27.09.1993

Grüner PfeilWachsender Widerspruch

Die von Bundesverkehrsminister Matthias Wissmann angestrebte generelle Einführung des Grünen Pfeils, durch den nach DDR-Vorbild Rechtsabbiegen auch bei roter Ampel erlaubt sein soll, stößt zunehmend auf Widerspruch. Seit längerem schon protestieren Fußgänger-, Behinderten- und Radfahrerinitiativen gegen die geplante Verkehrsregel, die ihrer Ansicht nach Autofahrer beim Rechtsabbiegen zur Unachtsamkeit veranlassen und die Zahl der Unfallopfer erheblich erhöhen würde. Schon in der ehemaligen DDR, das belegen Statistiken, starben relativ mehr Fußgänger bei Verkehrsunfällen als in der Bundesrepublik und das, obwohl der Kraftfahrzeugbestand pro Kopf nicht einmal halb so groß war. Jetzt haben die Pfeil-Gegner neue Argumente erhalten. Der Architekt und Lehrbeauftragte für Semiotik (Wissenschaft von den Zeichen) an der TU Berlin, Norbert Reimann, weist Politiker aller Parteien darauf hin, daß ein grüner Pfeil auch aus "semiotischer Sicht ein großer Fehler" wäre: "Generationen von Autofahrern" assoziierten damit ein Vorrecht; denn "Grün ist nun mal die Farbe für freie Fahrt". Reimanns Gegenvorschlag: Der Pfeil müsse, wenn er überhaupt eingeführt werde, gelb sein, weil diese Farbe "Achtung" und damit Rücksichtnahme auf Radler und Fußgänger signalisiere. Verkehrsexperten aus Union und PDS wollen Reimanns Pfeil-Idee nun in ihre Beratungen einbeziehen.

DER SPIEGEL 39/1993
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