26.07.1993

Terrorismus„Der Klaus war ein Zocker“

Der V-Mann Klaus Steinmetz, ein Anarcho mit bewegter Vergangenheit, soll nun, vier Wochen nach dem Debakel der Antiterror-Fahnder in Bad Kleinen, erstmals vernommen werden. Seine Agentenführer wußten offenbar auch nicht so genau, was ihr Superspitzel alles trieb.
Die Welt ist schlecht und ein Einbruch nichts Besonderes heutzutage. Hertha und Heinz Menk im rheinland-pfälzischen Ingelheim kannten das längst, ihr VW-Autohaus war immer wieder dran. Daß die Polizei allerdings die Diebstähle jedesmal mit bedauerndem Desinteresse aufnahm, daran konnten sich die Menks nie gewöhnen - sie sind schließlich Steuerzahler.
In der Nacht zum 18. Mai 1989 war alles anders. Über die Gegensprechanlage hatten die Menks unten in der Werkstatt wieder Einbrecher gehört. Diesmal war _(* Im August 1983 bei einer Protestaktion ) _(auf dem US-Flughafen Ramstein. ) die Polizeistreife ganz fix da: Die Ganoven, zwei junge Leute, wurden festgenommen. In ihrem Auto fand sich ein Gasrevolver.
Die Polizisten interessierten sich plötzlich für den Fall, als ginge es um ein Kapitalverbrechen. Gleich am nächsten Morgen sicherten mehrere Beamte sorgfältig alle Spuren, andere Polizisten präsentierten ein Dutzend Fotos zur Identifizierung - Bilder aus Autos oder hinter Büschen geschossen, wie bei einer Terroristenjagd.
Der Eifer der Polizei wurde später nur noch übertroffen von der Höflichkeit der Einbrecher. Unter dem "Betr. Einbruchsdiebstahl in Ihrer Firma" schrieb einer von ihnen zehn Monate später: _____" Wie Sie wissen, haben wir den Einbruch verübt und " _____" sind zu 18 Monaten Haft ohne Bewährung verurteilt worden " _____" . . . Jetzt, bevor wir in Haft kommen, können wir " _____" vielleicht noch etwas tun, den Ihnen entstandenen Schaden " _____" wiedergutzumachen. Bitte teilen Sie uns Ihre Forderungen " _____" mit, wir versuchen dann, entsprechend unserer " _____" finanziellen Möglichkeiten zu einer für beide Seiten " _____" akzeptablen Lösung zu kommen. "
Das war, dämmerte den Menks, kein gewöhnlicher Dieb. Unterzeichnet hatte das Schreiben "Hochachtungsvoll" ein Klaus Steinmetz, heute 33. Sein langjähriger Kumpan Gunther S. stand mit auf dem Briefkopf.
Beide Namen sind der autonomen Szene im Rhein-Main-Gebiet ein Begriff. Steinmetz, schon damals ein Zuträger des Mainzer Verfassungsschutzes, ist mittlerweile der bekannteste Anarcho der Republik: Er war an jenem verhängnisvollen Sonntag, dem 27. Juni, auf dem mecklenburgischen Provinzbahnhof von Bad Kleinen der dritte Mann, als die mutmaßliche Terroristin Birgit Hogefeld, 37, festgenommen wurde und ihr Komplize Wolfgang Grams, 40, durch einen aufgesetzten Kopfschuß ums Leben kam.
Wie sich der verpatzte Einsatz der Grenzschutzgruppe 9 (GSG 9) und des Bundeskriminalamts genau abgespielt hat und wie Grams getötet worden ist - das ist auch vier Wochen nach der Aktion, nach drei gerichtsmedizinischen Teilgutachten und nach drei Sondersitzungen von Bundestagsausschüssen noch immer nicht klar.
Inzwischen sind mehr als 100 Zeugen vernommen worden. Einer fehlt den _(* In den achtziger Jahren, mit ) _(Kommilitonen. ) Schweriner Staatsanwälten noch: Klaus Steinmetz, bisher einziger V-Mann in der 23 Jahre währenden Geschichte der Roten Armee Fraktion (RAF), der die Fahnder erstmals bis an den sogenannten harten Kern der Terrortruppe heranführen konnte.
Vorige Woche wurde Steinmetz, dessen Identität dem SPIEGEL seit zwei Wochen bekannt war, von seiner einstigen Gefährtin Hogefeld der Öffentlichkeit preisgegeben. Sie nannte in einer Erklärung, die von ihren Anwälten verbreitet wurde, den "Polizeispitzel" beim Namen, der "die Geheimdienste auf unsere Spur" brachte.
Sichtlich ratlos fragt die Inhaftierte: "Was ist bei der Verbindung zu uns in der Illegalität mit Klaus Steinmetz falsch gelaufen?" War er "durch die drohende Haftstrafe bei dem Einbruch weiter erpreßbar geworden, sein Spitzellohn - die Umwandlung des Urteils in Bewährung?"
Legenden und Verschwörungstheorien wuchern. Die autonome Szene debattiert heftig, ob Steinmetz wegen des Einbruchs von seinen V-Mann-Führern zu neuem Verrat gepreßt oder gelockt worden ist.
Fest steht nur, daß nach dem Steinmetz-Brief das Landgericht Mainz eine vom Amtsgericht Bingen verhängte Strafe von 18 auf 15 Monate reduziert hat. Das Oberlandesgericht Koblenz hob das Urteil sogar auf. Eine andere Strafkammer des Landgerichts korrigierte den Bingener Richterspruch dann auf 12 Monate Haft mit 2 Jahren Bewährung.
Nur einen Tag, nach der Festnahme, war Klaus Steinmetz im Knast. Am 7. Juni dieses Jahres erließ ihm das Amtsgericht Bingen die Strafe, nachdem seine Bewährungszeit abgelaufen war. Solche Zufälle gibt es: 20 Tage später fand die Aktion von Bad Kleinen statt.
Genau so eine schillernde Figur wie Steinmetz fehlte noch, um das Mysterium um den GSG-9-Einsatz noch mysteriöser zu machen. Wen und was hat V-Mann Klaus bei seiner Untergrundarbeit noch verraten? Wer wird noch enttarnt?
Die rheinland-pfälzische Landesregierung, deren Verfassungsschutz Klaus seit Mitte der achtziger Jahre geführt hat, weiß offenbar auch nicht genau, was ihr Mann so alles trieb. V-Männer seien halt "keine Klosterschüler", erkannte vorige Woche der sozialdemokratische Mainzer Innenminister Walter Zuber, 50. Von Straftaten "der Quelle" sei ihm allerdings nichts bekannt.
Erstaunlich: Schließlich hatte die Nummer eins der deutschen Spitzel nicht nur das VW-Haus der Familie Menk heimgesucht. Auch bei der Ingelheimer Firma Pax Schweikhard klauten Gunther und Klaus, sie ließen dort 1989 ein paar Personalcomputer verschwinden.
Das mag alles nicht sonderlich ins Gewicht fallen. Aber was ist, wenn Steinmetz, vielleicht sogar mit Wissen der Behörden, an Straftaten der RAF oder an ihrer Vorbereitung beteiligt war? Mit höherem Interesse des Staates ließe sich ein solches Vorgehen schwerlich begründen.
Die Behörden schirmen ihren Kronzeugen, dessen Aufenthaltsort wie immer in solchen Fällen (siehe Kasten Seite 30) geheimgehalten wird, sorgfältig ab. Ein erster Fragebogen der Schweriner Strafverfolger zur Vernehmung von Steinmetz traf vergangene Woche beim Mainzer Innenministerium ein.
Zubers Ressort hat Steinmetz bereits einen Anwalt besorgt, seit Ende voriger Woche liegt bei der Karlsruher Bundesanwaltschaft auch eine ladungsfähige Anschrift des V-Mannes vor.
Allzuviel Hoffnung setzen die Schweriner Ermittler jedoch nicht auf ihn. Den tödlichen Schußwechsel in Bad Kleinen hat er nicht gesehen. Und Vertrauensmännern, das liegt in der Natur der Sache, läßt sich nicht immer trauen.
Steinmetz hat die geradezu klassische Biographie eines Klein-Revolutionärs. An der Uni in Kaiserslautern war er Aktivist einer undogmatischen Sponti-Gruppe. Er saß im Allgemeinen Studentenausschuß (Asta), zuständig für _(* Auf einer Anwesenheitsliste bei einer ) _(rheinland-pfälzischen Asta-Tagung 1983. ) Wohnen und Kultur, brachte es sogar zum Geschäftsführer der Landes-Asta-Konferenz.
Ob beim Volkszählungsboykott 1983, bei einem simulierten Massensterben auf der US-Airbase Ramstein im gleichen Jahr oder bei einer Demonstration gegen das Treffen des damaligen US-Präsidenten Ronald Reagan mit Helmut Kohl auf der Feste Hambach 1985 - wo immer es um die Sache der Linken ging, war Klaus dabei.
Ein Radikaler für alle Fälle. Mitte der achtziger Jahre muß er auf den zierlichen Einfall gekommen sein, gelegentlich den verhaßten Jungs vom Verfassungsschutz, gegen Geld, zur Desinformation oder des Nervenkitzels wegen, ein paar Tips zu geben. Der stille "Klaus war ein Zocker", sagt ein Freund, "für ein paar Mark gab er denen sicher neun falsche und einen richtigen Tip."
Die Verfassungsschützer hingen an der neuen Quelle wie Kletten am Kleid. Heimlich belauschten sie seine Gespräche. Heimlich trafen sie sich mit Klaus.
In den letzten drei Jahren, besonders nach den Einbrüchen von Ingelheim, wurde der Kontakt intensiver. Klaus drückten Schulden von über 5000 Mark, im Wiesbadener Szene-Cafe "Klatsch" jobbte er nebenbei.
Die große Stunde von Klaus kam, als die RAF eine neue Strategie verfolgte: An der angestrebten Massenbasis fehlte es den Terroristen nach wie vor, nun sollte zusammen mit anderen linksextremen Bewegungen, etwa den Autonomen, eine "Gegenmacht von unten" aufgebaut werden.
Die linke Szene in Wiesbaden empfahl Steinmetz als Kontaktmann zu den Illegalen im Untergrund. Die Ermittler waren wie elektrisiert: Sooft sie bisher auch versucht hatten, Spitzel in den RAF-Kern einzuschleusen, waren sie doch nicht weitergekommen als ein Angelwurm in der Köderbüchse.
Zocker Klaus schaffte es. An der Pariser Gare de l''Est traf er im Februar 1992 erstmals Birgit Hogefeld, die nach Ansicht der Fahnder in der Kommandoebene der Illegalen operierte. Weitere Treffen wurden verabredet.
Vier Tage waren die beiden im April dieses Jahres in Cochem an der Mosel zusammen. Am dritten Tag kam ein Freund dazu - Wolfgang Grams. Gemeinsam ging das Trio ins Hallenbad, und V-Mann Klaus berichtete später den Verfassungsschützern, es sei immer nur einer der beiden ins Wasser gegangen. Der andere habe die mitgebrachten Waffen im Auge behalten.
Am 4. Mai alarmierte der Mainzer Innenminister Zuber den damaligen Generalbundesanwalt Alexander von Stahl. Der unterbrach eine Wanderung durch den Schwarzwald und fuhr nach Mainz, um die Lage mit Zuber und dessen Justizkollegen Peter Caesar zu erörtern.
Klaus, so war vereinbart, sollte sich am 24. Juni zwischen 12 und 14 Uhr in Bad Kleinen wieder mit der Top-Frau treffen. Mitte Mai begannen dann schon die Vorbereitungen für den Zugriff.
V-Mann Steinmetz, das war klar, mußte mit einem Sender ausgerüstet werden, damit ihn die Sicherheitsbehörden überallhin verfolgen konnten. Mit drei Geräten wurde bis eine Woche vor dem Zugriff experimentiert, die Signale mußten auch aus einem Zug zu empfangen sein. Spezialisten versteckten im Gepäck von Steinmetz schließlich einen Signalsender und ein Mikrofon. Relaisstation war ein Hubschrauber, der hinterherflog.
Eine Szenenfolge wie aus einem Krimi. Drei Tage lang dauerte die Fahrt von Wiesbaden nach Bad Kleinen. Klaus Steinmetz mußte, wie die RAF-Aktivisten angeordnet hatten, immer wieder umsteigen - "schütteln", wie es die Geheimdienstler nennen.
Auch Birgit Hogefeld kam nach heftiger Schüttelei und diskutierte sofort ein altes Thema: die Fehler der Kommunistischen Partei Deutschlands in den zwanziger Jahren - linke Volkshochschule.
Die Beamten setzten Prioritäten. Ganz oben rangierte der Schutz des V-Mannes, danach die Chance zum Zugriff. Aber geplant war auch, Steinmetz nach der Aktion wieder in der Szene zu plazieren. Das lag den Mainzer Verfassungsschützern besonders am Herzen.
Hinter den Kulissen krachte es. In Wiesbaden saß die Einsatzleitung, und schon einen Tag vor der Aktion fielen die Beamten übereinander her. Vor allem die Mainzer seien "stocksauer" gewesen, sagt einer der Organisatoren des Zugriffs, "daß ihr V-Mann verbrannt werden" könnte. Im Drehbuch stand, daß er sich absetzen sollte - aber dazu kam es nicht mehr.
Steinmetz wurde, zum Schein, festgenommen; Hogefeld bat nach der Inhaftierung sogar noch ihre Mutter, dem Kumpan einen Anwalt zu besorgen. Doch Steinmetz war in keinem Knast aufzutreiben: Damit war der Super-V-Mann der Terrorfahnder verbrannt, die historische Chance, die verbliebenen RAF-Kämpfer peu a peu zu schnappen, vertan.
Steinmetz, der seither nicht mehr aufgetaucht ist, wird zur Aufklärung des Tathergangs in Bad Kleinen nicht viel beitragen können, weil er von der Schießerei nichts gesehen hat.
Unwahrscheinlich ist nach den bisherigen Untersuchungen jedenfalls, daß sich Grams, wie BKA-Chef Hans-Ludwig Zachert spekulierte, beim Sturz auf die Gleise versehentlich erschoß. Der tödliche Schuß wurde, jedenfalls der vorläufigen Untersuchung der Universität Münster zufolge, im Liegen aufgesetzt.
Stanzmarke und Schmauchspuren am Kopf des Toten deuten nach den Züricher Feststellungen darauf hin, daß der tödliche Schuß aus der Grams-Waffe, einer tschechischen Bruenner CZ M 75, Kaliber 9 Millimeter, stammte. An und im Lauf seines Schießgeräts fanden sich zudem Blut- und Gewebereste, die zur Zeit noch analysiert werden. Brauchbare Fingerabdrücke waren nicht aufzufinden - weder von Grams noch von Dritten: Die Waffe des RAF-Aktivisten war eingeölt.
Ausgewertet werden derzeit auch noch die Vernehmungen der beteiligten Polizisten und der zufälligen Zeugen. Sieben Schweriner Beamte sollen alle Aussagen auf Übereinstimmungen oder Abweichungen prüfen.
Keiner der Zeugen will zum Beispiel gesehen haben, daß sich Grams selbst erschoß. Keiner aber hat auch bei der Vernehmung von einer möglichen Hinrichtung durch einen GSG-9-Mann berichtet. Der am Einsatz beteiligte Beamte, der vor dreieinhalb Wochen gegenüber dem SPIEGEL von einer "Exekution" sprach (SPIEGEL 27/1993), hat diese Version offenkundig bislang den Ermittlern vorenthalten. Auch zu den anderen Schilderungen des Tatablaufs wollte er sich nicht äußern.
Fest steht jetzt schon, daß der Ruf der Elitetruppe GSG 9 bei diesem Einsatz irreparable Schäden abbekommen hat. Bei den Vernehmungen sorgten die Beamten für neue Verwirrung. Ihre Schilderungen waren widersprüchlich, am Ende wußte keiner genau, wie es am Anfang war. Frühere Aussagen wurden immer wieder korrigiert.
Lange haben die Ermittler gerätselt, ob aus falscher Kameraderie vertuscht, verschwiegen oder sogar gelogen wurde. Seine subjektive Erinnerung sei falsch, räumte beispielsweise ein GSG-9-Beamter ein, der unmittelbar bei Grams stand.
Die Strafverfolger hegen inzwischen den Verdacht, daß die GSG-9-Beamten ihrem eigenen Mogadischu-Mythos erlegen sind. Die Polizisten, sagt ein Ermittler, seien so total auf Erfolg gedrillt worden, daß sie zunächst ihr Scheitern nicht akzeptiert hätten. Deshalb seien sie bei den Vernehmungen auch nicht zu einer nüchternen Analyse fähig gewesen.
Im Moment der Gefahr sollten die Antiterror-Spezialisten, ihrem Drill entsprechend, den Gegner direkt annehmen. Nun aber, als wirklich geschossen wurde, hätten sie sich in Deckung geworfen und, mit 33 Schuß, wild in der Gegend herumgeballert. Das könnten die Superpolizisten offenkundig nur schwer verkraften, urteilt der Vernehmer.
Der verunsicherten Elitetruppe, die normalerweise 220 bestausgebildete Polizisten zählt, sprach am Donnerstag voriger Woche Bundeskanzler Helmut Kohl Mut zu. Die GSG 9, versicherte er in der Kaserne Sankt Augustin bei Bonn, habe sein Vertrauen, sie werde "so dringend wie eh und je" gebraucht.
Der Auftritt war kühl kalkuliert, schließlich will die Union als Partei der inneren Sicherheit ins Superwahljahr 1994 gehen. Obwohl die Ermittlungen noch längst nicht abgeschlossen sind, fällte Kohl Urteile und vergab Zensuren: Die Presse führe eine Verleumdungskampagne gegen die Sicherheitskräfte, vom Tod des jungen GSG-9-Beamten spreche niemand, aus seinem "Mörder" Grams hingegen werde "eine Art Märtyrer" gemacht.
Die Eltern von Grams, die inzwischen mit den Eltern des toten Newrzella zu einer Initiative gegen Gewalt aufgerufen haben, erstatteten gegen Kohl daraufhin in Bonn Anzeige "wegen des Verdachtes der Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener und des Verdachtes der üblen Nachrede". Schließlich seien auch die "Todesumstände des Michael Newrzella", so Grams-Anwalt Andreas Groß, noch nicht eindeutig geklärt.
Einer der inzwischen umstrittenen Elitepolizisten sollte am Freitag voriger Woche, stiekum und in aller Herrgottsfrühe, noch einmal am Tatort vorführen, wie alles schiefgelaufen war. Vor Beginn des Zugverkehrs in Bad Kleinen erschienen einige Beamte des Landeskriminalamts und der GSG-9-Mann, Zeuge Nummer 6, auf dem Bahnhof, um an Ort und Stelle die Glaubwürdigkeit von Aussagen zu überprüfen.
Es war gegen sechs Uhr, als der GSG-Polizist die Treppen zum Bahnsteig 3/4 des Bahnhofs von Bad Kleinen hinaufhuschte und sich mit gezogener Waffe auf dem Treppenabsatz hinter einen Stützpfeiler kauerte.
"Von hier aus", sagte er, "war Grams für mich einen Augenblick aus meinem Blickfeld." Niemand, so scheint es, hat über den entscheidenden Moment eine verläßliche Aussage.
Ob Grams, der vier Wochen zuvor unter dem Geballer der Antiterror-Einheit rückwärts zur Bahnsteigkante getaumelt war, in diesem Moment stürzte und auf die Gleise schlug, bleibt nur Vermutung. Vermutung bleibt auch, daß er sich in diesem Augenblick, freiwillig oder versehentlich, seine eigene Waffe an den Kopf setzte und abdrückte.
"Das ist der Zeitpunkt X", seufzte ein Ermittler noch Stunden später, "da will niemand was gesehen haben. Wenn nicht doch noch einer mit einer brauchbaren Zeugenaussage auftaucht, wird immer ein Zweifel bleiben."
V-Mann Klaus soll nun ran. Die Ermittler wollen den Überläufer fragen, ob einem wie Grams ein Selbstmord zuzutrauen ist. Y
* Im August 1983 bei einer Protestaktion auf dem US-Flughafen Ramstein. * In den achtziger Jahren, mit Kommilitonen. * Auf einer Anwesenheitsliste bei einer rheinland-pfälzischen Asta-Tagung 1983.

DER SPIEGEL 30/1993
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


DER SPIEGEL 30/1993
Titelbild
Abo-Angebote

Den SPIEGEL lesen oder verschenken und Vorteile sichern!

Jetzt Abo sichern
Ältere SPIEGEL-Ausgaben

Kostenloses Archiv:
Stöbern Sie im kompletten SPIEGEL-Archiv seit
1947 – bis auf die vergangenen zwölf Monate kostenlos für Sie.

Wollen Sie ältere SPIEGEL-Ausgaben bestellen?
Hier erhalten Sie Ausgaben, die älter als drei Jahre sind.

Artikel als PDF
Artikel als PDF ansehen

Terrorismus:
„Der Klaus war ein Zocker“

Video 06:10

FPÖ-Chef Strache heimlich gefilmt Die Videofalle

  • Video "Digitale Forensik: Wie der SPIEGEL das Strache-Video überprüft hat" Video 02:03
    Digitale Forensik: Wie der SPIEGEL das Strache-Video überprüft hat
  • Video "Webvideos der Woche: Einfach umgedreht" Video 03:14
    Webvideos der Woche: Einfach umgedreht
  • Video "ESC-Sieg für die Niederlande: Der Piano-Man bezwingt die Windmacher" Video 02:00
    ESC-Sieg für die Niederlande: Der Piano-Man bezwingt die Windmacher
  • Video "Genug ist genug: Die Rede von Bundeskanzler Kurz im Video" Video 03:03
    "Genug ist genug": Die Rede von Bundeskanzler Kurz im Video
  • Video "Luftiger Stunt: Fallschirmsprung aus der Seilbahn-Gondel" Video 00:43
    Luftiger Stunt: Fallschirmsprung aus der Seilbahn-Gondel
  • Video "US-Sturmjäger-Video: Wenn der Tornado auf dir landet" Video 02:09
    US-Sturmjäger-Video: Wenn der Tornado auf dir landet
  • Video "Video-Affäre in Österreich: Strache tritt als Vizekanzler und FPÖ-Chef zurück" Video 02:20
    Video-Affäre in Österreich: Strache tritt als Vizekanzler und FPÖ-Chef zurück
  • Video "Video: Proteste in Österreich" Video 00:52
    Video: Proteste in Österreich
  • Video "Versuchter Betrug: Müllmann täuscht Unfall vor" Video 02:04
    Versuchter Betrug: Müllmann täuscht Unfall vor
  • Video "Eurovision Song Contest 2019: Das sind die Favoriten" Video 03:36
    Eurovision Song Contest 2019: Das sind die Favoriten
  • Video "Staudamm bricht: Wenn der Druck zu groß wird" Video 00:29
    Staudamm bricht: Wenn der Druck zu groß wird
  • Video "Video zeigt Detonation: Sprengstoff vs. Kühlturm" Video 00:46
    Video zeigt Detonation: Sprengstoff vs. Kühlturm
  • Video "Miet-Scooter in Zahlen: 12 km/h, 29 Tage, 150 Milliarden" Video 02:38
    Miet-Scooter in Zahlen: 12 km/h, 29 Tage, 150 Milliarden
  • Video "Kettenfahrzeug de luxe: Halb Panzer, halb Bentley" Video 01:12
    Kettenfahrzeug de luxe: Halb Panzer, halb Bentley
  • Video "Nach Unfall auf der A1: Stau? Dann kehren wir doch einfach um..." Video 01:27
    Nach Unfall auf der A1: Stau? Dann kehren wir doch einfach um...
  • Video "FPÖ-Chef Strache heimlich gefilmt: Die Videofalle" Video 06:10
    FPÖ-Chef Strache heimlich gefilmt: Die Videofalle