21.12.1992

Russen hüten geraubte Bücher

Beutebücher aus rund 100 deutschen Bibliotheken, nach Kriegsende auf sowjetischem Territorium verschwunden, sollen an ihre Eigentümer zurückgegeben werden. Darauf einigten sich in Moskau russische und deutsche Bibliothekare auf einer ersten gemeinsamen Fachtagung. Geheimdokumente aus dem Archiv der KPdSU, verblichene Anweisungen von Außenminister Molotow und Geheimdienstchef Berija erhellten den Experten die Odyssee der von Rotarmisten erbeuteten Trophäen:
600 Kisten mit bibliophilen Kostbarkeiten aus der Sächsischen Bibliothek Dresden verschwanden in Moskaus Bibliothek für ausländische Literatur; gleich 13 Waggons Bücherfracht gingen an die Lomonossow-Universität; 760 000 Bände verleibte sich die Lenin-Bibliothek ein.
Fast ein halbes Jahrhundert nach Kriegsende versprachen Rußlands Bibliotheksleiter jetzt restlose Aufklärung, freien Zugang zu den Beständen und die Unterbindung jeglichen Weiterverkaufs. Spekulanten haben auf das gebunkerte deutsche Kulturgut längst ein Auge geworfen: Bei einem inzwischen aufgeklärten Einbruch in die Magazine der Lomonossow-Universität, in denen auch eine Gutenberg-Bibel aus dem 15. Jahrhundert lagert, kamen Anfang Dezember wertvolle Bücher im Wert von knapp einer Million Dollar abhanden. Diese Bibel soll, so verabredete Kanzler Kohl mit Präsident Jelzin vergangene Woche in Moskau, nun rasch heimkehren.

DER SPIEGEL 52/1992
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