der Maler den Krieg: Hundertwasser wollte den Österreichern mit einem eigenen Entwurf weiß auf schwarz ihre Individualität erhalten.
SPIEGEL: Sie haben einen Kennzeichenkrieg angekündigt. Ist das Ihr Ernst?
HUNDERTWASSER: Ja, leider, ich bin da hineingezogen worden. Eigentlich wollte ich nur gegen die Einführung der weißen Nummernschilder protestieren.
SPIEGEL: Warum dann Krieg?
HUNDERTWASSER: Obwohl ich nicht Auto fahre, sind mir diese Nummerntafeln doch ein liebgewordener Anblick. Ich empfinde Schwarz einer Kulturnation würdiger als Weiß.
SPIEGEL: Was stört Sie?
HUNDERTWASSER: Weiße Tafeln würden in Österreich als ein Akt des Anschlusses empfunden. Österreich darf nicht im Meer des weißen Blechs versinken, das uns umgibt.
SPIEGEL: Der Minister hält seine Schilder für sicherer.
HUNDERTWASSER: Mit hypothetischen Verkehrstoten zu jonglieren, um den Österreichern ein ausländisches Kennzeichen aufzuzwingen, das ist schlicht und einfach eine Sauerei.
SPIEGEL: Kapitulation kommt also für Sie nicht in Frage?
HUNDERTWASSER: Ich kann ja nicht nachgeben, denn ich weiß die Bevölkerung auf meiner Seite. In meinem Lager ist Österreich.

DER SPIEGEL 48/1988
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