16.11.1992

FREITAG

20.45 - 21.30 Uhr. West III. In Zukunft
. . . wird es in Zukunft nicht mehr geben. Die 50. Folge der Sendereihe, die sich mit den Problemen des Atommülls beschäftigt, ist zugleich eine der letzten: Nach nur vier weiteren Ausgaben wird das ehrgeizige Projekt im Frühjahr 1993 einer Programmreform zum Opfer fallen. Damit geht der einzige feste Sendeplatz für utopisches Denken im deutschen Fernsehen verloren. Die von Dieter A. Weimer und Dietrich P. Winterberg betreute Reihe vermittelte nicht nur einen umfassenden Eindruck von den faszinierenden Möglichkeiten eines besseren Zusammenlebens der Menschen, sie war selbst eine kleine Utopie des Fernsehens: Beiträge, die mit Bildern argumentierten, statt die Zuschauer zu überrumpeln und einzulullen; Autoren, die sich vor der Kamera mit Redakteuren stritten. Die Zuschauer honorierten diesen Mut nach jeder Sendung mit Tausenden Anfragen nach Informationsmaterial. Doch den Programmgewaltigen paßte "In Zukunft" nicht mehr ins Konzept: Eine Reihe mit nur zehn Sendungen pro Jahr sei nicht mehr konkurrenzfähig - als hätte sich das nicht ändern lassen.

DER SPIEGEL 47/1992
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