12.10.1992

„IM Martin“ als Psychologe

Nachdem der SPIEGEL (41/1992) über die Stasi-Karriere des Schriftstellers Hermann Kant alias "IM Martin" berichtet hatte, meldete sich ein Opfer des emsigen Spitzels zu Wort: In der FAZ teilte der Schriftsteller Günter Kunert mit, der "IM Martin" sei ihm aus seinen eigenen Stasi-Akten wohlbekannt, doch für dessen Identität habe "der letzte Beweis" gefehlt, der jetzt vorliege. Mit Details hält sich Kunert zurück - anders als "IM Martin" gegenüber seinem damaligen Führungsoffizier Herbert Treike. Dem berichtete "Martin" am 29. April 1963 nach einem Besuch bei Kunert, dieser wohne "bei einem verkrachten Holzbildhauer" und sei - nach einer SED-Attacke auf Künstler - "etwas verbittert und verstand alles nur bis zu einem gewissen Grad". "Martin" gibt die intimen Gedanken wieder, die Kunert dem Gast über seine persönliche Verfassung beim Schreiben von Gedichten anvertraut. Abschließend rapportiert "Martin" eine psychologische Einschätzung seines Opfers: "Kunert ist ein verklemmter Mensch, der eine böse Geschichte hinter sich hat, deshalb ist er auch mißtrauisch."

DER SPIEGEL 42/1992
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


DER SPIEGEL 42/1992
Titelbild
Abo-Angebote

Den SPIEGEL lesen oder verschenken und Vorteile sichern!

Jetzt Abo sichern
Ältere SPIEGEL-Ausgaben

Kostenloses Archiv:
Stöbern Sie im kompletten SPIEGEL-Archiv seit
1947 – bis auf die vergangenen zwölf Monate kostenlos für Sie.

Wollen Sie ältere SPIEGEL-Ausgaben bestellen?
Hier erhalten Sie Ausgaben, die älter als drei Jahre sind.

Artikel als PDF
Artikel als PDF ansehen

„IM Martin“ als Psychologe