13.06.2015

StilkritikVorwärtsverteidigungsministerin

Ursula von der Leyens Auftritt in den „Tagesthemen“
Blaue Bluse, blauer Blazer, Stahlfrisur, Ursula von der Leyen ist bereit. Dienstagabend, "Tagesthemen", es könnte ein schwieriger Auftritt werden. Nach monatelangen Berichten über peinliche Pannen bei der Ausrüstung der Bundeswehr präsentiert die Verteidigungsministerin ein neues, milliardenschweres Rüstungsprojekt. Wer bitte soll glauben, dass das neue Luftverteidigungssystem Meads je funktionieren wird? Wer soll glauben, dass die Kosten überschaubar bleiben? Leichtes Spiel für Moderator Thomas Roth. Er beginnt mit freundlicher Skepsis, die er wohl später noch zu steigern beabsichtigt. Aber er wird dazu kaum Gelegenheit bekommen. Denn die Ministerin nimmt ihm die Sache aus der Hand. Kritik? "Ich bin Ihnen dankbar, dass Sie das anführen." Hatte er von Problemen gesprochen? Das kann sie kritischer: "Denn genau die Themen, die Sie eben genannt haben – und das sind noch nicht alle Probleme –, haben wir aufgearbeitet." Jede Nachfrage, die der staunende Herr Roth, den man aus dem Off mehrmals leise stöhnen oder zustimmend atmen hört, vorbereitet haben mag, hat sie sich längst selbst gestellt. Sie beruft sich auf "externe Hilfe", nennt die Kontrollen "eisern und sauber", erläutert geplante Meilensteine, an denen man jederzeit abbiegen könne. Einmal führt ihr Übereifer zu offenem Unsinn: "Wir sagen von Anfang an, dass es teurer wird." Teurer als was? Teurer als immer? In jedem Fall teurer als geplant? So ist man natürlich immer vorn. Im Rennen zwischen Hase und Igel winkt der Igel von der Leyen kühl lächelnd schon aus der Zielfurche, bevor der Hase überhaupt losgelaufen ist. Das ist überwältigend und etwas penetrant. Sogar getröstet werden wir: "Ich weiß, dass diese Themen nicht schön sind", entschuldigt sie sich. Aber es müsse sein, erklärt sie. Wie eine Schutzglocke werde sich das neue System über unsere Städte wölben. Und solange es noch nicht fertig ist, liegt über dem ganzen Land ihre schützende Hand.
Von Volker Weidermann

DER SPIEGEL 25/2015
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