13.06.2015

Schwabinger Kunstschatz„Ein guter Restaurator“

Der Leiter des Düsseldorfer Stadtarchivs, Benedikt Mauer, 45, über neu entdeckte Akten zur Biografie des verstorbenen Kunstsammlers Cornelius Gurlitt

SPIEGEL: Herr Mauer, über das Leben von Cornelius Gurlitt, dem Hüter des sogenannten Schwabinger Kunstschatzes, ist nur wenig bekannt. Jetzt fand sich in Ihrem Archiv eine Personalakte Gurlitts. Was geht aus der Akte hervor?
Mauer: Sie enthält einen von Gurlitt selbst verfassten Lebenslauf. Demnach besuchte er Schulen in Hamburg, Dresden, Franken und im Odenwald und machte 1953 in Düsseldorf sein Abitur. Danach studierte er Philosophie, Kunst- und Musikgeschichte an der Uni Köln. Er wollte Kunsthistoriker werden wie sein Vater und sein Großvater. Das Studium hat er nie abgeschlossen.
SPIEGEL: Hat Gurlitt einen Beruf erlernt?
Mauer: Parallel zu seinem Studium begann er ab 1953 eine Ausbildung zum Gemälderestaurator am Düsseldorfer Kunstmuseum. Er muss ein guter Restaurator gewesen sein: In einem Arbeitszeugnis wird ihm Geduld, Gewissenhaftigkeit und "künstlerisches Einfühlungsvermögen in hohem Maße" bescheinigt.
SPIEGEL: Wie lange hat Gurlitt als Restaurator gearbeitet?
Mauer: In unseren Unterlagen, über die ich auch im Düsseldorfer Jahrbuch 2015 berichtet habe, finden sich zwei Werkverträge. Demnach hat er 1959 und 1960 als Werkstudent in Düsseldorf gearbeitet – für 450 Mark Monatslohn. Deswegen auch eine Personalakte.
SPIEGEL: Welche Werke hat Gurlitt restauriert?
Mauer: Das muss noch genauer erforscht werden. In den Unterlagen finden sich Hinweise auf Gemälde von Rembrandt, Vincent van Gogh und Caspar David Friedrich.
SPIEGEL: Warum gab Gurlitt seinen Beruf auf?
Mauer: Das geht aus den Akten nicht hervor. Im Januar 1960 war er zum letzten Mal als Werkstudent in Düsseldorf tätig, im selben Jahr exmatrikulierte er sich von der Uni Köln. Wenige Monate später meldete er sich beim Einwohnermeldeamt nach Salzburg ab.
SPIEGEL: Das war wenige Jahre nach dem Tod seines Vaters Hildebrand Gurlitt. Vielleicht brauchte der Erbe Cornelius Gurlitt keinen Beruf mehr?
Mauer: Als Begründung für seine Exmatrikulation gab er nur "Hochschulwechsel" an.
SPIEGEL: Ist Gurlitt je nach Düsseldorf zurückgekehrt?
Mauer: Im vergangenen Jahr wurde er im Grab seiner Eltern beigesetzt, auf dem Düsseldorfer Nordfriedhof.
Von Srö,

DER SPIEGEL 25/2015
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