26.09.1994

DDRTelefongeschäft mit Kohl

Die Bundesregierung hat der DDR am 16. Oktober 1988 den Bau und die Finanzierung eines neuen Telefonnetzes angeboten. Das ergibt sich aus DDR-Protokollen, die jetzt im Parteiarchiv der SED gefunden wurden. Danach sollte der Münchner Elektrokonzern Siemens in Kooperation mit DDR-Kombinaten die Verkabelung und den Bau neuer Schaltzentralen übernehmen. Für die Finanzierung des deutsch-deutschen Milliardenprojekts hatte sich der Vorstand der Deutschen Bank bereit erklärt, ein Bankenkonsortium anzuführen; Bonn sollte eine Ausfallbürgschaft übernehmen. Aus den Protokollen geht hervor, daß die Regierung Kohl "Wert auf größte Vertraulichkeit" legte. Auf westlicher Seite seien "nur H. Kohl, A. Herrhausen, K. H. Kaske" - der Kanzler sowie die Chefs der Deutschen Bank und des Siemenskonzerns - informiert. Übermittler der Offerte war der damalige CDU-Bundesschatzmeister Walther Leisler Kiep. Er hatte das Angebot zuvor mit Kohls außenpolitischem Berater Horst Teltschik abgestimmt und sich in Vier-Augen-Gesprächen die Zustimmung von Kaske und Herrhausen gesichert.

DER SPIEGEL 39/1994
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