08.11.1993

GESTORBENSevero Ochoa

88. Als der gebürtige Spanier auf der Nobelpreisträger-Tagung in Lindau 1963 über seine wissenschaftlichen Arbeiten sprach, kommentierte ein Kollege aus der Runde der Preisträger: "Die Biochemiker fangen an, richtig Gott zu spielen." Und in der Tat war Ochoas Entdeckung eines Enzyms, mit dessen Hilfe sich im Labor die Erbgutsubstanz Ribonukleinsäure (RNS) synthetisieren ließ, einer der ersten Schritte bei der Schaffung künstlicher Viren. Ochoas Arbeiten und die seines Mitpreisträgers Arthur Kornberg bildeten die Grundlage für eine Vielzahl von Verfahren, die zum Siegeszug der modernen Biotechnologie beitrugen. Ochoa selbst sah sich nie als Mediziner, auch wenn er dieses Fach studiert hatte, sondern stets als Forscher. Anfang der dreißiger Jahre arbeitete er unter dem deutschen Nobelpreisträger Otto Meyerhof in Heidelberg. Dann ging er zurück nach Spanien und schließlich in die Vereinigten Staaten, "weil dort die Bedingungen für die Wissenschaft besser sind". Allen wissenschaftlichen Erkenntnissen zum Trotz blieb Ochoa Kettenraucher bis ins hohe Alter. Severo Ochoa starb am vergangenen Montag in Madrid an einer Lungenentzündung.

DER SPIEGEL 45/1993
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