16.11.1992

Hussein bringt sein Haus in Ordnung

Jordaniens König Hussein will nicht länger auf das Ende der zähflüssigen arabisch-israelischen Verhandlungen warten. In Absprache mit Syrien möchte der krebskranke Monarch, der offenbar sein Haus in Ordnung bringen will, noch vor der angestrebten umfassenden Nahostlösung den Kriegszustand mit Israel beenden. Husseins Unterhändler in Washington haben die Bereitschaft zu einem Zwischenabkommen mit Israel angedeutet.
Doch einem Arrangement mit dem Erzfeind stehen daheim vor allem radikale Moslemfraktionen entgegen, die das Regime des Königs von innen bedrohen. Jordaniens Polizei verhaftete unlängst die beiden islamischen Abgeordneten Leith Schubeilat und Jakub Karrasch. Ein Militärtribunal lastete den beiden Parlamentariern eine "Verschwörung zum Sturz der Regierung" an, verurteilte sie aber nicht, wie vom Staatsanwalt gefordert, zum Tode, sondern zu 20 Jahren Zwangsarbeit. Während der spektakulären Verhandlung hatten jordanische Zeitungen ausführlich von unsauberen Prozeßpraktiken berichtet. So hatte ein aus Deutschland angereister arabischer Belastungszeuge seine Aussage widerrufen, den Angeklagten 300 000 Mark aus dem Iran überbracht zu haben. Hussein entschloß sich zu einer großzügigen Geste der Versöhnung: In der vergangenen Woche begnadigte der König 140 Gefangene, darunter die beiden Abgeordneten; sie dürfen sogar ihren Parlamentssitz wieder einnehmen.
Da Jordaniens Nationalversammlung einen Friedensschluß mit Israel mehrheitlich gutheißt, bietet sich den Moslembrüdern für ihren Feldzug nur eine Koalition mit extremistischen Palästinenserfraktionen an, etwa der Volksfront für die Befreiung Palästinas PFLP. Die radikalen Palästinenser aber sind Laizisten und lehnen den von den Islamisten angestrebten Gottesstaat ab.

DER SPIEGEL 47/1992
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