25.07.2015

Ermittlungen15.50 Uhr

Die Love-Parade-Katastrophe hätte offenbar vermieden werden können.
Bei den Ermittlungen zur Love-Parade-Katastrophe von 2010 zeichnet sich eine Wende ab. Bislang war die Duisburger Staatsanwaltschaft davon ausgegangen, dass das Unglück, bei dem 21 Menschen starben, vor allem auf schweren "Systemfehlern" in der Planungsphase beruhte – und am Tag der Technoparty praktisch nicht mehr abzuwenden war. Der britische Wissenschaftler Keith Still, auf dessen Expertise sich die Ermittler dabei stützten, hat seine Aussage jetzt in einem entscheidenden Punkt präzisiert: Laut seinem jüngsten Gutachten hätte eine frühere "Schließung der beiden Einlasssysteme" verhindern können, dass die "Menschenverdichtung" an der Zugangsrampe "über die sicheren Grenzwerte ansteigt". Demnach könnten die 21 Menschen noch leben, wenn man die Eingangsschleusen am 24. Juli 2010 ab 15.50 Uhr konsequent abgeriegelt und die heranströmenden Besucher entsprechend "umgeleitet" hätte. Die wirksame Schließung der Zugänge durch ein Polizeiaufgebot erfolgte damals jedoch erst gegen 16.50 Uhr, als am Fuß der Rampe bereits das tödliche Gedränge entstand. Stills überraschende Neubewertung könnte erhebliche Auswirkungen auf das Strafverfahren haben. Die Staatsanwaltschaft wollte sich nicht dazu äußern und verwies auf das derzeit schwebende Verfahren. Über die Zulassung der im Februar 2014 erhobenen Anklage hat das Duisburger Landgericht bislang noch nicht entschieden.
Von Bas, und Srö,

DER SPIEGEL 31/2015
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