05.07.1993

Rückkehr des Tschador

Unter dem Vorwand, "soziale Korruption" bekämpfen zu wollen, hat die iranische Polizei die Kleidungsvorschriften verschärft. In einer Erklärung droht das Innenministerium allen Frauen mit harten Strafen, die nicht einen knöchellangen Tschador oder zumindest einen Mantel sowie das obligatorische Kopftuch tragen. Statt wie bisher nur mündlich zurechtgewiesen zu werden, sollen westlich gekleidete Iranerinnen künftig vor Gericht. Als Strafen drohen hohe Geldbußen oder sogar Peitschenhiebe. Die Rückkehr zu den rigorosen Unterdrückungspraktiken der ersten Revolutionsjahre ist ein Zeichen für das Erstarken der alten Garde radikaler Mullahs, die den pragmatischen Staatspräsidenten Rafsandschani schwächen wollen. Mutige Angehörige der iranischen Frauenverbände wehren sich gegen die verschärfte Kleiderordnung. Sie verweigern die Mitarbeit an Sozialprogrammen und boykottieren die von der Islamischen Republik herausgegebenen Frauenzeitschriften.

DER SPIEGEL 27/1993
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