05.07.1993

Jachten der Diktatoren

Den Machthabern auf der Welt weht nicht nur politisch ein steiferer Wind entgegen. Sie müssen auch lernen, mit besonders stolzen Machtsymbolen - Staatsjachten - bescheidener umzugehen.
So hat das englische Marinelexikon "Jane's Fighting Ships" herausgefunden, daß sich Iraks Diktator Saddam Hussein zwar noch auf einer 1660 Tonnen großen Motorjacht mit dem Namen "Qadissiyat Saddam" sonnen kann - mit Luxuskabinen für 56 Gäste und Fluchtmöglichkeit dank eines Helikopter-Decks. Das Schicksal von Saddams zweiter Staatsjacht "Al Qadissya" ist dagegen seit dem Golfkrieg ungeklärt: Sie lag auf dem irakischen Binnensee Tharthar und ist nicht mehr gesichtet worden. Serbiens Präsident Slobodan Milosevic, der Titos Flußjacht "Kozora" übernahm, hat aus patriotischen Gründen auf die Benutzung des Statussymbols verzichtet: Es dient der serbischen Marine nun als Flaggschiff der Donauflotte. Auch zwei weitere Kabinenkreuzer, die Milosevic in Friedenszeiten zugestanden hätten, werden von der Marine Rest-Jugoslawiens eingesetzt.
Problemlose Exkursionen scheinen den Potentaten am Persischen Golf vorbehalten. Saudi-Arabiens König Fahd besitzt das größte private Luxusschiff der Welt, den 5000-Tonner "Abdul Aziz", ausgerüstet mit vier königlichen Suiten, Swimming-pool, Hubschrauber-Landeplatz, Autogaragen und Luftabwehrraketen. Dem Saudi-Herrscher am nächsten kommt Sultan Kabus, der Herrscher des ölreichen Nachbarlands Oman. Seine 3800 Tonnen große "Al Said" ("Der Glückliche") weist 156 Mann Besatzung auf und wird von einem tankergroßen Versorger begleitet.

DER SPIEGEL 27/1993
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