07.12.1992

Abstruse Ideen

Nazi-Jäger Simon Wiesenthal hat einen hohen Funktionär des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) bei der Generalstaatsanwaltschaft Düsseldorf wegen antisemitischer Äußerungen angezeigt. Professor Waldemar Schneider, 56, Chef des DRK-Blutspendedienstes im westfälischen Hagen, leitet das "Toko Institut für systemüberschreitendes Denken e.V.", das Fortbildungskurse für Manager veranstaltet und unter derselben Adresse wie das DRK firmiert. In der Institutszeitschrift Toko Zeit-Kompass veröffentlichte Schneider im Juli eine zustimmende Kritik über das neueste Buch des japanischen Bestseller-Autors Masami Uno ("Wer die Juden versteht, erkennt die Welt"), der mit abstrusen Weltverschwörungstheorien aufwartet. So sei, schreibt Uno, die russische Revolution 1917 in Wirklichkeit eine jüdische Revolution gewesen. Über die deutschen Gewerkschaften behauptet der Schreiber, sie stünden bekanntermaßen stark unter jüdischem Einfluß. Schneider: "Ein spannend geschriebenes Buch." Beim DRK wird hausintern gegen Schneider ermittelt, so Generalsekretär Johann Wilhelm Römer. Er läßt am Ausgang der Untersuchung keinen Zweifel: "Das wird abgestellt."

DER SPIEGEL 50/1992
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