18.07.2015

Exporte„Potenzial von zehn Milliarden Euro“

Wolfgang Büchele, 55, Chef des Gaseherstellers Linde und Vorsitzender der Nordafrika Mittelost Initiative der Deutschen Wirtschaft, über die Zukunftsaussichten auf dem iranischen Markt
SPIEGEL: Nach dem Atomabkommen hoffen deutsche Firmen auf Milliardenumsätze. Welche Branchen könnten besonders profitieren?
Büchele: Iran verfügt über riesige Erdöl- und Erdgasvorkommen. In diesem Bereich sehe ich deshalb den höchsten Investitionsbedarf. Davon könnten vor allem die deutschen Anlagen- und Maschinenbauer profitieren. Großes Potenzial besteht auch in der Modernisierung vorhandener Anlagen zur Förderung und Verarbeitung der Rohstoffe und im Infrastruktursektor. In einer späteren Phase eröffnen sich dann gute Chancen für deutsche Hersteller von Konsumgütern. Mittelfristig sehe ich ein Potenzial von zehn Milliarden Euro für die deutsche Wirtschaft.
SPIEGEL: Was erwarten Sie von den Banken?
Büchele: Wir reden in Iran über einen Investitionsbedarf im hohen zweistelligen Milliardenbereich. Westliche Unternehmen benötigen verlässliche Finanzierungsbedingungen, das heißt, auch westliche Banken müssen sich wieder verstärkt in der Exportfinanzierung engagieren. Und: Bei bereits begonnenen Projekten muss es einen Bestandsschutz geben, falls Iran gegen Auflagen verstößt und die Sanktionen zurückkehren.
SPIEGEL: Haben Sie überhaupt noch Kontakte, an die Sie anknüpfen können?
Büchele: Linde war jahrzehntelang ein wichtiger Handelspartner für eine Vielzahl iranischer Unternehmen und hat vor Ort große Projekte realisiert. Nachdem wir dort sämtliche Aktivitäten stoppen mussten, haben wir den Gesprächsfaden nie abreißen lassen, uns dabei aber immer an alle politischen Vorgaben gehalten. Jetzt hoffen wir auf eine schnelle Wiederbelebung alter Beziehungen.
SPIEGEL: Der US-Kongress muss dem Deal ja noch zustimmen ...
Büchele: Natürlich hoffen wir auf eine zeitnahe und erfolgreiche Prüfung des Abkommens durch den US-Kongress. Dann könnten die Sanktionen 2016 Zug um Zug aufgehoben werden. Wichtig ist, dass für alle Länder dieselben rechtlichen Rahmenbedingungen gelten und diese auch in Deutschland schnell umgesetzt werden. Verzögerungen würden zu einem Wettbewerbsnachteil für die deutsche Wirtschaft führen, das können wir uns nicht leisten.
Von Did

DER SPIEGEL 30/2015
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