05.07.1993

MODERNES LEBENSteinspur für Nazi-Opfer

Im Alltag ist niemand gezwungen, sich zu erinnern; meist gibt es ein paar Gedenktafeln in deutschen Städten, die an die Opfer des Nationalsozialismus erinnern - feierlich eingeweiht und dann nicht mehr beachtet. Ein Kölner Künstler hat nun begonnen, deutliche "Spuren zu legen", wie er sagt. 23 Stationen umfaßt die Dokumentation eines Leidenswegs, den er dauerhaft sichtbar machen will: "Mai 1940 - 1000 Roma und Sinti" lautet die Messinginschrift auf Steinplatten, die Gunter Demnig, 46, im Asphalt versenkt. Vor drei Jahren bereits hatte er eine ähnliche Spur aus Kreide gelegt, vom ehemaligen "Schwarz-Weiß-Platz", wo ein Sammellager stand, bis hin zur Verladerampe auf dem Messegelände in Köln-Deutz. Von dort aus wurden die Deportierten in Arbeits- und später in Vernichtungslager verschleppt. Als der Farbstreifen verblaßt war, hat Künstler Demnig sich diese Spur der Steine ausgedacht. Der Kölner Stadtrat hat jetzt die Aktion genehmigt, zahlt aber nichts dazu - finanziert werden soll der Gedenkweg von Spendern.

DER SPIEGEL 27/1993
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