21.12.1992

Nervenabbau gebremst

Allenfalls Mutmaßungen haben die Mediziner bislang anzubieten, wenn es um die Ursachen einer rätselhaften Nervenkrankheit mit fortschreitenden Lähmungserscheinungen geht, der sogenannten Amyotrophen Lateralsklerose. Das Leiden zwang den britischen Astrophysiker Stephen Hawking (SPIEGEL 42/1988) schon im frühen Erwachsenenalter in den Rollstuhl, der deutsche Politiker Baron Guttenberg erlag 1972 seiner Lateralsklerose. Einem Forscherteam am Münchner Max-Planck-Institut für Psychiatrie unter Leitung von Michael Sendtner ist es kürzlich gelungen, einen Eiweißstoff zu entdecken (CNTF: für "ciliary neurotrophic factor"), der im Tiermodell in der Lage war, die Degeneration motorischer Nervenzellen, wie sie auch bei der Lateralsklerose zu beobachten ist, zu verhindern. Zuerst hatten die Forscher das Polypeptid aus dem Augengewebe von Hühnchen und den Ischiasnerven von Ratten und Kaninchen isoliert. Inzwischen ist es, wie die Zeitschrift Therapie der Gegenwart in ihrem Dezemberheft mitteilt, auch gelungen, menschliches CNTF gentechnisch herzustellen. In den USA haben bereits erste klinische Studien an Patienten mit Amyotropher Lateralsklerose begonnen.

DER SPIEGEL 52/1992
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