05.07.1993

Nigeria ohne Chance

Nigerias Hoffnung auf einen ständigen Sitz in einem erweiterten Uno-Sicherheitsrat hat sich offenbar zerschlagen: Angesichts des Chaos in Afrikas volkreichstem Staat (fast 90 Millionen Einwohner) unterstützen nur noch wenige Drittweltländer den Anspruch der Nigerianer, die zusammen mit Indien und Brasilien als Interessenvertreter des Südens in das Gremium einziehen wollten. Bislang gehören dem Sicherheitsrat als ständige Mitglieder die USA, Großbritannien, Frankreich, Rußland und China an; zusätzliche Kandidaten aus der industrialisierten Welt sind Deutschland und Japan. Die Nigerianer haben ihre Chance auf einen Platz unter den Mächtigen verloren, weil sich der Militärherrscher Ibrahim Babangida trotz ordnungsgemäßer Wahlen weigert, die Macht an ein Zivilregime zu übergeben. Babangidas "miese Kabale", so der schwarze Literatur-Nobelpreisträger Wole Soyinka, werde Nigerias "Tod auf Raten" einleiten. Immer häufiger kommt es zu Streiks und Demonstrationen, die sich zu blutigen Unruhen auszuweiten drohen.

DER SPIEGEL 27/1993
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