07.12.1992

Freieres Königsberg

Die Stadtväter von Kaliningrad, dem ehemaligen deutschen Königsberg, wollen in Moskau für mehr Autonomie kämpfen. Ein Gesetzentwurf, der vom Moskauer Parlament noch genehmigt werden muß, sieht vor, daß die regionalen Machthaber mehr Entscheidungsfreiheiten im Handel mit dem Ausland sowie in Steuer- und Visafragen bekommen. Von mehr Selbständigkeit versprechen sich die Politiker in der russischen Exklave endlich gesteigerte Investitionen aus dem Westen für das von ihnen angestrebte "Hongkong an der Ostsee". Das Engagement kapitalistischer Unternehmer im einstigen Nord-Ostpreußen ist bislang wegen Rechtsunsicherheiten und bürokratischer Hemmnisse gering. Die Kaliningrader fordern auch das Recht, über den Namen der Stadt entscheiden zu können. Nach dem Vorbild der Leningrader, die ihre Metropole in St. Petersburg zurückbenannten, diskutieren die Bürger seit dem Zusammenbruch des Sowjetreichs, ihrer Heimatstadt den alten Namen wiederzugeben. Die teils noch von Ex-Kommunisten beherrschte Stadtführung hat wohl eingesehen, daß die Bezeichnung Kaliningrad politisch nicht zu halten ist - der Altbolschewik Michail Kalinin war von 1938 bis 1945 Staatschef der Sowjetunion. Die Regionalpolitiker plädieren statt dessen für eine annähernde Übersetzung des deutschen Namens ins Russische: Korolewskaja gora.

DER SPIEGEL 50/1992
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