06.06.2015

KunstskandaleDer Mond-Fälscher

Der Italiener Marino Massimo De Caro fälschte Galileis berühmten „Sternenboten“. Der vermeintliche Wert: zehn Millionen Dollar. Händler und Experten fielen auf ihn herein. Ein Besuch im Hausarrest. Von Ulrike Knöfel
Auf einer Anhöhe, am Rande von Verona, ein Haus aus dem 18. Jahrhundert. Die Morgensonne scheint auf den Vorplatz, auch auf die beiden BMW, die dort parken, einer schwarz, einer weiß, nun gut, der schwarze ist beschlagnahmt, aber einer reicht auch. Unter belaubten Zweigen ein Holzgestell mit Hängematte. Im ersten Stock steht das Fenster zur schattigen Rückseite weit offen. Gezwitscher, Frühlingsluft, bald auch Kaffeeduft. Nicht schlecht für ein Gefängnis.
Marino Massimo De Caro, ein Mann von 42 Jahren, sitzt hier, zu Hause, seine Strafe ab. Zu sieben Jahren Haft wurde er verurteilt, drei hat er hinter sich, nur das erste verbrachte er in einem echten Gefängnis, und dann saß er in diesem April noch für ein paar Tage ein. Auf die Frage, wie es ihm gehe, sagt De Caro: "Überhaupt nicht gut."
Das Herz, der Blutzuckerspiegel, gestern sei er wieder in der Notaufnahme gewesen. Dazu die Angstzustände, es gebe neue Prozesse, auch Schadensersatzforderungen in Millionenhöhe. Vor allem sei da die Sorge, wieder ins Gefängnis geschickt zu werden. Die Ärzte seien sich uneinig, alles könne passieren, "das ist eben Italien", sagt er.
De Caros Gattin Rossella sagt, für sie sei die ganze Situation sehr schmerzvoll. Auch De Caros Mutter Lucia ist anwesend, sie ist Historikerin, hat Bücher zur Geschichte der Frauen verfasst und ein Forschungszentrum geleitet, doch wen interessiert das noch? Sie sagt, ihr Mann, De Caros Vater, sei an der Sache zugrunde gegangen und vor einem Jahr an gebrochenem Herzen gestorben. Er habe nicht verkraftet, dass alle seinen Sohn, sein geliebtes Kind, als Monster darstellten. Er habe zwar einen Fehler gemacht, sagt sie, "nennen wir es ein Verbrechen", aber das sei keines, das diesen Hass rechtfertige.
De Caro hat jahrhundertealte Bücher gestohlen, weit über tausend. Abhandlungen des Astronomen Nikolaus Kopernikus und des Naturphilosophen und Mathematikers Johannes Kepler, die im 16. und 17. Jahrhundert unser heutiges Bild von der Welt entwarfen. Schriften des Universalgelehrten und Jesuiten Athanasius Kircher. Schätze der Menschheit, so etwas kann Zehntausende, Hunderttausende, manchmal Millionen Euro einbringen. Die meisten klaute er aus der Biblioteca dei Girolamini in Neapel, die er von 2011 an als Direktor geleitet hatte. Er will es nur gut gemeint haben, er habe Geld für die Rettung der anderen Bücher beschaffen wollen.
Ende 2013 erfuhr die Öffentlichkeit, dass dieser De Caro außerdem verantwortlich sein soll für eine bemerkenswerte Fälschung: für die Nachahmung einer gedruckten 60-Seiten-Schrift von Galileo Galilei aus dem Jahr 1610. De Caro sagt, er bevorzuge den Ausdruck Reproduktion, er nennt das Buch auch "mein Kind". Seine Fassung war noch besser als jedes der erhaltenen echten Exemplare, sie schien von Galileis Hand signiert und illustriert.
Bedeutende Experten fielen darauf herein, Forscher aus Padua, Princeton, allen voran der deutsche Kunsthistoriker Horst Bredekamp aus Berlin. Fast wirken die Illustrationen so, als hätte jemand damit antworten wollen auf Bredekamps These, die besagt, dass die Moderne, die Aufklärung nicht allein ein Werk der Wissenschaft sind, sondern auch eines der Kunst, dass Verstehen ohne Abbilden unmöglich ist. De Caro sagt, er bewundere Bredekamp, er sei einer der Besten seines Fachs: "Ich bete ihn an."
Bredekamp, der gerade zu den Gründungsdirektoren im wiederentstehenden Berliner Stadtschloss ernannt wurde, hat einige Zeit gebraucht, bis er die Schmach, auch die Angriffe einiger Kollegen, verwunden hatte. Abgeschlossen ist die Sache noch nicht, für keinen. Wie eine dunkle Wolke hängt sie über der Wissenschaft, auch über dem Handel mit alten Büchern, über dieser feinen und oft verdächtig verschwiegenen Welt der Antiquariate, der Messen und Auktionshäuser. De Caro jedenfalls findet, noch sei die Wahrheit nicht bekannt, und er will bei allem Stolz darauf, dass er viele blenden und sich wie ein Genie fühlen konnte, nicht die ganze Verantwortung übernehmen. Andere hätten ihm Tipps für die Fälschung gegeben, andere an ihr verdienen wollen, andere hätten auch vom Diebstahl profitieren wollen. "Folgt einfach der Spur des Geldes", sagt er.
Im Vergleich zu Gemälden wirken historische Buchdrucke eher spröde, fast unscheinbar. Altes, oft fleckiges Papier, grobe Lettern. Aber sie verkörpern die Unsterblichkeit der Gedanken. Sie werden gekauft von Leuten, die bibliophil sind, aber auch von vermögenden Menschen, die nicht wissen, in was sie ihr Geld noch investieren sollen. Wobei De Caro das bestreitet, er sagt, die Neureichen legten ihr Geld in moderner Kunst an – aber doch nicht in Büchern!
Wie auch immer, in dieser Welt gibt es Leute, die mit alten Büchern viel Geld verdienen wollen, und wenn die Ware knapp wird, muss man nachhelfen.
De Caro führt in ein Eckzimmer, in sein Büro. Ein Regal ist ausschließlich mit Publikationen zu Galileo Galilei gefüllt, der 1610 mithilfe eines selbst gebauten Teleskops unter anderem herausfand, wie der Mond wirklich aussieht, nämlich nicht glatt, sondern uneben. Galilei wollte seine Erkenntnisse schnell veröffentlichen, niemand sollte ihm zuvorkommen. Das Werk, im Grunde ein dickeres Heft, wurde in Eile gedruckt. Es trägt den lateinischen Titel "Sidereus Nuncius", zu Deutsch: "Sternenbote". Die meisten erhaltenen Exemplare sind mit gedruckten Abbildungen der Mondphasen illustriert.
De Caro meint, man müsse in eine gute Fälschung unbedingt Besonderheiten einbauen, mit denen niemand rechne, um davon abzulenken, dass andere Dinge nicht stimmig seien. Sein "Sternenbote" steckt in einem historischen Einband. Im Papier schimmern altertümlich wirkende Wasserzeichen; niemand kam auf die Idee, auch nur einen Schnipsel ins Labor zu schicken, zu groß war die Ehrfurcht. Dann waren da noch die Unterschrift Galileis und vor allem getuschte Aquarellskizzen, lauter zarte Ansichten vom Mond. Kein anderes bekanntes Exemplar besitzt solche Zeichnungen. Eine Sensation. De Caro hatte Leute, die das für ihn machten. Er betont aber seine Leistung als Mastermind dieser Kopie, er will, dass man ihn als Meisterfälscher sieht. Man braucht, um so etwas herzustellen, immerhin viele Kenntnisse.
Vor zehn Jahren kam die Fälschung auf den Markt. De Caro war Anfang dreißig. Er handelte mit Büchern, viele in der Branche kannten seinen Namen, er besorgte Werke, die kein anderer auftreiben konnte. Er hielt sich viel in Südamerika auf, vor allem in Argentinien, und es schien nicht abwegig, dass dort noch Funde zu machen seien. Selbst mit dem Vatikan hat er Büchergeschäfte getätigt – Geschäfte, von denen vor allem er selbst profitierte, nicht der Kirchenstaat.
Er war der Dealer einer süchtigen Branche. De Caro knüpfte dort wichtige Kontakte, er mag einflussreiche Leute, und sie mögen ihn. Als er wegen einer anderen Fälschung beinahe aufgeflogen wäre, zog er sich – so schien es zumindest – aus dem Handel mit Büchern zurück. Vielleicht hatte ihm jemand dazu geraten. Jedenfalls nutzte er seine Verbindungen und wechselte in die Energiewirtschaft: Ein russischer Oligarch stellte ihn für eine seiner italienischen Unterfirmen ein und machte ihn zum Vizepräsidenten. Dann berichtete die Presse von einem Bestechungsskandal, De Caros Name fiel, auch der seines Schwagers sowie der eines Freundes, nämlich des damaligen Senators Marcello Dell'Utri. Alles Falschmeldungen, der Prozess sei eingestellt worden, sagt De Caro. Seiner Darstellung zufolge soll Geld an Dell'Utri nur für ein seltenes Buch geflossen sein.
Dell'Utri, 73 Jahre alt und ein guter Bekannter Berlusconis, sitzt seit einiger Zeit im Gefängnis, weil er von seiner Nähe zur Mafia profitiert haben soll. Inszeniert hatte er sich stets als größter Büchernarr des Landes, und schon deshalb hatte er viel mit De Caro zu tun. Jetzt wurde öffentlich, dass ein Großteil seiner privaten Bibliotheken aus zusammengeklauter Ware bestand. De Caro bestreitet nicht, ein paar historische Bände aus der Bibliothek in Neapel für ihn abgezweigt zu haben, alle anderen Büchergeschäfte mit dem Politiker seien aber sauber gewesen. Im Übrigen betrachte er ihn "noch als Freund".
Dell'Utri muss in all den Jahren so etwas wie De Caros Schutzengel gewesen sein, und es war die Zeit Berlusconis, vieles war möglich. Als sich beispielsweise der Oligarch von De Caro trennte, kam der als Berater im Landwirtschaftsministerium unter. Als der Agrarminister zum Kulturminister wurde, wechselte De Caro mit. Dass dieser Exminister mittlerweile wegen Korruption verurteilt worden ist, mag eine andere Geschichte sein. Die Stelle im Ministerium ermöglichte De Caro auf jeden Fall den Zugang zu den besten Bibliotheken des Landes. Im vergangenen Jahr wurde er dafür verurteilt, unter anderem auch in Florenz Bücher gestohlen zu haben. Er sagt, er kämpfe gegen das Urteil an, denn in der Bibliothek sei der Direktor immer an seiner Seite gewesen: "Wie hätte ich da 30 Bücher klauen sollen?"
Als er selbst 2011 Direktor der mehr als 400 Jahre alten Bibliothek in Neapel wurde, hatte er leichtes Spiel. Nachts sei er in die Bibliothek gegangen, sagt De Caro, er habe sich auf den Fußboden gelegt und die alten Holzregale voller Bücher, die Deckenmalereien, den Stuck bewundert. Andere behaupten, gerade nachts seien die Bücher herausgetragen worden, von ihm und von seinen argentinischen und ukrainischen Kumpanen. Etliche sind verurteilt worden, selbst ein Ordensbruder hängt mit drin. "Alles Unschuldige", sagt De Caro. Unschuldig sei, so sagt er, auch der Antiquar Herbert Schauer aus München.
Schauer wurde 2014 in Italien zu fünf Jahren Haft verurteilt, weil er Hunderte der Bücher aus Neapel bezogen hatte, und zwar gegen eine hohe Abschlagszahlung. Er hatte da schon ein Jahr in Untersuchungshaft hinter sich gehabt, jetzt ist er wieder zurück in Deutschland. In Kürze soll in Italien sein Berufungsverfahren beginnen, er klingt verbittert, nervös, und er beteuert, De Caro nicht gekannt zu haben, auch nichts geahnt zu haben. Die Werke seien von einem anderen Anbieter eingeliefert worden, und der sei ein geachteter Händler gewesen, ein Mitglied der "International League of Antiquarian Booksellers". Ja, sagt De Caro an diesem Tag, es gebe doch den Mitschnitt eines Telefonats, der beweise, was Schauer behaupte.
Was ist von einer Branche zu halten, in der angeblich alle größten Wert auf Seriosität legen, in der sich aber in Wahrheit alle gegenseitig hereinlegen? De Caro jedenfalls konnte sich lange darauf verlassen, dass nichts ans Licht kommt. Die Händler sprechen nicht gern über ihre Kontaktleute, ihre Quellen, über ihre merkwürdigen Deals.
Im Mai 2005 war De Caro mit einem Geschäftsfreund nach New York geflogen. Sie suchten den renommierten Antiquar Richard Lan auf und präsentierten ihm Galileis außergewöhnlichen "Sternenboten" mit den bislang unbekannten Illustrationen. Lan kaufte, wobei De Caros mitgereister Kollege Filippo Rotundo nichts von einer Fälschung gewusst haben und bei dem Verkauf auch kein Geld erhalten haben will. Er habe sich überhaupt nicht in der Sache engagiert. Das sagt Rotundo gegenüber dem SPIEGEL, aber er erwähnt auch eine Abmachung mit dem Händler, der zufolge er, Rotundo, bei einem baldigen Wiederverkauf mit zehn Prozent am Gewinn beteiligt worden wäre.
Bald darauf sei ihm klar geworden, dass De Caro ein Fälscher sei oder wenigstens mit Fälschungen gehandelt habe, sagt Rotundo. Denn er hatte ein anderes Buch, das ihm De Caro geliefert hatte, an einen Händler in Boston weiterverkauft, dort wurde es als Kopie identifiziert. Er, Rotundo, habe dem Kollegen in Boston das Geld zurückgezahlt und auch den Händler Richard Lan in New York informiert, der viele Geschäfte mit De Caro machte. Welche Rolle Rotundo auch wirklich spielte – die entscheidende Figur für die Aufklärung darüber, was damals im Mai 2005 in New York wirklich passierte, welches Wissen dann über De Caro kursierte, ist eben der berühmte New Yorker Antiquar Richard Lan, der die Fragen des SPIEGEL aber nicht beantwortet.
Lan stieß damals auf einen Experten in Berlin, auf den Kunsthistoriker Bredekamp, der in dem Buch ein Original zu erkennen glaubte und annahm, Galileo Galilei habe selbst die Mondaquarelle getuscht. In der Fachwelt sah es beinahe so aus, als wäre dieser wie aus dem Nichts aufgetauchte "Sternenbote" eine Entdeckung Bredekamps. Seine Begeisterung war echt und überbordend, groß war auch die Aufmerksamkeit, die ihm das alles einbrachte. Er und all die anderen renommierten Kollegen, die er um sich versammelte, veröffentlichten 2011 eine zweibändige Studie. Fazit: alles original. Der alte Band wäre wohl zehn Millionen Dollar wert gewesen.
Zwischendurch, 2009, hatte ein Harvardprofessor Zweifel an der Echtheit geäußert. Doch erst der britische Wissenschaftshistoriker Nick Wilding, der an einer kleineren Universität in den USA lehrt, entlarvte das Werk 2012 endgültig als Fälschung. Ende 2013 erfuhr eine größere Öffentlichkeit von dem Fall. Wilding hält De Caros "Sternenboten" nicht einmal für eine besonders gute Fälschung, das sagt er am Telefon. In der kommenden Woche bringt die französische Nationalbibliothek sein eigenes Buch dazu heraus. Es fällt in Bezug auf De Caro der Begriff "organisiertes Verbrechen". Wilding glaubt, dass De Caro oder das "Team, das dieses Buch konzipierte und produzierte", viel mehr Fälschungen produziert habe, vielleicht hätten für einige sogar die vom Vatikan erworbenen Bücher als Vorlage gedient.
De Caro sagt an diesem sonnigen Tag in Verona, Wilding habe seiner Fälschung angebliche Fehler nachgewiesen, die gar keine seien. "Dieser Wissenschaftler ist nicht ehrlich in seiner Arbeit, auch wenn es seltsam klingt, dass ich das sage."
Als Kind war De Caro – so erzählt er es an dem kleinen runden Tisch in seinem Wohnzimmer – fasziniert von einer Fälscheraffäre. Studenten hatten 1984 eine Büste im Stile Amedeo Modiglianis gemeißelt, sie in einen Kanal in Livorno geworfen und wieder herausgefischt. Alle glaubten, es handle sich um ein Original, die Weltpresse reiste an. Er habe, sagt De Caro, es den Studenten gleichtun wollen, nur eben mit einem Buch.
Das Buch, sein "Kind". Ein Restaurator in Argentinien habe die Aquarelle für den falschen "Sternenboten" getuscht, aber nach De Caros Skizzen. Er selbst habe einen alten Kohlestift in die Hand genommen und damit herumgestrichelt. 150 000 Dollar habe ihn die Herstellung der Fälschung gekostet, 150 000 Dollar habe er später für das Buch erhalten, das Geld sei auf ein Schweizer Nummernkonto geflossen. "Damit war ich aus der Sache raus, ich habe nicht daran verdient." Es klingt, als sei es wirklich nur ein Streich gewesen.
Kopien anderer Bücher habe er nur hergestellt, um sich "vorzubereiten", zu üben also. Fünfmal will er Galileis "Compasso" gefälscht haben, eine Abhandlung über dessen Weiterentwicklung des Zirkels. Eine davon war jenes Buch, das nach Boston gelangte. Gekauft hat es der Antiquar Martin Weinkle, Gründer der Firma Buddenbrooks. Weinkle sagt, auch dieses Werk wäre, wenn es sich als authentisch herausgestellt hätte, eine Sensation gewesen. So selten, so kostbar. Ein paar Kleinigkeiten aber hätten es verraten.
Auch vom "Sternenboten" produzierte De Caro mehr als nur ein Exemplar, eher fünf, die anderen aber ohne Zeichnungen. Die Druckplatten will er weitergereicht haben, er nennt sogar einen Namen. Der Abnehmer und dessen Kompagnon seien auch Kunden gewesen für die geklauten Bücher aus der Bibliothek in Neapel, er legt ihre Kataloge aus dem Jahr 2013 vor.
Mehr Fälschungen will De Caro übrigens nicht zugeben, mit großer Geste streitet er ab, noch schuldiger zu sein.
Wer also ist De Caro wirklich? Ein Kind zweier Akademiker, der Vater zudem ein Gewerkschaftsfunktionär, er selbst brach das Jurastudium ab, wurde ein Mann mit Geltungsdrang. Das Wissen über Galilei, das er sich aneignete, hat er genutzt, um ein Fachbuch über diese historische Persönlichkeit zu schreiben.
In Italien sehen ihn viele als einen typischen Vertreter des Berlusconismus. "Allora", sagt er, das sei der wahre Grund, weshalb man ihn so verdamme. Übrigens sei er Berlusconi nie persönlich begegnet. De Caros Frau bringt einen Teller mit Sandwiches, sie ist bei einer staatlichen Rentenkasse angestellt. De Caro ist in Fahrt, will weder essen noch trinken. Er redet, springt vom Stuhl auf, führt seine Besucher in ein Kaminzimmer und dort an einen langen Tisch, auf dem er Dokumente ausbreitet. Er sei kein Mafioso, und er habe nie Leute bedroht. Ein Kunstgeschichtsprofessor aus Neapel soll das behauptet haben. De Caro drückt nun auf die Tastatur seines Laptops, spielt den Mitschnitt eines Telefonats vor, das er mit diesem Professor geführt hat. Er zeigt auch ein Video, von dem er sagt, die Carabinieri hätten es in der Bibliothek in Neapel aufgenommen, man sehe ja, er habe das alles dort nicht so herunterkommen lassen, wie ihm gerade in einem neuen Prozess vorgeworfen werde. Übrigens seien in der Bibliothek schon früher – vor seinem Amtsantritt – viele Bücher verschwunden.
Seine Botschaft ist klar: Er sei der Sündenbock, es gebe andere, die Schlimmeres getan hätten, die aber niemand belange. Wegen der Fälschung des "Sternenboten" habe ihn übrigens nie jemand angezeigt. "Warum ist das wohl so?", fragt er und lächelt.
Sein "Sternenbote" liegt – und das hat Bredekamp so arrangiert – im Berliner Kupferstichkabinett. Im Herbst soll das Buch in einer Ausstellung über Fälschungen zu sehen sein. ■
Von Ulrike Knöfel

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