15.02.1993

Benetton ärgert die Caritas

Eine Werbekampagne des italienischen Textilfabrikanten Benetton löst wieder einmal heftige Kritik aus - diesmal bei gemeinnützigen Organisationen in der Bundesrepublik. Seit Anfang Februar posiert Luciano Benetton, 57, textilfrei in ganzseitigen Anzeigen. Das Nacktfoto des Modeunternehmers macht auf die neueste Aktion der Firma aufmerksam: Benetton-Kunden sollen gebrauchte Pullover, Röcke oder Blusen in den Filialen der Textilfirma abgeben. Benetton will die ausrangierte Kleidung an Bedürftige weiterleiten. Örtliche Funktionäre vom Roten Kreuz und von der Caritas halten die Aktion für überflüssig und fürchten um ihre Einnahmen. In der Bundesrepublik werden Altkleider seit Jahren von gemeinnützigen Organisationen gesammelt und an sozial Schwache verteilt. Was übrigbleibt, verkaufen die Vereine und Verbände für 60 Pfennig pro Kilo an weiterverarbeitende Firmen. Die Hilfsorganisationen fürchten, daß ihnen, wenn das Benetton-Beispiel Schule macht, das Geld künftig für soziale Aufgaben fehlen wird. Nun bemühen sie sich um einen Kompromiß mit dem streitbaren Italiener.

DER SPIEGEL 7/1993
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