13.06.2015

Öffentlich-Rechtliche„Nicht plötzlich hip und flippig“

US-Korrespondentin Tina Hassel, 51, über ihre künftige Aufgabe als Leiterin des ARD-Hauptstadtstudios
SPIEGEL: Sie haben drei Jahre lang für die ARD aus den USA berichtet. Was bringen Sie am 1. Juli von dort mit?
Hassel: Zum einen die Art, Interviews zu führen. Amerikaner sind sehr viel direkter, als wir es manchmal sind. Sie fragen ohne Schnörkel und haken da nach, wo es wehtut; das liegt mir. Und zum anderen eine stärkere Nutzung von Social Media.
SPIEGEL: Müssen Ihre Mitarbeiter also künftig alle twittern?
Hassel: Das klingt so negativ. In Amerika stellt sich die Frage gar nicht, man macht es einfach. Ich werde niemanden mit vorgehaltener Waffe zum Twittern verpflichten. Aber wer es versuchen will, den unterstütze ich. Es ist ein gutes Mittel, um Menschen für Politik zu begeistern.
SPIEGEL: Eine tief gehende Debatte werden Sie auf Twitter aber kaum führen können.
Hassel: Sagen wir es mal so: Twitter ist die Einladung zum Essen. Ans Buffet lassen wir die Zuschauer dann bei uns im Ersten. Ich kann mir gut vorstellen, dass ich vor einem Interview mit der Kanzlerin meine Follower frage, was sie von ihr wissen wollen, um dann das Wichtigste davon in das Gespräch einzubringen.
Hassel: Sie übernehmen von Ihrem Vorgänger Ulrich Deppendorf auch den "Bericht aus Berlin". Wie wollen Sie die Sendung aufmöbeln?
Hassel: Die Sendung ist eine Institution, aber auch unter Ulrich Deppendorf hat sie sich ständig weiterentwickelt. Mich nerven Verjüngungsansätze, wenn sie nur auf das Alter zielen. Der "Bericht aus Berlin" wird bestimmt nicht plötzlich hip und flippig werden, aber ich will ihn behutsam verändern. Wir werden die Festung Studio hin und wieder verlassen und raus zu den Menschen gehen. Und ich will die Auswahl der Gäste noch flexibler gestalten. Ich finde, die können auch mal aus der zweiten oder dritten Reihe stammen. Warum soll man immer nur die Showpferde zeigen, aber nie Arbeitspferde?
SPIEGEL: Sie werden also nicht Sigmar Gabriel einladen, sondern eher seinen Referenten?
Hassel: Natürlich wollen wir weiterhin die politische A-Riege vor der Kamera haben, sonst heißt es: Kriegt die Hassel die großen Namen nicht mehr? Aber bei mir ist auch jemand willkommen, der keine drei Sterne auf der Schulterklappe hat, sondern vielleicht nur einen. Hauptsache, er hat etwas Spannendes zu sagen.
Von Akü

DER SPIEGEL 25/2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


DER SPIEGEL 25/2015
Titelbild
Der digitale SPIEGEL
Diese Ausgabe jetzt digital lesen

Die digitale Welt der Nachrichten. Mit interaktiven Grafiken, spannenden Videos und beeindruckenden 3-D-Modellen.
Sie lesen die neue Ausgabe noch vor Erscheinen der Print-Ausgabe, schon freitags ab 18 Uhr.
Einmal anmelden, auf jedem Gerät lesen - auch offline. Optimiert für Windows 8, Android, iPad, iPhone, Kindle Fire, BlackBerry Z10 sowie für PC/Mac.

Abo-Angebote

Den SPIEGEL lesen oder verschenken und Vorteile sichern!

Jetzt Abo sichern
Ältere SPIEGEL-Ausgaben

Kostenloses Archiv:
Stöbern Sie im kompletten SPIEGEL-Archiv seit
1947 – bis auf die vergangenen zwölf Monate kostenlos für Sie.

Wollen Sie ältere SPIEGEL-Ausgaben bestellen?
Hier erhalten Sie Ausgaben, die älter als drei Jahre sind.

Artikel als PDF
Artikel als PDF ansehen

Öffentlich-Rechtliche:
„Nicht plötzlich hip und flippig“