13.06.2015

BriefeWo bleibt die Empfehlung?

Nr. 24/2015 Terror im Kopf – wie die Angst vor Attentaten unsere Freiheit frisst
"Der Tag, an dem wir zum ersten Mal aus Angst vor Verfolgung und Repressalien nicht mehr am öffentlichen Leben teilnehmen, ist der Tag, an dem die Terroristen gewonnen haben."
Kai Rohrbacher, Hünenberg (Schweiz)
Die Latte der Sicherheitserwartungen wird immer höher gelegt, und die Schwelle, Überwachungsmaßnahmen anzuwenden, sinkt. Schon Präsident Roosevelt hat 1933 gesagt: "The only thing we have to fear is fear itself."
Alan Benson, Berlin
Ein Staat, der sich vom Geist der Freiheit abwendet, würde immer ein Werturteil bedeuten. Eine hundertprozentige Sicherheit könnte dieser Polizeistaat aber auch nicht gewährleisten.
Bernhard Feghelm, Würzburg
So plastisch, wie Sie die Angst vor möglichen Anschlägen schildern, so frappierend ist die fehlende Erwähnung des selbst ernannten christlichen Kreuzritters Anders Breivik. Auf diese Weise wird ein Bild gezeichnet, das der Öffentlichkeit eine Einheit der Begriffe "Islam" und "Terror" suggeriert. Die diffuse Angst, die Sie als Hauptziel der Terroristen benennen, wird auf diese Weise auch von einem Teil der Medien und der Gesellschaft geschürt und trägt dazu bei, bestimmte Bevölkerungsgruppen kollektiv auszugrenzen.
Simon Wasner, Karlsruhe
Sie wünschen sich eine Gesellschaft, die sich ohne Druck von außen darüber verständigt, wie sie Freiheit und Sicherheit austarieren will. Das Bildungssystem klammert eine ergebnisoffene Auseinandersetzung weitgehend aus. Sicherheit wird regelmäßig negativ bewertet. Besser wäre es hier, die individuellen und gesellschaftlichen Anliegen zu sehen und auf eine gerechte Sicherheitsordnung abzuzielen.
Dr. Hans-Joachim Reeb, Wennigsen (Nieders.)
Der Status quo wird treffend beschrieben. Aber wo bleibt die Empfehlung? Wenn das Ringen um die Freiheit auf den Schultern Einzelner lastet, ohne dass der einzelne Mitbürger in die Pflicht genommen wird, befinden Sie sich zwar in guter Gesellschaft. Das Sankt-Florians-Prinzip wird aber der gesamtgesellschaftlichen Verantwortung nicht gerecht. Nicht auszudenken, es wäre zu einem Anschlag beim privaten Frankfurter Rennen gekommen. Da hätte es sicherlich Stimmen gegeben, die zum Fazit "selbst schuld!" gelangt wären.
Timo Mauch, München
Terrorismusabwehr, sofern tatsächlich notwendig, ja, aber mit Maß und Ziel und ohne Angsterzeugung und Panikmache.
Helmut Herrmann, Bad Staffelstein (Bayern)
Heute geht die größte Bedrohung der Freiheit von der NSA mit ihrem fanatischen und totalitären Überwachungswahnsinn aus, der alle unter Generalverdacht stellt.
Thomas Foltz, Mainz
Anscheinend muss immer wieder mit Nachdruck darauf hingewiesen werden, dass nach demokratischem und rechtsstaatlichem Verständnis nicht der Bürger dem Staat zu erklären hat, dass er nichts zu verbergen hat, sondern dass der Staat von der Unschuldsvermutung gegenüber seinen Bürgern auszugehen hat.
Uwe Jakobs, Geestland (Nieders.)
Ein dringend nötiger Titel. Wieder einmal zeigt sich die Lebensferne unserer Politiker: Weil sie selber der Totalüberwachung der Medien ausgeliefert sind, empfinden sie ihre Maßnahmen nicht mehr als Einschränkung der Freiheit. Ich schon!
Peer Volland, Geisenheim (Hessen)
Milliarden werden ausgegeben, um uns vor den Risiken des Terrorismus zu schützen. Leben vor Lampedusa zu retten ist uns keinen Pfifferling wert. Welch eine Moral!
Alexander Koerdt, Stansstad (Schweiz)

DER SPIEGEL 25/2015
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