07.12.1992

Marzena Domaros,

25 (Foto), polnische Autorin, darf ihre erotischen Abenteuer mit zahlreichen Sejm-Abgeordneten vermutlich erneut ausbreiten: als Zeugin vor einem Zivilgericht. Die Danzigerin war unter dem Adels-Pseudonym Anastazja Potocka und als angebliche Korrespondentin der französischen Tageszeitung Le Figaro mehreren, meist verheirateten Volksvertretern körperlich näher gekommen. Ihre intimen Erfahrungen in den Betten des Parlamentshotels veröffentlichte sie jetzt in einem 144-Seiten-Buch. Der erste Sex-Skandal in Polens jungem Parlamentarismus war perfekt. Der Vize-Marschall des Sejm, Andrzej Kern, habe sie zum Geschlechtsverkehr gezwungen: "Er schlug mir ins Gesicht. Kräftig." Den erzkatholischen Abgeordneten Stefan Niesiolowski entlarvte sie als "psychopathischen Erotomanen", dem sie sich wegen seines Körpergeruchs nicht hingegeben habe. Der Linke Leszek Miller sei ein "toller Liebhaber". Aleksander Kwasniewski, Fraktionsvorsitzender der Reformkommunisten, der bei Frau Domaros nicht sehr gut wegkommt ("Es dauerte nur einige Minuten"), dementiert die pikante Begegnung mit der mittlerweile verschwundenen Dame. Er will nun den "Refleks"-Verlag, offenkundig nur zur Veröffentlichung der erotischen Memoiren gegründet, wegen Verletzung der Privatsphäre verklagen.

DER SPIEGEL 50/1992
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