29.08.1994

FilmEin Held aus Blei

Ein zwielichtiger Revolvermann namens Wyatt Earp (1848 bis 1929) ist postum zu einem der populärsten Westernhelden Amerikas aufgestiegen, weil er schlau genug war, sich nicht erschießen zu lassen, sondern seinen Lebensabend an der Seite eines Ex-Showgirls in Hollywood zu verbringen, wo er PR-Leute sein wüstes Leben ins Heroische umschreiben ließ. In der langen Reihe seiner Leinwanddarsteller findet sich neben Henry Fonda, Burt Lancaster und James Stewart auch Ronald Reagan. Nun ist die Reihe an Superstar Kevin Costner. Zusammen mit dem Autor-Regisseur Lawrence Kasdan - sie sind alte Freunde, die einander viel verdanken - hat er keine Mühsal gescheut, um der Figur epische Überlebensgröße zu geben. Ihr "Wyatt Earp", der jetzt in deutschen Kinos startet, ist so ziemlich der längste und teuerste Western seit "Heaven's Gate": 190 Filmminuten für 65 Millionen Dollar. Was er an Show-Werten zu bieten hat, ist imponierend, doch der Anspruch des Bedeutsamen lastet wie Blei über der Szenerie. Eine Kinostunde lang sorgt Dennis Quaid als bizarrer Desperado Doc Holliday für Stimmung, ansonsten spielt Costner den Earp so ausdrücklich stur als Egomanen, daß wohl nur sattelfeste Fans diesem düsteren, ungeselligen Klotz über die ganze Distanz treu bleiben.

DER SPIEGEL 35/1994
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