30.12.1991

Neue Schikanen gegen Palästinenser

Palästinenser in den von Israel besetzten Gebieten sollen künftig nicht mehr die Dächer ihrer Häuser betreten dürfen. Dies fordern radikale jüdische Siedlerverbände, nachdem die Zahl der Anschläge im Westjordanland und im Gazastreifen drastisch zugenommen hat. Weil dabei nicht nur Steine, sondern zunehmend auch Brandsätze und Granaten geworfen werden, fühlen sich die Siedler durch die Soldaten der israelischen Armee nicht mehr ausreichend geschützt und fordern drakonische Abschreckungsmaßnahmen. Verteidigungsminister Mosche Arens reagierte auf die Kritik der von seiner Regierung umhätschelten Siedler mit neuen "Sicherheitsvorkehrungen". Danach werden in einigen der jüdischen Wehrdörfer die bewaffneten Bürgerwehren als Milizverbände organisiert, eine neue nächtliche Ausgangssperre verbietet Palästinensern das Betreten eines 150 Meter breiten Streifens zu beiden Seiten der Hauptverkehrsverbindungen. Das zusätzliche Ausgehverbot soll nun auch für die Dachterrassen palästinensischer Wohnhäuser gelten - jeder, der sich dort aufhält, ist eine "verdächtige Person", auf die das Feuer eröffnet werden darf. Nur noch zwei Stunden täglich, so der Plan der Militärbehörden, ist das Aufhängen von Wäsche erlaubt.

DER SPIEGEL 1/1992
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