27.06.1994

JournalistenTip aus Peru

Zwei Brüder aus Bonn vermieten gepanzerte Limousinen an Journalisten.
Im Streit um eine Parklücke hatte der schwedische Fernsehjournalist Simon Stanford das Recht des Erstgekommenen und die blecherne Wucht seines Mercedes 500 auf seiner Seite. Genutzt hat ihm beides nicht.
Der Gegner im automobilen Zwist, der sich im vergangenen Jahr nahe Split zutrug, griff zur Kalaschnikow und feuerte auf den Mercedes. Daß er dennoch am Leben geblieben ist, verdankt Stanford einem Spezialfahrzeug aus Stuttgart und der Idee zweier Jungunternehmer aus Bonn.
Frank Asbeck, 35, und sein Bruder Marc, 26, bieten einen weltweit einzigartigen Dienst: Sie vermieten gepanzerte Fahrzeuge an Fernsehteams, Reporter und Fotografen, die aus Kriegs- und Krisenregionen berichten.
Derzeit gebietet die Brüder-GmbH Asbeck Armored Vehicles über eine Flotte von 36 gepanzerten Automobilen. Alle Fahrzeuge genügen der Deutschen Industrie-Norm 52 290 - C4. Die Chiffre verheißt Sicherheit von Fahrzeugscheiben und Passagierzelle vor Beschuß mit Hartkernmunition aus so verheerendem Schießzeug wie Kalaschnikows. Selbst Tanks und Unterböden der Asbeck-Autos widerstehen der Explosion von Handgranaten.
Den Schutz vor Schützen bieten die findigen Brüder zu Preisen zwischen 750 und 1800 Mark pro Tag und Fahrzeug. Reparaturen von Beschußschäden sind im Preis inbegriffen.
In Bosnien, wo allein voriges Jahr 13 Journalisten ums Leben kamen, waren zuletzt bis zu 15 Sicherheitslimousinen im Presseeinsatz.
ARD-Journalisten mieteten schon mal eine Panzerkarosse, um Warschauer Waffenhändlern zu imponieren. Für den Briten-Sender BBC schafften die Asbecks vor zwei Monaten einen Schutz-Opel per Luftfracht nach Johannesburg. Auch die US-Fernsehgesellschaften _(* Mit einem durch Beschießungsversuch ) _(beschädigten Panzerglas. ) ABC, NBC, CBS und CNN nutzen den mobilen Kugelschutz. "Danke für die Unterstützung in schwierigen Zeiten", schrieb ABC nach einem Bosnien-Einsatz den Bonnern; der ABC-Audi wies nach einem Einsatz zwei Einschußlöcher auf.
Die Idee, mit Sicherheitsfahrzeugen Geld zu verdienen, entstand 1989. Damals hatte ein Freund dem gelernten Agraringenieur Frank Asbeck den Tip gegeben, daß in Peru, wo maoistische Terroristen vom "Leuchtenden Pfad" den Staat bekämpften, Bedarf an Sicherheitsfahrzeugen sei.
Es gelang Asbeck, sechs Sicherheitslimousinen aufzutreiben und nach Peru zu verkaufen. Die Firma Opel hatte dem Jungunternehmer Fahrzeuge angeboten, die von US-Botschaften ausgemustert worden waren.
Neupreise von 500 000 Mark (S-Klasse Mercedes) für gepanzerte Fahrzeuge haben den Asbeck-Brüdern seither manch lukrativen Gebrauchtwagen-Deal ermöglicht.
Zu ihren Kunden zählen unter anderen die Israelis, die zwei Panzer-Opel kauften. Die Lufthansa erstand Asbeck-Fahrzeuge für Firmenvertretungen, die Treuhand orderte Second-hand-Limousinen für ihre im Ostvolk angefeindeten Führungskräfte.
Im Herbst 1992, nachdem er "Berichte über Heckenschützenattentate auf Journalisten in Sarajevo" gesehen hatte, kam Marc Asbeck die Idee, Schutzfahrzeuge an Journalisten zu vermieten.
Manch ein Reporter, der über den Bosnien-Konflikt berichtet, verdankt mittlerweile dem Bonner Leihwagendienst seine Gesundheit: Die Fahrzeuge, mit denen Asbeck-Kunden im Kriegsgebiet unterwegs waren, weisen insgesamt 35 Einschüsse auf. Y
* Mit einem durch Beschießungsversuch beschädigten Panzerglas.

DER SPIEGEL 26/1994
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DER SPIEGEL 26/1994
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